Pressemeldung

Berliner Bischöfe feiern mit Künstlern Aschermittwoch

Berlin (KNA) Ihren traditionellen "Aschermittwoch der Künstler" haben die beiden großen Kirchen in Berlin gemeinsam gefeiert. In der überfüllten Sankt-Matthäus-Kirche am Kulturforum rief Erzbischof Heiner Koch die Künstler auf, in einer anscheinend aus den Fugen geratenen Welt zu helfen, "mit dem Herzen zu sehen". Er warnte davor, die Achtung vor dem Menschen zu verlieren. Es gehe "um die Würde des geborenen und des ungeborenen Menschen, des Leidenden und Behinderten, des Flüchtlings und des Obdachlosen". Die Kunst könne helfen, dies deutlich zu machen, "zu verunsichern, aber auch Mut zu machen".

In dem ökumenischen Gottesdienst zeichneten Koch und der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge den Teilnehmern das Aschekreuz als Symbol der Trauer und Buße auf die Stirn. Mit dem Gottesdienst wurde in der Sankt-Matthäus-Kirche die Ausstellung "Passion" des Münchner Fotografen Christopher Thomas über die Oberammergauer Passionsspiele eröffnet.

In der benachbarten Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin stand anschließend die traditionelle "Künstlerrede" des Empfangs auf dem Programm. Unter dem Titel "Vom Wert der Kunst" fand sie in diesem Jahr im Dialog zwischen dem Direktor der Gemäldegalerie, Bernd-Wolfgang Lindemann, und dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, statt.

Zimmermann beklagte, dass trotz steigender Preise auf dem Kunstmarkt das Einkommen der Künstler stagniere. Während der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer derzeit 41.000 Euro pro Jahr verdiene, seien es bei Bildenden Künstlern im Durchschnitt nur 17.000 Euro.

Lindemann äußerte sich zu den umstrittenen Plänen für ein Kulturgutschutzgesetz und plädierte für einen zurückhaltenden Umgang damit. Umstritten ist besonders die Definition und Festschreibung von "national wertvollem Kulturgut". Der Kunsthandel hatte beim ersten Gesetzentwurf befürchtet, dass etwa Dauerleihgaben an Museen künftig unter Schutz stehen und quasi Staatseigentum werden. "Wenn die Institutionen, die Kunst sammeln, ihrer Bedeutung entsprechend ausgestattet wären, bräuchten wir uns um so etwas keine Sorgen machen", so Lindemann.

Die Tradition eines "Aschermittwochs der Künstler" wurde von der katholischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris begründet und in vielen deutschen Bistümern aufgenommen. In Berlin wurde der Tag "zu einer festen ökumenischen Institution und einer guten Begegnung von Theologie und Kunst", wie Bischof Dröge bei dem Empfang betonte.

An Gottesdienst und Empfang wirkten auch der Kunstbeauftragte des Erzbistums Berlin, Pater Georg Maria Roers, sowie der Kunstbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Pfarrer Christhard-Georg Neubert, mit.

Stichwort: Aschermittwoch der Künstler

Berlin (KNA) Der "Aschermittwoch der Künstler" soll Begegnungen von Kirche und Kunst ermöglichen. Dazu gibt es zum Auftakt der Fastenzeit in zahlreichen deutschen Bischofsstädten Veranstaltungen. Die Initiative dazu kam aus Frankreich. Dort strebte der katholische Schriftsteller Paul Claudel (1868-1955) nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer solchen Begegnung einen spirituellen Neuanfang für Europa an.

Der erste "Aschermittwoch der Künstler" in einer deutschen Diözese fand 1950 in Köln statt. Dem folgten bald München und andere Bistümer. Heute gibt es entsprechende Angebote in einer Reihe von Städten weltweit. In Deutschland wird die ursprünglich katholisch geprägte Idee mancherorts ökumenisch begangen.

Mit der Begegnung will die Kirche ihre Wertschätzung für Kunst und Künstler bekunden. Sie soll zugleich einer religiösen Standortbestimmung dienen oder auch die gemeinsame Auseinandersetzung mit Grundfragen der menschlichen Existenz ermöglichen. In aller Regel gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst zum Auftakt der Fastenzeit und einen kulturellen Akzent, bei dem auch prominente Kunstschaffende zu Wort kommen. Daran schließt sich die Möglichkeit zum Gespräch zwischen Bischof oder Geistlichen und Künstlern an.