Schöpfungsspiritualität

Landleben auf dem Achorhof in Trebbin, Ortsteil Märkisch-Wilmersdorf. Foto: Walter Wetzler

Schöpfungsspiritualität

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ (1. Mose 2, 18)- dieser Satz in der Bibel wurde und wird immer nur einseitig anthropogen verstanden und das trotz zweier Schöpfungsgeschichten! Am sechsten Schöpfungstag erfahren wir, wie er den Menschen schuf: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, sondern dass er eine Gehilfin hat“ heißt auch: andere Menschen hat, eine Familie, Kinder, Gemeinschaft. Aber Übersetzungen aus dem Hebräischen sind immer viel- und mehrdeutig. Andere mögliche Übersetzungen dazu: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist – mit sich.“ Der Mensch wird zum Menschen durch den Menschen, nur durch den Menschen? Den ganzen Rest an Geschöpfen und Schöpfung braucht er dazu nicht für sein Menschsein? Das hat Gott einfach so dazu geschaffen? In der Bibel in gerechter Sprache steht: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will für ihn eine Hilfe machen, so etwas wie ein Gegenüber. Da bildete Adonaj, also Gott, aus Ackererde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zum Menschen, um zu beobachten, wie er sie nennen würde…“ Jemandem einen Namen geben, seinen Namen kennen und nennen, ist das Herrschaft oder Vertrautheit? Was entspricht dem Gesamtcharakter der Schöpfungserzählung, was dem Wesen Gottes? Jemandem einen Namen geben - Eltern kennen das. Da wählt ihr Kind unter vielen Plüschtieren das eine aus zu seinem Lieblingsschmusetier und gibt ihm einen Namen. Und was die Kinder da erwählt haben, bekommt eine besondere Bedeutung. Und wenn das auf einmal weg ist, dann ist da ein lautes Weinen und Suchen. Der menschengemachte Klimawandel ist Realität. Die ökologischen und sozialen Auswirkungen überall spürbar. Tierarten verschwinden, dessen Namen wir oftmals gar nicht (mehr) wussten. Sie sind weg, unser Suchen und Weinen wird sie nicht mehr zurückbringen. Aber jene Tiere, die noch da sind, da können wir etwas tun: Vertrautheit statt Herrschaft, ihre Namen lernen und kennen, denn das verändert die Beziehung zu ihnen. Menschen, die auf dem Land groß geworden sind, wissen das. Ein Tier mit Namen kann man nicht mehr so leicht töten. Schöpfungsverantwortung leben als aufrechten Gang mit Verantwortung für die miterschaffene Schöpfung und nicht mit Hochmut, das hat Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si (2015) verdeutlicht. Daraufhin gab die Deutsche Bischofskonferenz ihre Handlungsempfehlungen (2018) heraus. Die Handlungsempfehlungen in den Arbeitshilfen Nr. 301 lauten: 

  1. Schöpfungsspiritualität in Verkündigung und Liturgie verorten
  2. Schöpfungsbewusstsein innerkirchlich verankern
  3. Durch Bildung sensibilisieren und ermutigen
  4. Eigene Traditionen wiederentdecken
  5. Schöpfungsverantwortung als diözesanen Schwerpunkt etablieren
  6. Gebäudemanagement umweltverträglich gestalten
  7. In kirchlichen Einrichtungen nachhaltig wirtschaften
  8. Kirchenland nachhaltig bewirtschaften
  9. Mobilität umweltfreundlich gestalten
  10. Gesellschaftspolitische und internationale Verantwortung wahrnehmen

Ich habe einige Kurzinterviews geführt mit Menschen aus dem Erzbistum, was Sie darüber denken. Hier eine Zusammenfassung:

1.) Vor 5 Jahren hat Papst Franziskus ein deutliches Zeichen gegeben mit der Enzyklika Laudato Si und dabei die Umweltfrage mit der Option für die Armen in Verbindung gebracht. Daraufhin gab die Deutsche Bischofskonferenz seine Handlungsempfehlungen (2018) heraus. Konnten Sie / Konntest du davon etwas in der katholischen Kirche, in den Schulen bei den Gläubigen hier im Erzbistum merken? 

Innerhalb der katholischen Kirche und Gemeinde wurde dazu überwiegend wenig bis nichts festgestellt. Benannt im Bereich von Umweltbewusstsein werden die Proteste der Fridays-for-Future-Bewegung, an der sich auch Christen verschiedener Konfessionen beteiligen.

