Kardinal Woelki fordert neue Flüchtlingspolitik

(KNA) Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Bundesregierung zu einer neuen Flüchtlingspolitik aufgerufen. So wandte er sich in einem Silvestergottesdienst am Dienstag in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale gegen eine Einordnung als Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtlinge. Solche Kategorien passten oft nicht mehr. "Viele der Flüchtlinge haben ihre Heimatländer verlassen, weil sie dort für sich und ihre Familien keine Zukunftschancen mehr sahen - sei es durch Armut, Krieg oder eben auch aufgrund vielfältiger sozialer und ökologischer Missstände", betonte der Erzbischof.

"Wir können das Flüchtlingsthema nicht ignorieren oder allein Einreiseländern wie Italien oder Griechenland überlassen", mahnte Woelki. Die weltweite Flüchtlingsfrage brauche bessere Antworten "als nur schärfere Grenzkontrollen". Es gehe um die Frage, wie Armut und Reichtum in der Welt verteilt seien "und ob es vertretbar ist, dass die westlichen Länder den Reichtum vor allem für sich beanspruchen", so der Erzbischof unter Berufung auf Papst Franziskus.

Viele Flüchtlinge hätten den Eindruck, "in Europa hin- und hergeschoben zu werden", kritisierte der Kardinal. "Drittländer, andere deutsche Bundesländer, Senat und Bezirke konnten bislang weder die akuten Probleme der Unterbringung noch die grundsätzlichen Probleme der Anerkennung, Duldung und Erlangung eines 'Status' lösen", sagte er auch mit Blick auf Berlin. Dank der Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände hätten eine Reihe von ihnen zumindest temporäre Unterkünfte gefunden.

Woelki dankte auch der Berliner Caritas für deren Initiative zu einem Runden Tisch über Flüchtlingsthemen. "Hier sind die betreffenden Senatsressorts, die Bezirke, die Kirchen, die Flüchtlingsorganisationen und die Vertreter der Flüchtlinge gleichermaßen gefragt", betonte der Erzbischof. Der Berliner Senat hatte am ersten Treffen des Runden Tisches im Dezember mit der Begründung nicht teilgenommen, dass Fragen zum Rechtsstatus von Flüchtlingen nicht auf der Ebene eines Bundeslandes zu regeln seien.