Pressemeldung

Dompropst Prälat Tobias Przytarski zum Projekt Sankt Hedwig Mitte

In einem Brief an Unterstützer und Kritiker der geplanten Umgestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale gibt Dompropst Prälat Tobias Przytarski einen aktuellen Zwischenstand am Ende des Jahres.
Er verweist darin u.a. auf die Förderbescheide von Bund und Land, auf die denkmalrechtliche Genehmigung, auf die konkrete Weiterentwicklung der Planungen sowie auf besondere Ereignisse wie die Ausstellung „Glowing Core“ von Rebecca Horn und die Dokumentation des Wettbewerbs.

Der Brief im Wortlaut:

„Ich bin froh und dankbar, dass wir nach konstruktiven Gesprächen hinsichtlich der denkmalrechtlichen Genehmigung zu einer tragfähigen Vereinbarung gekommen sind. Inzwischen liegen nun auch die Förderbescheide von Bund und Land vor. Damit können wir endlich die notwendigen Ausschreibungen und konkreten Planungen vornehmen. Parallel dazu haben wir – mit engagierter Beteiligung unseres Erzbischofs Dr. Heiner Koch und Unterstützung der zuständigen Gremien – den Preisträger-Entwurf im Gespräch mit dem Architekten Peter Sichau und dem Künstler Leo Zogmayer weiterentwickelt. Er ist und bleibt die Grundlage für unser Vorhaben. Von Anfang an war klar, dass unsere großartige Klais-Orgel erhalten wird. Außerdem wird es weiterhin Kniebänke geben. Der Erzbischof hat entschieden, dass der Altar um mindestens eine Stufe erhöht werden soll, außerdem soll weiterhin ein Kreuz auf der Kuppel stehen.

In diesen Tagen erscheint übrigens die Dokumentation des Wettbewerbs zur Umgestaltung der Kathedrale im renommierten Verlag DOM publishers. Dies stand bislang noch aus, damit ist der Wettbewerb nun zu einem guten Abschluss gekommen.

Seit dem 1. September ist die Kathedrale geschlossen. Der Umzug der Kathedral-Gottesdienste nach St. Joseph hat sehr gut geklappt, vor allem auch dank der überwältigenden Gastfreundschaft der dortigen Gemeinde. Auch an den Werktagen etabliert sich eine erfreulich große gottesdienstliche Gemeinde, und ich gewöhne mich mehr und mehr an die neue Nachbarschaft im Wedding. Es ist eine wertvolle Erfahrung, die „Komfort-Zone“ in Mitte zu verlassen.

Die Kathedrale ist ausgeräumt, alle Kunstgegenstände und Bänke sind sachgerecht eingelagert. Das Geländer wurde reversibel entfernt und die Öffnung zur Unterkirche zunächst provisorisch geschlossen. Es ist faszinierend zu erleben, wie sich der Raum dadurch verändert, intimer und geschlossener wirkt. Die Veränderung ist übrigens nicht nur optisch: „Ich wusste gar nicht, dass die Orgel solch Bässe hat“, zeigte sich Domorganist Thomas Sauer positiv überrascht.

Das konnte man vor allem bei der mehrwöchigen Ausstellung „Glowing Core“ von Rebecca Horn mit ihren Nachtmusiken erleben. „Hier war ich ja noch nie“, so eine häufige Rückmeldung von Besuchern. Es ist uns damit gelungen, viele Menschen für den einzigartigen Rundbau unserer Kathedrale zu begeistern. Mehr als 23.000 Besucher konnten die Kuratoren Alexander Ochs und Pater Georg Maria Roers SJ zählen, - mit 10.000 hatten wir gerechnet.

Eine ganz andere Erfahrung mit der Kathedrale haben wir am „Welttag der Armen“ gemacht, als wir das Gotteshaus für ein Gastmahl öffneten, zu dem viele Obdachlose, Bedürftige und Flüchtlinge aus unseren Gemeinden eingeladen worden sind. Gastgeber waren unser Erzbischof und die Gemeinschaft von Sant’Egidio. Ich habe dieses Gastmahl als wirklichen Gottesdienst erlebt, wenn auch ganz anders als gewohnt.

Auf der Karte können Sie aus unserer wertvollen neapolitanischen Krippe die Heilige Familie sehen, die rechtzeitig zum Advent restauriert nach Berlin zurückgekehrt ist. Im Sommer hatte der Restaurator Sebastian Westermeier sämtliche der rund 40 Figuren mitgenommen. Gemeinsam mit der Textil-Restauratorin Monika Kager wurden zunächst die „Hauptrollen“ restauriert. Jesus, Maria und Joseph sind in der Vorhalle der Kathedrale zu sehen. Solange das noch möglich ist, dient die Vorhalle künftig auch als Informationsort. Wir entsprechen damit dem großen Interesse an unseren Plänen, das wir immer wieder erleben dürfen.

Mein Fazit: Das Projekt Sankt Hedwig Mitte braucht mehr Geduld, als ich zunächst gedacht und gehofft hatte. Und doch kommen wir Stück für Stück voran. So gehe ich zuversichtlich ins neue Jahr. Wir werden mit unseren vielen Partnern im Gespräch und in der Abstimmung bleiben, natürlich gern auch mit Ihnen.“

Die erwähnte Dokumentation ist im Verlag DOM publishers erschienen:

Architektur und Liturgie
Umgestaltung der St.  Hedwigs-Kathedrale in Berlin
Herausgegeben von Tobias Przytarski
210 × 230  mm
100 Seiten
200 Abbildungen
Softcover
ISBN 978-3-86922-645-3

Kosten: 28,- €