2.) Gab / gibt es dazu einen Bewusstseinswandel in der Gemeinde?

Nur begrenzt. Beispiele, die hier genannt wurden: Plastikmüll bei Festen zu vermeiden. Als Alternative dazu haben Gemeinden begonnen, wieder Besteck aus Metall und Teller aus Porzellan zu benutzen oder ganz auf Verpackungsmüll zu verzichten. In Sachen Heizung gibt es ja schon seit mehreren Jahren die Maßgabe, wie warm bzw. kalt es in der Kirche sein darf.

3.) Im Herbst 2018 haben die Bischöfe in Deutschland eine Arbeitshilfe zur Schöpfungsspiritualität herausgebracht. Wissen Sie wie die Handlungsempfehlungen in den Arbeitshilfen Nr. 301 lauten?

Die Handlungsempfehlung der DBK, wo es um einen neuen Blick auf Glauben und Handeln in der Gemeinde geht, ist eher unbekannt. 

4.) Kennen Sie Projekte, die die Themen von „laudato si“ aufgreifen?

Konkrete Beispiele werden kaum genannt. Einigen bekannt ist der Archorhof, eine christliche Begegnungsstätte im südlichen Mark Brandenburg, auf einem Gelände einer früheren Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Auf dieser religiösen Insel mitten in der Diaspora wird ein Garten angelegt, wo Mensch und Natur sich friedlich begegnen können. Dort kann ein Leben mit Gemüse, Gebeten und ganz viel Geduld eingeübt werden.

Außerdem sind zu nennen Projekte mit Gott im Grünen: StadtNatur – Exerzitien z.B. in Evas Arche in Berlin Mitte und angeleitete StadtNatur - Wanderungen im Kiez der Gemeinde z.B. in St. Wilhelm, Spandau, die eine neue Begegnung von Stadt, Natur und Mensch ermöglichen. Denn die Natur ist nicht Kulisse und Objekt, sondern Subjekt und kann damit Ort der Selbst- und Gottesbegegnung werden. In ihr entdecken wir die schönen, hellen, lebendigen Seiten aber auch hässlichen, dunklen und bedrohlichen Facetten. Hautnah kann dem Existenziellen von Leben und Sterben begegnet werden.

Ein besonderer Gottesdienst in der Schöpfungszeit, dem Zeitraum vom Tag der Schöpfung (1. September) bis zum Gedenktag des Hl. Franz von Assisi (4. Oktober), fand in St. Wilhelm Spandau statt. Die Tiere aus der Weihnachtskrippe (Kamel, Esel, Ochse, Schafe) wurden zur Heiligen Messe vor dem Altar aufgestellt, stellvertretend für die Schöpfung, um Schöpfungsbewusstsein innerkirchlich und sichtbar zu verankern, denn in ihnen begegnet uns auch Gott, sie seufzen um Erlösung. Im Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi wurden die Tiere der Weihnachtskrippe – die an Weihnachten immer „nur“ eine Nebenrolle spielen – bewusst in den Mittelpunkt gestellt und abgekoppelt vom Erntedankgottesdienst und seiner Verwertungslogik. 

Des Weiteren die Tier- und Plüschtiergottesdienste in der Herz – Jesu Gemeinde Berlin – Mitte und das Feiern von Gottesdiensten draußen in der Natur oder im Gemeindegarten, nicht nur zu Pfingsten, in einigen Gemeinden. 

Zu guter Letzt der Einsatz des Misereor Hungertuchs von 2019/2020 in Predigt, Unterricht und Katechese mit seiner Anfrage an uns: „Mensch, wo bist du?“ (Gen 3,1ff), das einen gemeinsamen Dialog darüber anregen wollte, wie wir Menschen einander im Haus der Schöpfung begegnen können und gemeinsam Verantwortung für den Schutz der Mitwelt und ihrer Geschöpfe tragen können. In St. Wilhelm gab es dazu in der Fastenzeit nach der Hl. Messe eine kurze Andacht.

5.) Was verlangt ein ökologischer Lebensstil heute?

