Karl Leisner vor 30 Jahren seliggesprochen Gedenken in Berlin und Kleve

Am 23. Juni 1996 wurden im Berliner Olympiastadion Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg durch Papst Johannes-Paul II. seliggesprochen. 30 Jahre danach fand nun in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin, in dessen Unterkirche sich das Grab des seligen Bernhard befindet, ein feierliches Pontifikalamt statt, das vom Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, zelebriert wurde. Die Gedenkmesse wurde durch einen Kantor, Orgelmusik und Gesang der Gläubigen gestaltet.

Während von Dompropst Lichtenberg keine Familienangehörigen mehr teilnehmen konnten, war die Familie des Seligen Karl Leisner, der in Rees geboren wurde und in Kleve aufwuchs, mit einer Delegation vertreten. Vor allem die Angehörigen des Glaubenszeugen vom Niederrhein, dessen Bruder Willi in Berlin lebte, waren gekommen.

Der Internationale Karl-Leisner-Kreis (IKLK) war durch die Nichte des Seligen, Monika Kaiser-Haas, Vizepräsidentin des IKLK, durch Propst Stefan Notz, Xanten, geborenes Mitglied des IKLK, durch den Sekretär des Präsidiums, Pastor Oliver Paschke, Kleve, und durch den Schatzmeister Frank Maruhn vertreten. Die beiden Geistlichen aus Xanten und Kleve gehörten zu den Konzelebranten des Pontifikalamtes, dazu der Dompropst des Berliner Gotteshauses, Tobias Przytarski.

Vom Domkapitel ehrten zwei Mitglieder das Andenken von Lichtenberg, der 1875 geboren wurde und nach zweijähriger Strafhaft schwerkrank auf dem Transport ins KZ Dachau am 5. November 1943 in Hof starb. Er wurde wegen öffentlichen Gebets für die Juden und Kritik an den „Euthanasie“-Morden im Oktober 1941 verhaftet und im Mai 1942 verurteilt. Karl Leisner (1915-1945) war der einzige Priester der Weltkirche, der in der Hölle des KZ Dachau von einem französischen Bischof im Geheimen zum Priester geweiht wurde. Er starb schwerkrank an den Folgen der Haft.

In seiner Predigt erinnerte Erzbischof Koch an ein Denkmal für Lichtenberg, das am gleichen Tag (23. Juni) auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt in Tegel eingeweiht wurde. Er ging auf die Priester und Märtyrer, die vor 30 Jahren als Selige zu Ehren der Altäre erhoben wurden, ein. „Sie sind zum Gewissen geworden für Menschen, die kein Gewissen hatten“, sagte er. Er nannte die Seligen „große Christen, Zeugen des Glaubens und Vorbilder, die aus Verantwortung vor der Ewigkeit handelten“.

Und auch in Kleve fand ein Dankamt statt. In der Stifts- und Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt zelebrierte Pastor Oliver Paschke das Festhochamt. Er ist Sekretär des Präsidiums des IKLK. In seiner Predigt ging er auf die Bedeutung des Seligen für die heutige Zeit ein. Eindrucksvoll war die Aufführung der Dachau-Messe durch den Männerchor Herz-Jesu. Der Christus-König-Chor und der St. Lambertus-Chor trugen und unterstützten den Volksgesang. Die Leitung hatte Johannes Feldmann.

Die Dachau-Messe wurde im September 1944 von Pater Gregor Schwake als Häftling in Dachau komponiert und am 24. September 1944 im „Priesterhäftlingsblock“ heimlich uraufgeführt. In dieser Kapelle wurde Leisner am 17. Dezember 1944 unter lebensgefährlichen Bedingungen zum Priester geweiht. Die Gemeinde sang das Karl-Leisner-Lied „Christus, du bist meine Leidenschaft“ von Christian Franken. Das Erinnerungsmal – es zeigt Leisner vor der Stiftskirche in Kleve – war mit Fahnen geschmückt.