Leben bis zuletzt

Hospizverein Demmin

Die Hospizbewegung setzt sich für eine liebevolle Begleitung von schwerkranken Menschen und deren Angehörige ein. Diese sollen mit ihren Schmerzen, Ängsten und Bedürfnissen nicht allein gelassen werden.

Viele Menschen wünschen sich, ihre letzte Lebenszeit zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung verbringen zu können. Diese Arbeit ist ein ehrenamtlicher Dienst an unseren Mitmenschen.

Gute Sorge und Versorgung in den schwierigen Lebensphasen ist eine der größten Herausforderungen für alle Beteiligten. Das bedeutet, sich mit der Gebrechlichkeit, dem Sterben, dem Tod, dem Trauern und den damit verbundenen sorgenvollen Gefühlen auseinanderzusetzen.

Letztlich heißt das aber auch, Hilfe zuzulassen. Mit den existenziellen und letzten Fragen des Menschen hat es die Bewandtnis, dass jeder sie für sich selbst beantworten muss. Das Leben in Grenzsituationen mahnt zur Bescheidenheit, zur Besinnung auf das, was ist. Ermutigung wächst mit der Zeit. Die Sorge entsteht aus dem eigenen Blick auf das Lebensende, weckt aber andererseits auch die Verantwortung, sich zu kümmern, zu bedenken, zu gestalten und nicht auszuweichen.

Die Qualifizierung von ehrenamtlichen Hospizbegleitern hat eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung eines tragfähigen, umfassenden und integrierten Netzwerkes aller Einrichtungen und Dienste der Hospizarbeit und Palliativmedizin. Einheitliche Qualitätsstandards schaffen weitgehende Übereinstimmung in den Inhalten der Ausbildung und den Bedingungen der Begleitung durch ehrenamtliche Hospizbegleiter.

Für die fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Tätigkeit sind monatliche Gruppentreffen notwendig, die dem Austausch von Erfahrungen und deren Reflexion dienen. Das Grundanliegen ist, Menschen mit unterschiedlichem Bildungsstand und verschiedenen sozialen Hintergründen methodische Grundkenntnisse zu vermitteln.

Diese können und sollen für ihren ehrenamtlichen Einsatz hilfreich sein. Ein weiteres Ziel der Treffen ist die kritische Beschäftigung mit der eigenen Motivation, sowie Entscheidungshilfen dafür zu bekommen, wie und mit welchem Zeitbudget jedes Einzelnen Einsatz leistbar ist, ohne sich selbst zu überfordern.

Die aktuelle Studie zur Ehrenamtlichkeit und zum bürgerschaftlichen Engagement in der Hospizarbeit ergab, dass fast jeder dritte Deutsche sich wünscht, die Endphase seines Lebens in einem Hospiz verbringen zu können. Jeder fünfte erhofft sich dabei auch eine Begleitung durch Ehrenamtliche.

Die Studie war vom deutschen Hospiz- und Palliativverband beauftragt worden. Sie umfasst eine repräsentative Befragung der Bevölkerung, eine Online-Umfrage unter Ehrenamtlichen in der
Hospizarbeit sowie strukturierte Gruppengespräche mit ehrenamtlichen Begleitern, Ärzten und Profis ambulanter Pflegedienste.

Der Wunsch nach Hospizversorgung und ehrenamtlicher Begleitung ist in allen sozioökonomischen Schichten gleich verteilt. Laut der jüngsten Befragung wären 17% der Deutschen bereit zu einem
Ehrenamt in der Hospizarbeit. Tatsächlich praktiziert es nur 1%.

Getragen wird die ehrenamtliche Hospizarbeit im Wesentlichen von Frauen. In unserer Hospizgruppe beträgt der Altersdurchschnitt aller 30 aktiven Ehrenamtlerinnen 50 Jahre. Die jüngste Ehrenamtlerin ist 29 Jahre alt, die ältesten 80 Jahre. Die Verjüngung der Gruppe sichert die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes in den kommenden Jahren.
Generell ist es die Aufgabe der Kultur- und Bildungspolitik, die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement zu fördern. Eine ganz große Rolle spielt die Empathiefähigkeit und nicht zuletzt die Erfahrung von Sorge bei der Begleitung eines Familienangehörigen.

Damit der Hospizdienst nicht nur reine Frauensache bleibt, bietet die Hospizgruppe Demmin e. V. „Leben bis zuletzt“ im Jahr 2019 einen Ausbildungskurs speziell für interessierte Männer aus Demmin und Umgebung an.
Ehrenamtliche wissen mit dem Satz des französischen Philosophen Emmanuel Levinas viel anzufangen: „Einem Menschen begegnen heißt, von einem Rätsel wachgehalten werden.“

Anlässlich des Welthospiztages 2016 setzte die Hospizgruppe Demmin e.V. “Leben bis zuletzt” im zehnten Jahr ihres Bestehens mit dem Beitritt und der Unterzeichnung der “Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland” ein Zeichen für die Weiterentwicklung einer Kultur der Sorge um Schwerstkranke und sterbende Menschen in Demmin und Umgebung.

