Auf Wiedersehen in Berlin!

Fotos: Andreas Fritsch

„Ačiū“ – „Danke“ Dankbarkeit – auf Litauisch und auf Deutsch – stand am Ende einer mehrtägigen Begegnungsreise der Leitung des Erzbistums Berlin in das Erzbistum Vilnius Ende Oktober.

Am Anfang stand die Berliner Überlegung neben vielfältigen nachbarschaftlichen Kontakten mit einem osteuropäischen Bistum die Beziehung zu vertiefen. Erzbischof Dr. Heiner Koch, der auch der „Renovabis-Bischof“ bei der Deutschen Bischofskonferenz ist, und Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC haben sich diesbezüglich von Renovabis, dem Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland, beraten lassen.

„Als Bistum in der Mitte Europas, in der Hauptstadt Deutschlands und mit einer engen Verbindung zu Osteuropa liegt es nahe, uns (auch kirchlich) in Osteuropa zu orientieren. Wir haben ähnliche Fragen und Herausforderungen, denen sich die Kirche stellt. Diese kennen zu lernen war ein Hauptmotiv unserer Reise nach Vilnius“, so Erzbischof Koch.
Nach einer ersten Anfrage, ob sich das Erzbistum Vilnius solch eine vertiefte Kooperation mit dem Erzbistum Bistum grundsätzlich vorstellen könne, erfolgte nun die Einladung der Berliner Delegation durch Erzbischof Gintaras Linas Grušas. Dieser gehörten neben Erzbischof Koch und Generalvikar Pater Manfred Kollig auch der Leiter des Fachreferates Weltkirche, Andreas Fritsch, sowie Matthias Dörr, Abteilungsleiter bei Renovabis, an.
Erzbischof Grušas und Weihbischof Darius Trijonis nahmen sich viel Zeit, um den deutschen Gästen die Kirche im Erzbistum Vilnius näher zu bringen. So begleiteten sie ihre Gäste zu den zentralen Heiligtümern in Vilnius:
Das „Tor der Morgenröte“ mit dem Bildnis der barmherzigen Muttergottes ist Teil der historischen Stadtmauer und ein bedeutender Wallfahrtsort, durch das man hindurchgehen kann.

Die Anbetungskirche „Heiligtum der Barmherzigkeit“ beherbergt das „Gnadenbild des Barmherzigen Jesus“ (oder kurz „Der barmherzige Jesus“), welches Eugeniusz Kazimirowski 1934 in Vilnius
unter den Augen der Nonne Faustyna Kowalska nach ihren Visionen gemalt hat. Hierbei handelt es sich um das Originalbild, das sich vom bekannten Krakauer Bild in einigen Details unterscheidet.

Mit dem Besuch der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Trakai, der historischen Hauptstadt Litauens, hatte die Reise auch den Charakter einer Pilgerreise.

Caritas steht vor großen Herausforderungen

Neben dem gemeinsamen Gebet und der Besichtigung bedeutender Kirchen in Vilnius sowie dem Besuch des Diözesanmuseums ergab sich die Gelegenheit zu einem Austausch mit Mitarbeitenden aus dem Erzbistum Vilnius: Verantwortliche aus den Bereichen Caritas, Familien-, Jugend- und Hochschulpastoral berichteten von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen.

Erzbischof Koch wollte beim Besuch einer Innenstadtpfarrei von Vilnius weder dem Übersetzer noch seinen Ohren trauen: 100.000 Katholiken machen vor allem die Herausforderungen der örtlichen Caritas sichtbar; die Themen sind dabei dieselben wie im Erzbistum Berlin: Die Versorgung von Bedürftigen sowie die Sorge der Menschen, die gestiegenen Energiekosten nicht bezahlen zu können.

Im direkten Gespräch der beiden Bistumsleitungen war auch die Frage der Zukunft der Kirche sowie die Weltsynode und der synodale Weg in Deutschland Thema. Gemeinsames Anliegen ist die Suche danach, wie die Kirche in ihrem jeweiligen Kontext stärker eine Kirche des Volkes Gottes und der Beteiligung vieler sein kann. Erzbischof Grušas berichtete aus der Befragung der Katholik:innen in Vilnius für den synodalen Prozess der Weltkirche: „Die Gläubigen waren froh über die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Erwartungen mitzuteilen, und fühlten sich angehört. Die Erfahrung des Unterscheidungsprozesses war insgesamt positiv und mit der Hoffnung verbunden, dass der synodale Prozess in den Gemeinden fortgesetzt werden wird.“ Die Berlin Delegation konnte wiederum Verständnis für den Synodalen Weg in Deutschland schaffen. Sie erklärten den Unterschied zwischen denjenigen Beschlüssen, die auf der Basis des jetzigen Kirchenrechts in der Verantwortung einzelner Bistümer umsetzbar sind, und jenen, die als Votum mit der Bitte um Beratung in den weltweiten synodalen Prozess eingebracht werden.

Ein Besuch im ehemaligen KGB-Gefängnis in Vilnius führte eindrücklich vor Augen, wie sehr das litauische Volk unter der Besatzung der Sowjets zu leiden hatte und wie stark Kirchengeschichte und die Geschichte des Staates miteinander verwoben sind.

Wir bleiben in Verbindung

„Ačiū“ – „Danke“ Dank für tiefe Einblicke in die kirchliche und pastorale Wirklichkeit in Litauen, Dank für das gemeinsame Gebet und den intensiven sehr persönlichen Austausch.

„Ačiū“ – „Danke und auf Wiedersehen in Berlin!“ Erzbischof Koch sprach zum Abschied die Einladung zu einem Gegenbesuch in Berlin aus und bekräftigte sie mit Berliner Bären als Gastgeschenke: „Ich freue mich, wenn wir Sie und Ihre Mitarbeitenden zu einem Besuch in Berlin begrüßen dürfen. Seien Sie herzlich willkommen!“

Erzbischof Gintaras Grušas zog ebenfalls eine positive Bilanz des gemeinsamen Austausches: „Ich danke dem Erzbischof von Berlin und seinen Kollegen für den Besuch in Litauen, der das Interesse an der Erzdiözese Vilnius und den Willen zur Zusammenarbeit gezeigt hat. Es war interessant und nützlich, etwas über das Erzbistum Berlin, die Bedürfnisse der Gläubigen und die Art und Weise der Seelsorge in diesem Bistum zu erfahren. Ich glaube, dass die Begegnungen, die in Vilnius stattgefunden haben, das Potenzial haben, in Zukunft Früchte zu tragen."

„Ein möglicher dauerhafter Austausch lebt von konkreten Begegnungen und Beziehungen. Ich kann mir vorstellen, dass ein Treffen mit den Mitarbeiter:innen aus dem Erzbistum Vilnius aus den unterschiedlichsten pastoralen Bereichen zusammen mit Erzbischof Grušas ein guter nächster Schritt sein kann“, konkretisierte Generalvikar Manfred Kollig SSCC mögliche nächste Schritte.

Die Einladung steht – nun gilt es, diese konkret umzusetzen. Dies können sich beide Seiten, Berlin und Vilnius vorstellen. Wir bleiben in Kontakt, dass ist die gemeinsame Vereinbarung.