Pressemeldung

Opfer der Guerillakriege

Gedenkstein auf dem Grabfeld der Jesuiten auf dem St. Hedwigs-Friedhof in der Ollenhauerstraße.

Vierzig Jahre sind vergangen, seit drei Jesuitenmissionare mit Berliner Wurzeln im heutigen Simbabwe ermordet wurden. Ein Vortrag im Bernhard-Lichtenberg-Haus erinnert an sie.

Der Guerillakrieg der marxistischen Gruppierungen unter dem späteren Diktator Robert Mugabe und seinem Mitstreiter und Konkurrenten Joshua Nkomo in den späten siebziger Jahren richtete sich vor allem gegen die weiße Regierung und die weiße Oberschicht Rhodesiens. Unterschiedslos wurden aber auch weiße Missionare wie die Kirche als Ganze zur Zielscheibe für die verschiedenen Guerillabanden, die innerhalb weniger Jahre mehr als 25 von ihnen ermordeten. Zu ihnen gehörten der Bischof von Bulawayo, Adolf Schmitt, Priester und Ordensschwestern verschiedener Gemeinschaften und Laienmissionare. Die Opfer stammten aus Großbritannien, der Schweiz und Deutschland.

Dass bis in unsere Zeit besonders viele Jesuitenmissionare mit Verbindungen nach Berlin in Simbabwe tätig sind, liegt am ordensinternen Auftrag der damaligen Ostdeutschen Jesuitenprovinz, die Mission in Rhodesien zu betreuen. Im Gegensatz zum Altbischof von Chinhoyi, Dieter Scholz, dem vor wenigen Tagen verstorbenen Pater Clemens Freyer und dem im Dezember 1978 ermordeten Pater Gerhard Pieper waren die beiden im Juni 1978 ermordeten Missionare keine gebürtigen Berliner. Bruder Bernhard Lisson stammte aus Oberschlesien, Pater Gregor Richert wurde bei Danzig geboren. Alle drei führte ihr Weg in die Mission nach Rhodesien, wo sie, oft in abgelegenen Buschgebieten, neben der Seelsorge für den Aufbau von Schulen und Hospitälern sorgten. Als die Kämpfe zwischen den verschiedenen afrikanischen Gruppen, die sich selbst als Befreier verstanden, und der postkolonialen Regierung begannen, hätten die weißen Missionare die Möglichkeit gehabt, das Land zu verlassen. Trotz des bekannten Risikos wollten sie die ihnen anvertrauten Einheimischen nicht ohne Hirten, Lehrer und medizinische Versorgung zurücklassen.

Auswahl von Briefen in Buchform erschienen

Am Nachmittag des 27. Juni 1978 überfielen Terroristen, vermutlich zu Nkomos Banden zählend, die kleine Missionsstation St. Rupert in Magondi. Sie erschossen Pater Richert und Bruder Lisson. Den afrikanischen Ordensfrauen gegenüber, die mit den beiden Deutschen für die Station sorgten, machten sie ihre Verachtung für die Weißen wie für die Ordensberufung deutlich. Ein halbes Jahr später, am Stephanustag, verlor Pater Pieper in der Mission Kangaire am Mount Darwin sein Leben.

Die Haltung der ermordeten Missionare, wie sie ihren Missionsauftrag und die ihnen anvertrauten Menschen sahen, lässt sich aus ihren Briefen und den Zeugnissen ihrer Mitstreiter ablesen. Eine Auswahl von Briefen Pater Richerts ist 1988 im St. Benno-Verlag unter dem Titel „Euer Buschpater vom Umpfuli“ erschienen, herausgegeben von Cordula Mindak. Mit dem Jesuiten durch die Pfarrjugend von St. Adalbert verbunden, hielt sie bis zu seinem Tod Kontakt mit Gregor Richert und besuchte später auch die Stätten seines Wirkens. Beim Monatstreffen des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe am 29. August berichtet sie über das Schicksal der Blutzeugen und ihre Reise nach Simbabwe, wo die drei Jesuiten an der Seite zuvor getöteter britischer Mitbrüder und ebenfalls ermordeter Dominikanerinnen ihre Ruhestätte gefunden haben.

Monatstreffen des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe (offenes Angebot für alle Interessierten), 29. August 2018, 16 Uhr heilige Messe in der Unterkirche der St. Hedwigs-Kathedrale, anschließend bis 18 Uhr Vortrag mit Bildern aus Simbabwe.