Mit dem 63. Weltgebetstag um geistliche Berufungen hat die katholische Kirche am Sonntag, 26. April 2026 dazu eingeladen, für Berufungen zu beten. Der Gebetstag steht im deutschsprachigen Raum unter dem Leitwort „In der Liebe verwurzelt“ und fällt in ein besonderes Jubiläumsjahr: Vor 100 Jahren wurde eine Gebetsinitiative ins Leben gerufen, aus der das heutige Päpstliche Werk für geistliche Berufe hervorgegangen ist.
Die Botschaft von Papst Leo XIV. zum Weltgebetstag trägt den Titel „Die Entdeckung der Gabe Gottes in unserem Inneren“. Darin richtet er den Blick darauf, Berufung als inneren Weg zu verstehen, der aus der Begegnung mit Gott erwächst. Jede Berufung beginne dort, wo Menschen innehalten, beten und sich für Gottes Gegenwart öffnen. Der Papst beschreibt Christus als den „schönen Hirten“, der den Menschen die Schönheit eines Lebens in seiner Nachfolge zeigt. Wer sich auf diesen Weg einlasse, entdecke das eigene Leben als Gabe und werde befähigt, es für andere hinzugeben. Berufung sei dabei kein einmaliges Ereignis, sondern ein Weg der Reifung, der Vertrauen, Geduld und die Bereitschaft erfordere, sich von Gott führen zu lassen.
Bischof Dr. Michael Gerber (Fulda), Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Deutschen Bischofskonferenz, erklärt zum Weltgebetstag: „Gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierung fordert uns der christliche Glaube heraus, darum zu ringen, dass die Liebe tatsächlich die entscheidende Dynamik unseres Lebens ist. Wer solchermaßen in der Liebe Gottes verwurzelt ist, kann aus dieser Quelle heraus leben und handeln. Berufung bedeutet, sich von dieser Liebe tragen zu lassen und sie in die Welt zu tragen. Gerade heute braucht es Menschen, die aus dem Glauben heraus Orientierung geben und Hoffnung schenken.“
Mit Blick auf das 100-jährige Jubiläum erinnert Bischof Gerber an die Anfänge des Gebetswerks: „1926 haben engagierte Frauen auf die Nöte ihrer Zeit reagiert – mit Gebet, Mut und konkreter Hilfe. Ihr Einsatz zeigt bis heute: Berufungen wachsen dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und in der Verbundenheit mit Christus handeln.“
Die Botschaft des Papstes unterstreicht zudem die Bedeutung von Gemeinschaft und Begleitung. Familien, Pfarreien und kirchliche Einrichtungen seien Orte, an denen Berufung wachsen könne. Besonders junge Menschen werden ermutigt, Räume der Stille zu suchen, auf die Stimme Gottes zu hören und sich auf einen Weg der Unterscheidung einzulassen.
Bischof Gerber betont: „Der Weltgebetstag ist für uns alle eine Einladung, innezuhalten und zu fragen: Wo bin ich gerufen, aus der Liebe heraus zu leben? Wo kann mein Leben für andere fruchtbar werden? Berufung ist konkret, lebendig und notwendig für unsere Kirche und unsere Gesellschaft.“ Zugleich verweist er auf die vielfältigen Angebote der Berufungspastoral in den deutschen (Erz-)Diözesen sowie auf Initiativen, die Menschen auf ihrem Weg begleiten. Ziel sei es, eine Kultur der Berufung zu fördern, in der jeder Mensch seinen Platz im Plan Gottes entdecken könne.
40-Tage-Gebet um geistliche Berufungen
Seit 2008 beten wir im Erzbistum Berlin vom Guten-Hirten-Sonntag bis Fronleichnam 40 Tage lang besonders um geistliche Berufungen. Die Fürbittvorschläge sind als Anregung für das persönliche wie für das gemeinsam Gebet und die Verwendung in der Heiligen Messe gedacht.