Erzbischof Dr. Heiner Koch würdigt „Nostra Aetate“Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen

Zum 28. Oktober 2015: „Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen ist für uns Christen im Erzbistum Berlin heute vielleicht noch bedeutsamer als bei ihrer Unterzeichnung vor 50 Jahren.

Geschrieben aus dem Geist der Aussöhnung und Wiederannäherung an die Juden, ist der Text Widerspruch gegen jeden Antisemitismus geblieben und Grundlage für die christlich-jüdische Annäherung geworden.

An Bedeutung gewonnen haben auch für uns die Aussagen über das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen. Das Konzil ermahnt, ‚sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung (…) des Friedens und der Freiheit für alle Menschen‘.

Christen, Juden und Muslime, aber auch Buddhisten, Hinduisten und andere gläubige Menschen suchen Schutz und Zuflucht oder ein besseres Leben hier bei uns. Sie nehmen oftmals ihren Glauben sehr ernst. Die, die zu uns kommen, stellen damit auch Fragen an unseren Glauben. Sie werden uns verändern und unsere Frage nach Gott.

Auch in Hinsicht auf Glauben und Religion stellt sich die Frage, wie Integration gelingen kann, ohne die eigene religiöse Überzeugung aufgeben zu müssen.

Das gilt für uns Christen auch mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Wie feiern wir? Wir können wir es Anderen erklären, was uns daran wichtig ist? Wie können wir zur Mitfeier einladen?

Denn Gastfreundschaft ist Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen heilig, sie gilt ohne Ansehen der Religionszugehörigkeit. Sie sollte uns auch leiten bei der Integration und der Hilfe für Flüchtlinge. Denn für Juden, Christen und Muslime ist die Erfahrung von Flucht und Migration Kern ihrer Überlieferung.“