Nachruf Prälat Otto Riedel„Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn sehen.“ (Offb.1,7 – Primizspruch des Verstorbenen)

Am Montag, dem 10. Oktober 2016, rief Gott der Herr seinen treuen Diener, den langjährigen Dompropst bei St. Hedwig Prälat lic. phil et theol. Otto Riedel zu sich in sein himmlisches Reich. Er starb im Alter von 86 Jahren, am 60. Jahrestag seiner Priesterweihe.

Otto Riedel wurde am 3. September 1930 in Berlin als jüngstes von fünf Kindern geboren. Getauft wurde er in der Kirche St. Michael und gefirmt in der Kreuzberger Liebfrauen-Kirche.

Um die Kinder vor den Gefahren des Krieges in Berlin zu schützen, schickten seine Eltern ihn und seine schulpflichtigen Geschwister 1941 zu seiner Tante nach Passau. Im Februar 1945 mussten sie bei einem Heimatbesuch in Berlin erleben, dass ihr Elternhaus durch Bombenangriffe zerstört wurde. Im September 1946 kehrte die Familie nach Berlin-Steglitz zurück und Otto Riedel konnte seine schulische Ausbildung mit dem Abitur am Gymnasium in Steglitz im Juni 1950 beenden. In seinem Lebenslauf schrieb er, dass sein Streben, Theologie zu studieren und Priester zu werden bis in die Anfänge seiner ersten Ministrantenjahre in  St. Michael zurückreiche. Daher erfüllte sich sein seit langem gehegter Wunsch, als er sein Studium in Rom beginnen konnte, wo er im Oktober 1956 zum Priester geweiht wurde.

In einem Brief an den damaligen Theologenreferenten, Dr. Wolfgang Haendly, schrieb er im Oktober 1956: „Ich gehe diesen neuen Weg gern und bitte auch Sie meiner im Gebet manchmal zu gedenken, damit diese Freude stets Siegerin bleibt.“

Als Otto Riedel 1957 nach Berlin zurückkehrte, wurde er Kaplan in St. Sebastian, wohin er noch lange gute Kontakte unterhielt. 1963 wechselte er auf die zweite Kaplansstelle nach St. Bernhard in Berlin-Dahlem.
1965 wurde er zum Domvikar an der St. Hedwigs-Kathedrale ernannt und gleichzeitig mit der hauptamtlichen Mitarbeit im kirchlichen Schulreferat des Bischöflichen Ordinariats in West-Berlin beauftragt. Zu seinen Aufgaben zählten die Aus- und Weiterbildung der Katecheten und die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes in den öffentlichen und katholischen Schulen. Im Mai 1968 folgte die Ernennung zum Ordinariatsrat und drei Jahre später zum theologischen und religionspädagogischen Berater für die Elternbildungsarbeit im Rahmen des Katholischen Bildungswerkes. Neben seiner Tätigkeit als Leiter der katechetischen Abteilung im Ordinariat wurde ihm im November 1974 die Aufgabe des Regens des Priesterseminars übertragen.

Von Juni 1979 bis Ende 1981 übernahm Otto Riedel die Leitung des gesamten Dezernats IV – Schule, Hochschule und Erziehung. Auch diese Aufgabe erfüllte er sehr gewissenhaft und mit vollem Einsatz. In der Nachfolge von Dompropst Dr. Haendly übernahm er Anfang 1982 die Leitung des Theologen- und Personalreferates.

Am 12. März 1987 ernannte ihn Kardinal Meisner zum Propst des Kathedralkapitels bei St. Hedwig. Nach dem Fall der Mauer war er sofort bereit, in das Bernhard-Lichtenberg-Haus als Dompropstei zur Bischofskirche zu ziehen. Darüber hinaus übernahm Prälat Riedel am 1. März 1988 das Amt des Seelsorgers des Chores der St. Hedwigs-Kathedrale; ein Dienst, der ihn - den musisch Begabten - mit großer Freude erfüllte.

Von 1984/85 bis 1991 betreute Riedel als Hausgeistlicher und Rektor der ordenseigenen Kirche die Hedwigsschwestern in Berlin-Wannsee, mit denen er zeitlebens verbunden blieb. Im Zuge der Zusammenführung der beiden Teile des Bistums wurde ihm die stellvertretende Leitung des „Dezernats Personal im pastoralen Dienst“ übertragen.

Um sich seinen Aufgaben als Dompropst stärker widmen zu können, wurde er im August 2000 von seinen Aufgaben in diesem Dezernat und in der Zentralstelle (Fides-Referent und Erzbischöflicher Prüfungskommissar) entpflichtet.

Zu seinem 75. Geburtstag verzichtete Otto Riedel auf das Amt des Dompropstes; ein Amt, das er über 18 Jahre mit großem Engagement innehatte. Höhepunkte dieser Zeit als Dompropst waren neben der Wiedergewinnung der Einheit der Stadt Berlin und damit der Zusammenführung der Verwaltung des Bistums sicherlich die Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg (1996) durch Papst Johannes Paul II. sowie die Ehrung Lichtenbergs durch die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Otto Riedel im Seniorenzentrum „Kardinal Bengsch“. Seine gesundheitlich bedingte Schwäche wahrnehmend und dennoch seine verbliebenen Kräfte im Gebet den Anderen zuwendend, schrieb er am 1. April 2006 an Kardinal Sterzinsky: „Ich schreibe dies nicht um zu klagen, sondern um Sie wissen zu lassen, wie viele Möglichkeiten ich habe, um im Gebet und im Annehmen der eigenen Grenzen mich vor Gott für Sie als unseren Bischof, für das Berliner Presbyterium und für die Bischofsfamilie vor Gott einzusetzen und wir auch so miteinander verbunden bleiben.“

Otto Riedel war ein Mensch, der Gemeinschaft suchte und aufbaute, dessen Lebensmelodie getragen war von der Freude und der Liebe zu Gott und den Menschen.

Freunde und Weggefährten schätzten ihn als einen liebenswürdigen Priester, als einen frohen, offenen und edlen Charakter, der mit der Gnade Gottes fähig war, Christus zu dienen und Menschen zu Christus zu führen.

Wir feiern das Requiem am Freitag, dem 21. Oktober 2016, um 10.00 Uhr in der St. Hedwigs-Kathedrale. Anschließend gegen 13.30 Uhr findet die Beerdigung auf dem St. Matthias-Friedhof, Röblingstr. 91, 12105 Berlin-Tempelhof statt.

Schließen wir den Verstorbenen und seine Angehörigen in unsere Gebete ein.
Er möge ruhen in Frieden!

+ Erzbischof Dr. Heiner Koch

 

Als junger Kaplan veröffentlichte Otto Riedel 1964 eine Single mit eigenen Liedern. Sie gehören zu den ersten Vorläufern des sog. "Neuen Geistlichen Lieds" und stellen den Versuch dar, geistliche und theologische Themen in einer heutigen Sprache und Musik zu vermitteln.

Kaplan Riedel singt (1964): Gott ist nicht tot