Kirchen wollen christlichen Raum der Stille im BBI

(KNA) Die beiden großen Kirchen wollen eine Kapelle oder einen christlich geprägten Raum der Stille im neuen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI). Es dürfe dort nicht nur einen gesichtslosen und austauschbaren Einheitsraum geben, betonten Kardinal Georg Sterzinsky und Landesbischof Markus Dröge am Montag vor Journalisten in Berlin. Die Verantwortlichkeit für den Raum müsse klar erkennbar sein.

Das BBI-Management hatte Ende des vergangenen Jahres erklärt, der Flughafen solle anders als von den Kirchen favorisiert keine Kapelle, sondern einen allgemeinen Raum der Stille erhalten. Dieser solle grundsätzlich allen Fluggästen zur Verfügung stehen. Dafür sei eine Fläche von rund 120 Quadratmeter «in exklusiver Lage» im Terminal auf Ebene 2 vorgesehen. Dort gebe es auch Sanitäranlagen, jedoch keine weiteren Nebenflächen. Die Planungskosten für den Raum trage der Flughafen. Dieser habe vor kurzem einen Entwurf für die Innenraumgestaltung in Auftrag gegeben.

Das Konzept der Kirchen für die Flughafenseelsorge sieht nach Angaben von Sterzinsky auch Arbeitsräume für die Mitarbeiter und die Verwaltung vor. Außer Gottesdiensten planen die Seelsorger auch soziale Angebote für Reisende, BBI-Mitarbeiter, Flüchtlinge und Obdachlose. Zugleich betonte der Kardinal, falls der Flughafen den Kirchen außer dem Andachtsraum keine weiteren Räume zur Verfügung stelle, würden sie sich «nicht schmollend zurückziehen». Wörtlich fügte er hinzu: «Wir haben die Seelsorge schon oft unter misslichen Bedingungen begonnen, und es hat sich dann entwickelt.»

Dröge erklärte, die Kirchen könnten sich auch vorstellen, den 120 Quadratmeter großen Raum zu teilen, so dass er auch von anderen Religionen genutzt werden könne, oder diesen ein Gastrecht einzuräumen. Es müsse aber klar erkennbar sein, wer Einladender und wer Gast sei. Das Kreuz nehme er ungern ab, so Dröge. «Wo Kirche drin ist, muss auch Kirche draufstehen.» Dies bedeute auch, dass die Kirchen für einen nicht erkennbar christlichen Raum keine Verantwortung übernehmen könnten, ergänzte der evangelische Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann.

Für die Berliner Flughäfen in Tegel und Schönefeld gibt es derzeit zwei ehrenamtliche Seelsorger. Zudem beschäftigt die evangelische Stelle einen Pfarrer mit einer halben Stelle für die Flughafenseelsorge. Der künftige Hauptstadtflughafen, der nach dem früheren SPD-Bundeskanzler Willy Brandt benannt werden soll, geht voraussichtlich Ende Oktober 2011 in Betrieb.

Die meisten großen deutschen Verkehrsflughäfen haben eine Flughafenkirche oder -kapelle, die in der Regel ökumenisch betreut wird. Der ersten Kapelle 1970 in Frankfurt/Main folgten etwa Hamburg, Dresden, Düsseldorf, Leipzig/Halle. Unter anderem München verfügt sowohl über eine Kapelle für Christen und einen weiteren Raum für Gebet und Stille.