„Nicht Wahnsinn, sondern Wunder!“ – zum 25. Jahrestag des Mauerfalls

Mit dem „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy dankt das Erzbistum Berlin für das Wunder vom 9. November 1989. In einem Grußwort zum Konzert des Hedwigschores schreibt Diözesanadministrator Tobias Przytarski: „Es gehört zum Wesen eines Wunders, dass es mein Verstehen übersteigt. Dass es zum Fall der Mauer kam — ich kann dafür alle möglichen rationalen Erklärungen finden. Dass sie überhaupt zusammenkamen, kann ich schon nicht mehr so einfach erklären. Und es hätte so viel passieren können — bis hin zu Bürgerkrieg, Krieg und Gewalt. Es geschah nicht.“ Mit dem Satz „Nicht Wahnsinn, sondern Wunder!“ bezieht sich Prälat Przytarski auf den verstorbenen Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky.
Prälat Przytarski hat die Pfarrgemeinden des Erzbistums aufgefordert, auch in allen Sonntags-Gottesdiensten in besonderer Weise an den Fall der Mauer zu erinnern. Dafür hat Weihbischof em. Wolfgang Weider eigene Fürbitten formuliert.
Schon am Samstag, dem 8. November 2014, lädt die katholische Deutsche Bischofskonferenz zu einer Tagung zum Thema Mauerfall. Um 18.00 Uhr feiert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx ein Pontifikalamt in der St. Hedwigs-Kathedrale. Mehr unter www.dbk.de

Sonntag, 9. November 2014, 20:00 Uhr
Felix Mendelssohn Bartholdy: LOBGESANG

Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, Kammersymphonie Berlin
Stephanie Petitlaurent (Sopran), Silvia de la Muela (Alt), Matthias Bleidorn (Tenor), Leitung: DKM Harald Schmitt
Preis: 15 €
Kartenvorverkauf im Kathedralforum (Hedwigskirchgasse 3, Mo.-Sa. 11-17:30 Uhr) sowie  unter www.chortickets.de
Restkarten an der Abendkasse

Das Grußwort von Diözesanadministrator Prälat Tobias Przytarski im Wortlaut:
„Wahnsinn“ war das Wort, das man immer wieder hörte, als die friedliche Revolution in der DDR schließlich zum Fall der Mauer führte — mit Folgen, die am Ende aus zwei Deutschen Staaten wieder ein Land machte. „Nicht Wahnsinn, sondern Wunder!“ — Das war der Kommentar des verstorbenen Kardinal Sterzinsky dazu.
Wirklich ein Wunder? Glaube ich daran, dass für Gott Nationalstaaten heilsbedeutsam sind und deshalb zu seinem Eingreifen führen? Das nun eher nicht. Allerdings haben wir jahrzehntelang um den Fall der Mauer und die Einheit unseres Landes gebetet. Und auf Gebete hört Gott schon. Er schaut auf den einzelnen Menschen. Unrecht ist ihm ein Gräuel.
Und die Mauer war schreckliches Unrecht, das viel Leid verursacht hat, Familien und Freunde trennte und nicht wenige das Leben kostete. So gesehen leuchtet ein, wenn unser damaliger Erzbischof von einem Wunder sprach.
Es gehört zum Wesen eines Wunders, dass es mein Verstehen übersteigt. Dass es zum Fall der Mauer kam — ich kann dafür alle möglichen rationalen Erklärungen finden. Dass sie überhaupt zusammenkamen, kann ich schon nicht mehr so einfach erklären. Und es hätte so viel passieren können — bis hin zu Bürgerkrieg, Krieg und Gewalt. Es geschah nicht.
Für dieses Wunder können und wollen wir Gott danken.
So lade ich Sie am Abend dieses 9. November voller Gottesdienste, Feiern und Veranstaltungen ein, den „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy hier in unserer St. Hedwigs-Kathedrale nicht allein als wunderbare Musik anzuhören, sondern tatsächlich als Lobgesang mitzuvollziehen — als Dank für ein Wunder, das sich unter uns ereignet hat.

Fürbitten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls (von Weihbischof em. Wolfgang Weider):
Lasset uns beten
zu Gott unserem Vater, der unserem Volk in seiner Führung durch Licht und Dunkel der Geschichte seine Liebe gezeigt und immer wieder Hoffnung geschenkt hat:
Du sei bei uns in unserer Mitte, sei du bei uns Gott!  GL 182

Für die Menschen in den unterschiedlichen Biografien von Ost und West:
dass sie dankbar die Chance nutzen, in Freiheit, Frieden und Sicherheit gemeinsam unsere Welt mit zu gestalten und auch denen einen Platz einräumen, die ihre Heimat verloren haben
Du sei bei uns….

Für unser Erzbistum Berlin, das nach langer Trennung wieder zusammen gewachsen ist:
Dass die Gemeinden angesichts der Herausforderungen einer ständig sich  verändernden Gesellschaft Wege zueinander finden, den Glauben bewahren und sich für neue Aufgaben öffnen
Du sei bei uns….

Für alle, die in der Öffentlichkeit Verantwortung tragen:
dass sie sich um Gerechtigkeit bemühen und die Würde der verschiedenen  Menschen achten
Du sei bei uns….

Für alle, für die sich nach der Wiedervereinigung in ihrem Wohnort, ihrer beruflichen Tätigkeit und ihrer sozialen Stellung vieles verändert hat:
dass sie flexibel bleiben, bei neuer Armut nicht resignieren und immer wieder neu anfangen, Wurzeln zu fassen
Du sei bei uns…

Für alle, die aus Ost und West noch nicht innerlich zueinander gefunden haben,
dass sie Vorurteile überwinden und die Chance der neuen Gemeinsamkeit erkennen
Du sei bei uns...

Gütiger Gott, nimm an unseren Dank für das große Geschenk der Wiedervereinigung unseres Volkes ohne Blutvergießen. Halte deine schützende Hand über uns, verteidige uns gegen alles Unheil und schenke uns immer neu deine Gnade. So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.