15 Jahre Deutsches Institut für Community Organizing an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB)

Bild: Marie Toloue Tehrani

Seit mehr als 15 Jahren fördert und begleitet das Deutsche Institut für Community Organizing (DICO) Bürgerplattformen in Deutschland. Es stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt über viele Grenzen hinweg, ermöglicht Teilhabe auch für diejenigen, denen es nicht immer zugetraut wird und festigt damit die Demokratie.

Zusammen mit dem Jubiläum wurde auch die Verabschiedung von Prof. Leo Penta gefeiert, der das DICO 2006 als Institut der KHSB gegründet hatte. Kurz vor der Jahrtausendwende war es Penta, der den Gedanken des Community Organizing aus den USA nach Deutschland gebracht und in der deutschen Zivilgesellschaft verankert hat.

In seiner Keynote zur Verabschiedung Prof. Pentas würdigte der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch dessen Arbeit auch theologisch: „Die Kirche ist (…) ihrem Wesen und ihrer Sendung nach Community Organizerin. Denn sie ist nicht für sich selbst da. Schon gar nicht soll sie sich in den Mittelpunkt stellen. Ihr Auftrag ist, zu verbinden, was sonst unverbunden bleiben würde. In Beziehung zu bringen, was sonst ohne Bezug wäre. Ich glaube, es ist deutlich geworden: Was Sie, lieber Herr Professor Penta, und das Deutsche Institut für Community Organizing leisten, ist angewandte Wissenschaft. Es kann aber zugleich, so darf ich vielleicht hinzufügen, als ein Anwendungsfall des christliche Glaubens aufgefasst werden“.

„Als Leo Penta diese Form der Bürger*innenbeteiligung aus den USA nach Deutschland gebracht hat, als er andere überzeugt hat, Community Organizing als Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeit der Gruppen vor Ort zu etablieren, war es eine völlig neue Form des Engagements der Zivilgesellschaft“, so KHSB-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Kuhn-Zuber in ihrer Würdigung, „Leo Penta hat Pionierarbeit geleistet, mit Herzblut, Begeisterungsfähigkeit und einem grundlegenden Glauben, dass es in Deutschland ebenso funktionieren kann wie in den Vereinigten Staaten“. Das DICO sei ein besonderes Institut der Hochschule, „dem es hier offenbar besonders gut gelingt, Menschen aus unterschiedlichsten Sozialisationen, Kulturen und Religionen zu verbinden und ihnen die für ihre Arbeit so wichtige Ausbildung und das so wichtige Know-how zu vermitteln. Es lädt dazu ein, verschiedene Perspektiven auf die Welt einzunehmen, gesellschaftliche Widersprüche aufzudecken, die eigene Meinungsbildung zu schärfen und Möglichkeiten wie Grenzen akademischen Wissens zu reflektieren.“
Die Aufgaben in der Leitung des DICO teilen sich künftig Prof. Dr. Sarah Häseler-Bestmann, Prof. Dr. Christine Funk, Dipl. Ing. Tobias Meier und Andreas Richter, MA.
Die Expertise des neuen Leitungsteams macht wichtige Dimensionen des Community Organizings sichtbar: Eine Dimension ist die Gemeinwesenorientierung der Sozialen Arbeit und ihre Demokratierelevanz in ausdrücklicher Offenheit für die Ressourcen, die in einer Bürger*innengesellschaft der Vielfalt mit den Menschen der unterschiedlichsten Herkünfte, Talente und Voraussetzungen gegeben sind. Diese werden z.B. in den religiösen Gemeinden aller Religionen, insbesondere auch denen, die durch Migration geprägt sind, gefunden und in Kooperation mit anderen Gruppen repräsentiert. Eine weitere Dimension sind die Community Organizer, die hauptamtlich und professionell die Menschen vor Ort miteinander in Kontakt bringen, Verlässlichkeit und gemeinsame Handlungsfähigkeit organisieren und dazu beitragen, dass diese Menschen in ihrer Rolle als öffentlich handelnde Personen wachsen.

Aktuell arbeiten in Berlin die Bürgerplattformen: SO! Mit uns. Bürgerplattform Berlin-Südost; Wir sind da! Bürgerplattform Wedding-Moabit; Bürgerplattform Wir in Neukölln.; Wir bewegen Spandau. Die Bürgerplattform.

Gemeinsam handeln sie in Zuhören und Hinschauen im Hinblick auf die Folgen des Krieges in der Ukraine mit zahlreichen Vernetzungsrunden und Unterstützungsaktivitäten.