Im März 2025 durfte ich gemeinsam mit meiner Kollegin aus Aachen missio-Projekte in Ghana besuchen und mich mit unseren Partnerinnen und Partnern vor Ort austauschen. Neben Accra waren wir auch in Tamale, Yendi und Damongo – Orte voller Leben, aber auch voller Kontraste. Im Zentrum meiner Begegnungen standen Fragen zu Umwelt, Frieden und Gerechtigkeit.
In Accra, der Hauptstadt Ghanas, besuchten wir die Elektroschrotthalde Agbogbloshie, auf der auch unser Elektroschrott aus Deutschland und Europa landet sowie eine kleine Recyclingwerkstatt, in der aus dem Elektroschrott von der Schrotthalde Schmuck hergestellt wird – eine Initiative, die von missio unterstützt wird. Trotz gesetzlicher Verbote wird Elektroschrott auf der Müllhalde weiter verbrannt, um wertvolle Metalle zu gewinnen. Das Geschäft mit dem Müll ist ein lukratives, aber hochproblematisches Netzwerk. Die Gesundheit der Menschen, besonders der Kinder, leidet – und die Umwelt gleich mit.
In der nördlich gelegenen Stadt Yendi beschäftigte uns ein ganz anderes Thema. Hier haben wir Frauen getroffen, die einst als "Hexen" stigmatisiert wurden und somit aus ihrer Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wurden. Sie suchen Schutz in einem Dorf, wo sie Zuflucht finden und von katholischen Ordensschwestern betreut werden. Dort finden sie Sicherheit, Gemeinschaft und neue Hoffnung. Sie erhalten psychosoziale Unterstützung, lernen Handwerk oder Gartenbau und beginnen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Ein weiteres Thema im Norden ist der Einfall von Islamisten aus den Nachbarländern. Der Druck extremistischer Gruppen aus dem benachbarten Burkina Faso wächst – sie versuchen gezielt, religiöse Spannungen zu schüren. Noch ist das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Ghana von Toleranz und Freundschaft geprägt, aber die Gefahr, dass sich dies ändert, ist real. Das Zentrum für Konflikttransformation und Friedensstudien (CECOTAPS) in Damongo ist hier ein Hoffnungsträger: Es arbeitet mit Jugendlichen, Geistlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen, um Friedensarbeit, Dialog und Bildung zu stärken. Solche Friedenszentren gibt es in mehreren nördlichen Diözesen und Sie beobachten die Situation vor Ort genau. Sie versuchen die Menschen für diese Gefahr zu sensibilisieren und arbeiten mit Behörden sowie Dorfbewohnerinnen und -bewohnern zusammen.
Ein zusätzliches Thema, das uns begegnete, war die Pastoral in einem sich wandelnden Klima: Viele Familien leiden unter den Folgen des Klimawandels – Trockenheit, Ernteausfälle und Hunger nehmen zu. Gleichzeitig kämpfen die Diözesen mit finanziellen Engpässen: Die Ausbildung von Priestern und Katechisten ist teuer, viele Priester müssen einem Zweitjob nachgehen oder ihren Berufswunsch aufgeben, um ihre Familien zu unterstützen.
Die Reise war sehr eindrücklich und kontrastreich. Ghana zeigt, wie eng globale Fragen miteinander verwoben sind: Umweltzerstörung, Armut, Frieden und interreligiöses Zusammenleben. Uns wurde noch einmal klar, welche Auswirkungen unser Konsum in Deutschland auf die Menschen in anderen Teilen der Erde hat. Nur weil wir unseren Müll in Deutschland nicht sehen, heißt das nicht, dass er nicht mehr existiert. Die Reise zeigte mir aber auch, dass es dort viel Hoffnung gibt, wo Menschen sich engagieren und sich füreinander einsetzen.