Wir sehen das seit Jahren anhaltende Bemühen um eine Verfestigung der Kultur der Sorge um schwerstkranke und sterbende Menschen in Krankenhäusern und Hospizen, in  Pflegeheimen und in den ambulanten Pflegediensten, um der Würde des Menschen gerecht zu werden.
Viel ist in Bewegung gekommen und die Charta befördert diese Bewegung in  hervorragender Weise.
“Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen” - so sind die fünf Leitsätze der Charta überschrieben: www.charta-zur-betreuung-sterbende.de.

Seit der Eröffnung des Vereinsbüros vor zwei Jahren können für die Mitglieder der Hospizgruppe Demmin e.V. in eigenen Räumlichkeiten in der Holstenstr. 22 Gruppenabende und Schulungen organisiert werden. Über ein Jahrzehnt fand die Hospizarbeit auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages in der Caritasbegegnungsstätte in der Beethovenstr. 7 statt, wo sich auch das TrauERCafé etablierte. Trauer gehört wie Sterben zum Leben und braucht seine Zeit. Trauerbegleitung ist eine wichtige Aufgabe in der Hospizarbeit. Die Hospizbewegung rüttelt auch im Bereich der Trauerwahrnehmung an “Tabus”. Die zunehmende Schnelligkeit des Lebens in einer Leistungsgesellschaft geht über Trauer hinweg. Trauer ist aber eine natürliche Reaktion auf einen schweren Verlust und nicht als Krankheit anzusehen.

Trauernde brauchen Zeit, Akzeptanz und Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Trauer. Im TrauERCafé wollen wir da sein für Hinterbliebene und Trauernde, die sich durch den Verlust eines geliebten Menschen in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden.

Jeder Mensch hat dabei seine eigene Art der Trauerbewältigung und wir können als Hospizgruppe entsprechend geschulte Mitarbeiter anbieten. Der Ambulante Hospizdienst hat als Ort kirchlichen Lebens im Sinne eines Modellprojektes über zwei Jahre ein eigenes Fundraising-Konzept erstellt. Im Zuge der räumlichen Erweiterung des TrauERCafés fanden seit Anfang diesen Jahres Informationsveranstaltungen mit allen Interessenten und den kirchlichen Gremien der katholischen Kirchengemeinde „Maria Rosenkranzkönigin“ statt. Am 6.6.2018 bereits konnten wir das TrauERCafé in den Räumlichkeiten der Gemeinde eröffnen. Liebevoll schmücken die Ehrenamtler den Raum, decken den Tisch und begrüßen die ankommenden Angehörigen herzlich. Ein Fahrdienst wird angeboten. Unser Angebot ist unabhängig von einer konfessionellen Zugehörigkeit, was nicht ausschließt, dass über Gott und die Welt gesprochen wird. Es wird sehr viel geweint, aber auch gelacht und vor allem der Verstorbenen gemeinsam gedacht. Für die Beteiligten ist es ein hilfreiches Angebot, dass sie gern in Anspruch nehmen.

Während die Sterbebegleitung bereits von den Krankenkassen refinanziert wird, lebt die Trauerarbeit von reiner Spendenakquise. So gestalten die Ehrenamtler regelmäßige Flohmärkte in der Peenemarina und in der Volksband einen Buchbasar, die Stadtbäckerei sponserte eine 25 Meter lange Erdbeerschnitte, in der großen Stadtkirche St. Bartholomaei fand ein Benefizkonzert statt. Mit dem Erlös ist es uns möglich, das TrauERCafé weiterzuentwickeln.

Der Demminer Hospizverein wurde in der Kategorie „Ehrenamtliche Daseinsvorsorge“ 2017 mit dem Engagementpreis MV und 2018 mit der Ehrenmedaille der Hansestadt Demmin gewürdigt.

Es ist immer wieder wichtig, die Motivation für die Mitarbeit im Ehrenamt zu hinterfragen. Möchte ich in meinem Verein etwas gestalten, die Gemeinschaft fördern und damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Vereinsarbeit leisten?

Will ich Verantwortung übernehmen und fühle ich mich mit meinem Verein verbunden?
Kann ich meine Vorstellungen mit Gleichgesinnten umsetzen und ist mir das Miteinander wichtig?
Die Entscheidung für ein Ehrenamt ist nicht immer leicht, weil z.B. die Zeit dafür fehlt oder die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie schwierig ist. Sind diese Hürden überwunden und ist genug Zutrauen für die Vereinsarbeit vorhanden, können Schulungen die Qualifikationen bewirken. Wer  ein Ehrenamt übernimmt, verdient Unterstützung, das Miteinander ist wichtig. Dann ist das Ehrenamt keine Last, sondern es macht Spaß.

 

Renate Koch ist Dipl.-Med. Renate Koch und  Vorstandsvorsitzende des Demminer Hospizvereins