Die vier Grundeinstellungen der Umkehr von Papst Franziskus, die er in seiner Enzyklika „Laudato si“ nennt, wurden aufgeführt. Dazu zählen die Dankbarkeit und Unentgeltlichkeit, Verzicht und Großzügigkeit, liebevolles Bewusstsein, nicht von den anderen Geschöpfen getrennt zu sein, sondern mit den anderen Wesen des Universums eine wertvolle allumfassende Gemeinschaft zu bilden, sowie seine Kreativität zu entfalten und seine Begeisterung zu steigern, um die Dramen der Welt zu lösen (S. 220). Ein ökologischer Lebensstil ist nach Papst Franziskus ein „prophetischer und kontemplativer Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein“. Ein genügsamer Lebensstil in dem sich die Menschen wieder entdecken als das „Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ (Albert Schweitzer), dass wir den Schrei der verletzten „Schwester Erde“ (S. 53) hören, sie gerecht und barmherzig behandeln. „Ein ökologischer Lebensstil ist zu aller erst ein Lebensstil, der Rücksicht nimmt auf die Umwelt und den anderen Menschen, die geschwisterliche Verbundenheit zu allen Wesen und Dinge einnimmt. Wir alle leben über unsere Verhältnisse. Das beginnt damit, dass ich auf meinen Verbrauch von Ressourcen achte und auf meinen Umgang mit den Mitgeschöpfen, nicht nur im privaten und gemeindlichen Bereich. Diese Rücksicht ist nicht nur lokal bei mir vor Ort gemeint, sondern auch global.“ (Pater Markus Mönch Herz- Jesus Gemeinde Berlin) Die Frage dabei lautet: Wie kann ich mit meinem Leben dazu beitragen, dass Ressourcen gerechter und schonender genutzt werden durch mein Handeln? Was kann ich tun, um die Schöpfung zu „hüten, pflegen und bewahren“?

6.) Gibt es so etwas wie eine Schöpfungsspiritualität? Wie sähe diese ihrer Meinung nach aus?

„Doch frag nur die Tiere, sie lehren es dich, die Vögel des Himmels, sie künden es dir. Rede zur Erde, sie wird dich lehren, die Fische des Meeres erzählen es dir. Wer wüsste nicht bei alledem, dass die Hand des Herrn dies gemacht hat? In seiner Hand ruht die Seele allen Lebens und jeden Menschenleibes Geist.“ (Hiob 12,7-10)

„Ein schwimmen gegen den Strom.“ Als gute vorbildliche „Schwimmer“ wurden neben Franz von Assisi, Hildegard v. Bingen, Meister Eckart und die Exerzitien nach Ignatius von Loyola genannt. Als wichtigstes Vorbild ist für viele nach wie vor der heilige Franz von Assisi. Er war ein Mystiker und ein Pilger, der in Einfachheit und in einer wunderbaren Harmonie mit Gott, mit den anderen, mit der Natur und mit sich selbst lebte. Er war von einem familiären Verhältnis zur Schöpfung geprägt. In der Natur sah er ein Gegenüber. Liebevoll spricht er im Sonnengesang von „Bruder Wind“ und „Schwester Wasser“. Für Hildegard von Bingen ist die Schöpfung ein Werk Gottes, zu ihr gehört der Schöpfer und die Geschöpfe. Die Schöpfung ist uns von Gott gegeben, nicht um unser Maß zu überschreiten, sondern um unser Leben als ein Leben in Beziehung mit Gott zu leben, der uns erschaffen hat. In der Schöpfung wird der Schöpfer selbst sichtbar. Er wirkt auch heute noch in seinen Geschöpfen. Schöpfungsspiritualität ist eine ganzheitliche Spiritualität, die ein Gespür für die Heiligkeit allen Lebens hat und aus Aktion und Kontemplation besteht. „In der ersten Woche der ignatianischen Exerzitien geht es z.B. darum sich selber in der Schöpfung wahrzunehmen und Gottes Geschenke an uns zu erfahren und zu entdecken. Das ist eine Schöpfungsspiritualität, die dann zu einem neuen Umgang mit der Schöpfung herausfordert.“ (Pater Markus Mönch Herz- Jesus Gemeinde Berlin) Dazu gehören: richtige Beziehungen zu den Kreaturen (S. 25 GCL), in Gemeinschaft mit den anderen Kreaturen zu leben und Gott zu loben; unsere Verwandtschaft untereinander hochzuschätzen; andere Kreaturen respektieren, aus unserer Freiheit heraus in Lob, Verehrung und Dienst dem Schöpfer gegenüber; uns mit ihnen verbinden in einer universalen Lebensgemeinschaft, die einander braucht; die Verbundenheit mit ihnen leben; in Dankbarkeit mit den Kreaturen vereint zu sein; uns alle als abhängige Wesen erkennen. Dieses Empfinden der Abhängigkeit von anderen Kreaturen in der universalen Lebensgemeinschaft beruft uns zu einer gesunden Freundschaft mit ihnen. Der Gerechte, der, der im rechten Verhältnis zu Gott und Mitgeschöpfen in geistlicher Freiheit dem Leben gegenübersteht, erbarmt sich des Viehs und aller Kreatur (Sprüche 12,10). Er hat Mitgefühl und Liebe. Er betet um alle anderen Lebewesen im Universum, um sie als meine verwandten Mitgeschöpfe anerkennen zu können. Zu erreichen ist dies durch geistliche Freiheit als grundlegende Haltung in unserem Verhältnis zu allem Leben. Damit wir uns mit dem Rest der Schöpfung zusammentun zum Lob, zur Ehre und Dienst der Dreieinigkeit. Wir alle sind Teil der Liebesgeschichte Gottes, des Schöpfers mit uns. „Schöpfungsspiritualität ist sehr bewusst und fordert einen heraus aus dem was ‚normal‘ ist. Sie ruft mich heraus aus der Bequemlichkeit und aus dem Üblichen. Und das macht sie äußerst anspruchsvoll und herausfordernd. Entweder brauche ich einen sehr starken Charakter, um das in meinem Leben durchzubuchstabieren, oder es braucht ein Umfeld, das mich dabei trägt und unterstützt. Gemeinden, die einander stützen und unterstützen, sind der Motor für eine neue Schöpfungsspiritualität. Es geht nicht darum, die Gemeinde auf den Kopf zu stellen, sondern Stück für Stück zu erneuern, hin zu einem neuen Denken. Das beginnt mit den Kleinen und hört bei den Senioren auf. Eine solche Spiritualität braucht Zeit, um im persönlichen Glauben und im Handeln anzukommen, aber sie braucht auch Protagonisten, die geistlich und praktisch helfen.“ (Pater Markus Mönch Herz- Jesus Gemeinde Berlin) 

