„Stark ist nur, wer Unterschiede anerkennt.“

von Gabriele Kraatz

Bunt war die Veranstaltung „Interkulturelle Katechese“ nicht nur im Kleidungsstil. Am 22. und 23. Juni trafen sich eine Vielzahl Engagierte aus den muttersprachlichen und einige Aktive aus deutschsprachigen Gemeinden, um über das „Wie“ und „Warum“ von Katechese, insbesondere dem Ansatz „Interkulturelle Katechese“ zu diskutieren und Handwerkszeug kennenzulernen.

Frau Prof. Scheidler aus Dresden führte in die Grundsätze und Maßstäbe der „Interkulturellen Katechese“ ein. Frau Uta-Maria Köninger, Theologin und Leiterin der Fachstelle für Religionspädagogik im Kanton Zürich mit Schwerpunkt innovative und praxisnahe Katechese-Projekte, brachte ihr Lehrmaterial „Interkulturelle Katechese “mit und zeigte bewegt und spannend auf, wie sie dieses in Aus- und Weiterbildung umsetzt. Daran schloss sich ein Plenumsgespräch mit den Referentinnen, Pater Manfred Kollig und der Seelsorgeamtsleiterin Uta Raabe an.

Ausgang nahm dieses Gespräch vom Streit in der frühen Kirche zwischen den Aposteln Petrus und Paulus über „den rechten Weg“. Sollten die „Heiden“ die jüdische Beschneidung auf sich nehmen, um dann zur christl. Gemeinschaft gehören „zu dürfen“. Uta Raabe zeigte, dass letztlich beide ihren Weg gehen konnten. Katholisch sein beinhalte also viele – wenn auch nicht beliebig viele -  Wege,  es gibt nicht nur die eine Lösung, eine christliche Gemeindeform, eine katholische Spiritualität. Menschen aus verschiedensten Ländern müssen und dürfen ihren je eigenen christlich-katholischen Weg finden.

Unser Horizont wurde an der Stelle geweitet, wo der Begriff „Herkunftsland“ ersetzt wurde durch den Blick auf die vielen Stationen, die einzelne Biographien zeigen. Da geht es dann nicht mehr nur um das Geburtsland, sondern um weitere Lebensstationen in Länder und Kontinente, die schließlich zum jetzigen Leben in Deutschland führten. Es kam die Biographie als Wandergeschichte in den Blick. Diese spielt in den muttersprachlichen Gemeinden eine immer stärker werdende Rolle. Menschen bringen bereits Erfahrungen unterschiedlicher Kirchen mit zu uns. Wie kommen sie mit diesen Erfahrungen hier an? Wie nehmen wir sie auf?

Hier wurde dann auch immer wieder der Begriff „Partizipation“ genannt. Frau Köninger betonte, dass es hier vorrangig darum gehe, „auf Augenhöhe miteinander zu sprechen“. Die „Mission der ganzen Kirche“ stehe im Fokus. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Oft genug heiße „muttersprachlich“ „nicht eigentlich dazugehörend“. Partizipation gelänge nicht, wenn der Blick auf das Fehlende beim Anderen gerichtet wird. Sondern aus der Begegnung auf Augenhöhe müsse die Frage folgen „Was können wir gemeinsam tun, was kann jeder einbringen? Die Haltung „Es ist in Ordnung, eine andere Perspektive einzubringen!“, solle Raum haben. Frau Köninger betonte das Miteinander der muttersprachlichen und deutschsprachigen Gemeinden als notwendige Voraussetzung für die Entwicklung einer gemeinsamen Zukunft. „Auf Augenhöhe“ meint hier eine Gleichheit in Glauben und Akzeptanz, ohne dass sich einer als Lehrer der anderen betrachte.“

Pater Manfred Kölling stellte Jesus Christus als den einzigen Lehrer in die Mitte der Katechese. Was lehrt uns JC „vor Ort“? Das entdecken wir in den Biographien. Der Weg jedes einzelnen Menschen sei ein Weg mit Gott. „In den unterschiedlichen Biographien entdecke ich die Geschichte Gottes mit den Menschen.“, meint Kollig, das mache sie wertvoll und „lesenswert“.

Kritsch wahrgenommen wurde das Fehlen der deutschsprachigen Gemeindevertreter/-innen. Einige wenige waren gekommen, aber echtes Interesse wurde vermisst. Es scheint doch das Bewusstsein vorzuherrschen, dass Interkulturelle Katechese in erster Linie eine Sache der muttersprachlichen Gemeinden sei. Es stellt sich die Frage: Für wen ist das Thema wirklich virulent? Es ist noch zu wenig bewusst, dass muttersprachliche Gemeinden anders strukturieret sind, andere Katechese-Modelle entwickelt haben als deutschsprachige. Hier wäre es eine Zukunftsaufgabe, den reichen Schatz an Erfahrungen zu entdecken und füreinander fruchtbar zu machen.

Ein wichtiger Beitrag war der Hinweis auf den Rat der muttersprachlichen Gemeinden am Schluss des Plenumsgespräches. Dieses Gremium ist in den deutschen Diözesen nicht selbstverständlich und eine wertvoller Institution. Frau Anica Krstanovic als Vertreterin dieses Rates betonte dessen Wichtigkeit. „Wir können stolz sein, dass es so etwas im Erzbistum Berlin gibt, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind.“

Rasch stellte sich für alle Anwesenden die Frage, was das Erzbistum für die hochengagierten Katecheten der muttersprachlichen Gemeinden tun könne. Ohne hier zu schnell Entscheidungen zu fällen, wurde klar, dass es einen Weg zur Stärkung und dem Erkennen der eigenen Möglichkeiten geben solle. Auf dem Hintergrund der Erfahrungen aus Zürich könnte genau geschaut werden, was die nächsten Schritte hier in Berlin sind.

Nach einem Abendgebet ging es am nächsten Tag weiter. Auch dieser Tag begann mit einem Gebet bevor Praxisbeispiele und Workshops allen Anwesenden Erfahrungen und Material zur Verfügung stellten. Die Workshops widmeten sich neben Beispielen aus der Sakramentenkatechese auch den grundsätzlichen Aspekten von Interkultureller Katechese in den Gemeinden aber auch zwischen Katecheten selbst.
Es waren zwei intensive und lebhafte Tage, eine Bereicherung für alle, die dabei waren. „Es sollte mehr davon geben“, das war die übereinstimmende Meinung der Teilnehmer/-innen.