Pressemeldung

Die Kunst erfassen

Erik Venhorst mag Datenbanken – und zwar solche, die Kunstschätze erfassen. Nachdem er schon in zahlreichen deutschen Diözesen an deren Erstellung mitgewirkt hat, ist er nun Kunstbeauftragter im Erzbistum Berlin.

„Ich habe Freude an der Kunst und teile das gern mit.“ Erik Venhorst hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Schon als er am Niederrhein auf dem Land aufwuchs, untersuchte der heute 55-Jährige gerne alles, was er draußen fand – Käfer genauso wie die archäologischen Fundstellen aus der Römerzeit. „Im Kiesbett des Flusses habe ich damals Tonscherben und Münzen gefunden, dadurch hatte ich schon früh einen physischen Zugang zum Altertum“, erinnert er sich.

Venhorst verfolgte sein Hobby weiter, wählte im Gymnasium den Kunst-Leistungskurs und studierte Kunstgeschichte in Bonn und Berlin. Eine weitere Leidenschaft, die er sich beruflich dann zum Hauptthema gemacht hat, lässt aufhorchen: Ausgerechnet für Datenbanken begeistert sich der Mann. Das kann er gut erklären: „Ich verfolge einen quantitativ-lexikalischen Ansatz der Kunstgeschichte“, sagt er und schlüsselt sofort anhand eines Beispiels auf, was das bedeutet: „Wenn ich wissen will, wann der heilige Josef mit unterschiedlichen Beizeichen dargestellt wird, suche ich in der Datenbank nach Josefs-Darstellungen.“ Der Computer sucht ihm die erfassten Darstellungen heraus und der Kunsthistoriker kann Darstellungsvarianten und Veränderungen leicht erkennen.

Viel Erfahrung mit Inventarisation

Eine solche Datenbank zu installieren, ist auch seine erste große Aufgabe als Kunstbeauftragter des Erzbistums Berlin. Im Februar trat Venhorst die Nachfolge von Christine Goetz an, die Ende 2017 in den Ruhestand ging. In dieser Datenbank die Erkenntnisse von Frau Goetz niederzulegen, darum gehe es für ihn hauptsächlich in der ersten Phase seiner neuen Tätigkeit. Christine Goetz habe die Kunstschätze des Erzbistums inventarisiert, er digitalisiere jetzt ihre Funde. „Generell muss ich auch nachinventarisieren, Schwarz-Weiß-Fotos durch Farbbilder ersetzen und neue Werke einfügen“, erklärt Venhorst.

Mit solcherlei Arbeit hat er bereits viel Erfahrung: Bereits in den Bistümern Magdeburg, Hildesheim und Paderborn war er an der Kunstinventarisation beteiligt und kletterte zuletzt in der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf die Dachböden der Kirchen hinauf und in die Keller hinab, um die dortigen Schätze zu erfassen. An all diese Orte reiste Venhorst immer von Berlin aus, was insbesondere in den letzten Jahren weite Strecken bedeutete. Um mehr Zeit für seine Frau und die beiden Kinder zu haben, bewarb er sich dann in Berlin – und freute sich, als er wegen seiner reichen Erfahrung die Stelle bekam.

Über seinen Wohnort hinaus ist der Kunsthistoriker mit der Region vertraut: Er hat bereits an Ausstellungen in der ehemaligen Zisterzienserabtei Neuzelle, in Magdeburg über die heilige Mechthild von Magdeburg und über das spirituelle Thüringen mitgewirkt, war in Neuzelle bei der Stiftung für das Kulturprogramm zuständig und promoviert zum dortigen Heiligen Grab. Privat engagiert sich Venhorst als Rettungsschwimmer und Ersthilfesanitäter, läuft Marathon und ist in seiner Kirchengemeinde Herz Jesu in Berlin-Zehlendorf im Besuchsdienst und als Katechet bekannt. Aktuell bringt er im Firmunterricht seinen kunsthistorischen Sachverstand ein, wenn es etwa um Gottesbilder geht.

Ansprechpartner für Gemeinden

Wenn die Datenbank der Kunstschätze im Erzbistum einmal erstellt ist, freut sich Venhorst darauf, auch an die Konzeption von Ausstellungen gehen und verstärkt Vorträge anbieten zu können. Schon heute will er Ansprechpartner sein für die Gemeinden: „Überall, wo Restaurierungsmaßnahmen, Neuanschaffungen und Umgestaltungen anstehen, kann man sich an mich wenden“, sagt er. Seinen Sachverstand bietet er auch an, damit die wertvollen Kunstgüter erhalten bleiben, Kelche nicht einfach vor der Neuvergoldung komplett abgeschliffen, sondern die besonderen Merkmale sorgfältig konserviert werden können, damit Bilder, Paramente und Plastiken jeweils die richtigen Lagerbedingungen bekommen können und so vor versehentlicher Zerstörung geschützt sind.