7.) Was wünschen Sie sich mit Blick auf die Umsetzung der Enzyklika?

Der Wunsch nach besonderen Projekten, die der Bewahrung der Schöpfung und der Solidarität mit anderen dienen wird häufig ausgedrückt. Aufgeführt werden die bewusste Feier des ökumenischen Schöpfungstages und der Schöpfungszeit vom 1. September bis 4. Oktober. Die Mitgeschöpfe mit ins Gebet nehmen, wie es schon seit biblischen Zeiten der Fall ist. So lädt der Psalm 104 geradezu zu einem gebeteten Spaziergang durch Gottes Schöpfung ein. Eine neue Tiertheologie, die von der Gemeinde gelesen wird und umgesetzt wird. Naturorientierte Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit und für die gesamte Gemeinde. Wortgottesdienste in der Natur mit Kindern, christliche Pfadfinderarbeit beleben, wo sich Kinder und Jugendliche als gleichwertiger Teil der Lebens- und Schöpfungsgemeinschaft erleben können. Als ein Geschöpf unter Geschöpfen in respektvoller und achtsamer Begegnung mit den anderen Mitgeschöpfen, der belebten und unbelebten Natur. Stadt- und StadtNatur-Exerzitien, um Gott zu begegnen. Literarische Abende mit ausgesuchten Autoren, die der Schöpfung auf poetische Weise begegnet sind (siehe Erich Kästner). Die Schöpfung als Kunstwerk Gottes neu sehen lernen. Regelmäßige Tier-Segnungs-Gottesdienste in der Schöpfungszeit.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.

Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden

Und tauscht bei ihnen seine Seele um.

Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.

Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Erich Kästner

8.) Was steht dem entgegen?

Das Bedürfnis, sich zu verstecken, gehört zu uns Menschen untrennbar dazu. Stecken geblieben in: „Man könnte mal, man sollte mal, man müsste eigentlich.... viel zu viele nie erledigte Sachen.“ (Songtext der Gruppe Wise Guys in: Hungertuch – Arbeitsmaterialien). Aber das ist keine Lösung. „Mensch, wo bist du?“ – wir antworten nicht auf den Ruf Gottes und arbeiten nicht mit ihm zusammen. So sind uns unsere Probleme über den Kopf gewachsen. Wir schaffen das aber nur mit Gott gemeinsam, nicht ohne ihn. Das heißt, wir müssen aus unserem Versteck kommen.

