Ökumenische Plötzenseer Tage 2010

Der Karmel Regina Martyrum, die Ev. Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord und das Ökumenische Gedenkzentrum Plötzensee „Christen und Widerstand“ laden vom 22. bis 28. Januar zu den Ökumenischen Plötzenseer Tagen 2010 ein. In diesem Jahr steht der österreichische katholische Landwirt und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter im Mittelpunkt. Jägerstätter wurde wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt und 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. 2007 wurde er von der Katholischen Kirche seliggesprochen.

Die Ökumenischen Plötzenseer Tage finden jedes Jahr um den 23. Januar (Todestag von Helmuth James von Moltke) und den 27. Januar (Holocaust-Gedenktag) herum in der Katholischen Gedenkkirche Maria Regina Martyrum und der Evangelischen Gedenkkirche Plötzensee statt. Mit dieser Veranstaltungsreihe gedenken Berliner Christinnen und Christen der Märtyrerinnen und Märtyrer der Nazi-Zeit.

PROGRAMM
- Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei -

Freitag, 22. Januar 2010, 19 Uhr
Vortrag: „Der Selige Franz Jägerstätter – ein moderner und konservativer Katholik?“
Referent: Andreas Maislinger (Innsbruck), Gründer des Österreichischen Gedenkdienstes.
Im Anschluss: Eröffnung der Ausstellung über Franz Jägerstätter (s.u.) Musikalische Umrahmung: Marie Pinson (Flöte), Hanna Pakkala (Viola), Heinz Chen (Klavier) Ev. Gemeindezentrum Plötzensee, Heckerdamm 226, 13627 Berlin

ab Freitag, 22. Januar (bis voraussichtlich 14. Februar 2010)
Ausstellung: „Besser die Hände als der Wille gefesselt“ – Franz Jägerstätter. Kriegsdienstverweigerer aus christlicher Überzeugung Die Ausstellung wurde von dem österreichischen Auslandszivildienstleistenden Peter Liszt mit Unterstützung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand erarbeitet. Sie soll an den mutigen Kriegsgegner und Widerstandskämpfer Österreichs erinnern. Sie konnte in Kooperation mit dem Referat Kultur der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt, und der Vereinigung „Niemals Vergessen“, Wien, realisiert werden.
Öffnungszeiten: donnerstags 16–18 Uhr; sowie jeweils nach den Veranstaltungen der „Plötzenseer Tage“, nach den Gottesdiensten und nach Vereinbarung (030-381 34 78) Ev. Gemeindezentrum Plötzensee, Heckerdamm 226, 13627 Berlin

Sonnabend, 23. Januar 2010 (im Rahmenprogramm der „Plötzenseer Tage“)
12.00-16.00 Uhr: Franz-Jägerstätter-Seminar Als Grundlage des Seminars dient der Film „Der Fall Jägerstätter“ von Axel Corti. Gemeinsam analysieren wir den Film, suchen nach den Beweggründen und begeben uns in eine kritische Reflektion.
Dieser frühe Film Axel Cortis wurde von der Religionsabteilung des ORF in Auftrag gegeben. Er versucht eine Rekonstruktion der Ereignisse rund um den tief gläubigen Bauern Franz Jägerstätter, der 1943 den Wehrdienst verweigerte und in Berlin hingerichtet wurde.
In dem Film wechseln sich Interviews mit den Zeitgenossen mit einer Spielhandlung ab. Er gilt als stilbildend für das Genre des 'Dokumentarspiels' und wurde unter dem Titel „Die Verweigerung“ auf Anregung René Clairs in die Kinos gebracht. (film.at)

Die Teilnahme am Seminar ist kostenlos.
Anmeldung bei Christoph Krainer: christoph_kryner(ät)yahoo.de
Leitung: Andreas Maislinger (Österreichischer Gedenkdienst) Eine Veranstaltung des Österreichischen Gedenkdienstes Ev. Gemeindezentrum Plötzensee, Heckerdamm 226, 13627 Berlin

Sonnabend, 23. Januar 2010, 16.30 Uhr
Gedenkkonzert
Die Charlottenburger Kantorei singt Musiken von Henry Purcell (1659-1695): “Lord, how long wilt thou be angry“, “We praise thee, o Lord” (Te Deum), Funeral anthem (Drei Begräbnismotetten), aus den Psalmen, sowie Orgelmusik.
Leitung und Orgel: Martin L. Carl
Ev. Gemeindezentrum Plötzensee, Heckerdamm 226, 13627 Berlin

Sonnabend, 23. Januar 2010, 18 Uhr:
Ökumenische Vesper zum Märtyrergedenken
Die Charlottenburger Kantorei singt Stücke aus dem„Evening Service“ von Henry Purcell (Magnificat und Nunc dimittis).
Ort: Kath. Kirche Maria Regina Martyrum, Heckerdamm 230, 13627 Berlin

Sonntag, 24. Januar 2010, 10 Uhr
Ev. Gottesdienst zum Holocaust-Gedenktag mit Konfirmandinnen und Konfirmanden Ev. Gemeindezentrum Plötzensee, Heckerdamm 226, 13627 Berlin

Aus aktuellem Anlass ins Programm aufgenommen:
Donnerstag, 28. Januar 2010, 19 Uhr
Alfred Hrdlicka und der „Plötzenseer Totentanz“ – Erinnerungen – Texte – Musik – Am 5.12.2009 starb der Wiener Künstler Alfred Hrdlicka.
Eines seiner bekanntesten Werke ist der „Plötzenseer Totentanz“ in der Evangelischen Gedenkkirche Plötzensee in Berlin-Charlottenburg. 16 überlebensgroße Tafeln – jede 3,50 Meter hoch – verweisen auf die heutige Bedrohung der Menschen und Völker durch Gewalt, Macht und Willkür. Auf allen Tafeln sind zwei Rundfenster zu sehen sowie ein Balken mit Fleischerhaken - ein Hinweis auf den ehemaligen Hinrichtungsschuppen im nahegelegenen Gefängnis (heute Gedenkstätte Plötzensee), in der in den Jahren 1933 bis 1945 ca. 3000 zum Tode Verurteilte hingerichtet wurden, darunter viele Menschen des Widerstandes gegen die Hitler-Diktatur.
Alfred Hrdlicka schuf den „Plötzenseer Totentanz“ in den Jahren 1968 bis 1972.
Musikalische Gestaltung: Friedemann Graef (Saxophon), Albrecht Riermeier (Marimbaphon, Gongs) Ev. Gemeindezentrum Plötzensee, Heckerdamm 226, 13627 Berlin