Pressemeldung

Ohne BerührungsangstBerliner Erzbischof Heiner Koch wird 65 Jahre

Berlin (KNA) Der bischöfliche Wahlspruch, den Heiner Koch gewählt hat, passt zu ihm. "Freut euch allezeit! Der Herr ist nahe", lautet der Satz aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (4,4). Koch ist ein optimistischer Mensch, der Lebensfreude ausstrahlt und darin zuweilen beinahe kindlich wirkt. Einer, der auf die Menschen zugeht, auch wenn sie - wie häufig im atheistisch geprägten Berlin - ganz anders sozialisiert sind als er, der rheinische Katholik, der den Karneval liebt. Am Donnerstag wird Heiner Koch, der am 13. Juni 1954 in Düsseldorf-Eller geboren wurde, 65 Jahre alt.

Seit September 2015 ist er Erzbischof von Berlin und damit zuständig für die katholische Minderheit in der Hauptstadt, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Gerade einmal neun Prozent sind in Berlin katholisch, die größte Gruppe ist konfessionslos. Ein großer Unterschied zum Erzbistum Köln mit knapp zwei Millionen Katholiken, wo Koch bis zu seinem 58. Lebensjahr lebte. Erst die Ernennung zum Bischof von Dresden-Meißen am 18. Januar 2013 führte ihn fort vom Rhein. Zunächst an die Elbe, wo er für gute zwei Jahre das Dresdner Bistum leitete, danach folgte die Berufung an die Spree - nicht jedem Ostbischof gefiel dieser schnelle Wechsel.

Um 22:55 Uhr sei der Anruf des Berliner Domkapitel gekommen, erzählte er damals: "Das hat mir emotional den Boden unter den Füßen weggezogen." Wie ihm selbst manchmal ums Herz ist, darüber spricht er offen. Er sei definitiv "kein Singletyp", sagte Koch etwa kürzlich in einem Interview mit dem Portal "Katholisch.de". Er selbst hätte auch gerne eine Familie gegründet, wenn er nicht Priester geworden wäre.

Stattdessen entschied er sich sehr jung für den zölibatären Weg und empfing am 13. Juni 1980, seinem 26. Geburtstag, im Kölner Dom die Priesterweihe. Weggefährten aus dem Bonner Priesterseminar beschreiben ihn als schon damals durchaus ehrgeizig, als einen, der schon früh wußte, wo er hinwollte.

Entschieden in der Sache: Als Vorsitzender der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz setzt Koch sich für gesellschaftlich eher unbeliebte Themen wie den Schutz des ungeborenen Lebens ein. Auch die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen ist eines seiner Hauptanliegen. In seinem unlängst erschienenen Buch "Zu Gott um's Eck" zeigt er sich besonders offen für die Menschen, die nicht glauben - Mission und Missionierung sei "alles andere als antiquiert".

Erfahrung mit kritischen Fragen konnte Koch bereits am Anfang seiner beruflichen Laufbahn sammeln, etwa als Hochschulpfarrer der Düsseldorfer Universität. Als Generalsekretär des Kölner Weltjugendtags 2005, in dessen Anschluss er von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Köln ernannt wurde, kam er in Kontakt mit Jugendlichen aus der ganzen Welt.

Als Berliner Erzbischof folgte Koch Kardinal Rainer Maria Woelki nach und erbte auch die von diesem angestoßenen innerkirchlichen Veränderungsprozesse. Dazu gehört etwa die Strukturreform der Pfarreien, bei der aus den rund 100 Gemeinden des Erzbistums bis 2023 etwa 35 "pastorale Räume" gebildet werden sollen.

Den von viel Kritik begleiteten Umbau der Sankt-Hedwigskathedrale in der Mitte Berlins - dabei wird die zentrale Bodenöffnung mit einer Treppe zur Unterkirche beseitigt - unterstützt Koch. Bei der Umgestaltung soll der Altar ins Zentrum der Rundkirche gerückt werden. Mit dem neu gegründeteten Institut für Katholische Theologie, das zum Wintersemester 2019/20 an der Humboldt-Universität an den Start gehen soll, fällt die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches der Kirche in Kochs Amtszeit als Erzbischof.

Großen innerkirchlichen Veränderungen begegnet Koch dagegen eher vorsichtig, wenn auch nicht unaufgeschlossen. "Welche Strukturen, Zugangsvoraussetzungen zu Diensten und Ämtern, Mentalitäten und Einstellungen von Verantwortungsträgern in unserer Kirche begünstigen diese schrecklichen Taten?" fragt er mit Blick auf den kirchlichen Missbrauchsskandal.

An seinem Geburtstagsabend lädt der Erzbischof draußen im bürgerlichen Lichterfelde, wo er seit seinem Amtsantritt wohnt, zu einem Gottesdienst mit anschließender Begegnung ein. Nach vier Jahren Amtszeit fühlt er sich dort zu Hause - auch ganz ohne Karneval.