Unser gewohnter Lebensstil. Wir haben die Welt um uns herum verdinglicht, zum Objekt gemacht, anstatt in Resonanz zu gehen mit ihr. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der sich nicht in die geistliche Freiheit aufmacht, weil er Angst hat und bequem ist. Althergebrachte überholte abwertende Denkweisen und Denkfaulheit, wie: Tiere sind profan, haben keine Seele, kommen nicht in den Himmel, sind uns untergeordnet, niedrig; weniger wert, unwichtig, nur für uns Menschen da. Unsere Engherzigkeit und Engstirnigkeit. Nicht sehen wollen, Abwerten und passiv konsumieren. 

Unwissenheit, denn die Schöpfungsspiritualität hat gerade in den letzten Jahrhunderten ein Schattendasein geführt und kam in Katechese und Predigt nur wenig vor. Stattdessen dominierte der Anthropozentrismus.

Wir denken im Laufe des Tages zu wenig daran, dass Jesus bei uns ist und uns hilft. „Glaubt mir, ohne diesen guten Freund, sollten wir nicht durchs Leben gehen.“ (Theresa von Avila´).

9.) Was fördert? Was ist zu tun?

Ein Paradigmenwechsel: Sehen, Urteilen und aktiv Handeln, ora et labora, Aktion und Kontemplatio. Verantwortung übernehmen für die „Sorge für das gemeinsame Haus“ als Jünger des Herrn Jesu. Diese Sorge ist von der Wirtschaft mitzutragen. In „Fratelli tutti“ (3.10.2020) sagt Papst Franziskus:

„Und so fragen wir uns: Wie können wir heute dazu beitragen, unsere Welt zu heilen? Als Jünger des Herrn Jesus, Arzt unserer Seelen und unserer Leiber, sind wir gerufen, „sein Heilungs- und Heilswerk“ in einem physischen, sozialen und geistlichen Sinn fortzusetzen.“

Christsein bedeutet, sich aufmachen in die geistliche Freiheit und Leben als Jünger Jesu im Sinne „Whatwould Jesus do?“ (WWJD – Jüngerschaftsschule).Die Exerzitien nach Ignatius von Loyola helfen bei der Einübung. Sich neuen offenen Denkweisen öffnen, wie z.B. die von Teilhard de Chardin SJ. Er verhalf zu einer neuen Sichtweise und Wertschätzung der Evolution, da er als ihr Ziel den geistlichen Sinn der Menschheit und des Universums sah. „Ignatianische Freiheit führt uns zum Respektieren von Pflanzen, Tieren, Menschen und Ökosystemen. Sie ist die Grundlage, um unsere Haltung zu ändern, sodass wir das Wohlergehen der Lebensgemeinschaft herbeiwünschen und alles darin als ein Geschenk Gottes sehen können. Ignatius schreibt nicht über die notwendige Freiheit, Sünde und Fehler zu vermeiden, sondern die Freiheit, die wir brauchen, um auf gesunde Weise mit den verschiedenen Wesen und Gegebenheiten auf unserer Erde und jenseits davon umzugehen. Sie ist grundlegend für unsere Fähigkeit zu lieben und mit dem Sinn und Herzen Christi zu handeln. Solche Freiheit entfaltet sich in jedem von uns, wenn wir die Liebe der Dreieinigkeit erfahren und eine Haltung entwickeln, die uns erlaubt, so einen Zustand zu erkennen und zu ersehnen“ (S. 28 GCL 2002; Prinzip und Fundament, 1 Woche). Einen natürlichen Zugang zu unseren menschlichen Körpern, denn was haben wir den jungen Menschen über den Körper zu sagen als eine restriktive Sexuallehre. Unser Säugetierkörper ist unsere Natur. Einen besseren Umgang damit, bedeutet auch ein besserer Umgang mit dem Erdkörper unseres Planeten. Abschließen möchte ich mit Hildegard von Bingen und ihren Ratschlägen: 

  1. Lernen mit der Schöpfung, die von Gott gut geschaffen wurde auf eine Weise umzugehen, die die „Symphonia" berücksichtigt.
  2. Hildegard bekämpfte alle damaligen Verächter der Schöpfung.
  3. Mit unserer Entscheidung zur Umkehr zum Schöpfer helfen wir der Schöpfung.
  4. Dazu gehört nun eben auch das Loben und Preisen des Schöpfergottes.