Pressemeldung

Rede des Vorsitzenden Bernd Streich zum Drei-Königs-Empfang

-Es gilt das gesprochene Wort!-
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,
 
herzlich willkommen - auch im Namen von Erzbischof Koch -  zum Drei-Königs-Empfang, den wir in diesem Jahr erstmalig so durchführen.
Wir kommen zusammen als Menschen, die auf das Wort Gottes vertrauen und sich in der Kirche engagieren. Wir kommen als katholische Christinnen und Christen zusammen mit unseren ökumenischen Geschwistern, Ihnen allen ein herzliches Willkommen – und wir sind zusammen mit Glaubenden aus anderen Religionen und mit unseren Gesprächspartnerinnen und –partnern im interreligiösen Dialog, seien Sie alle willkommen geheißen.
Wir begegnen einander am heutigen Abend im Licht des Sterns von Bethlehem, den weihnachtlichen Duft von Kerzen, Plätzchen und Braten noch in der Nase. Im Herzen sind wir berührt von der Verheißung, dass Gott uns ganz nah ist. Und wir wurden gerade im Gottesdienst gestärkt durch den Segen Gottes, den uns die Sternsinger überbrachten.
Die drei Könige machen sich auf den Weg, einen langen Weg. Sie suchten Gott und kamen in einem Stall zur Futterkrippe. Sie knien nieder vor Jesus, dem menschgewordenen Gottessohn in der Krippe, ehrfürchtig und ehrerbietend.
 
Uns ist der Kniefall, das Niederknien, zur besonderen Geste geworden. Zur Geste für den besonders schönen Moment – wer von Ihnen hat denn auf Knien um ein Ja gebeten für eine gemeinsame Zukunft?
Zur Geste ist uns der Kniefall aber auch für die besonders schmerzlichen Momente geworden, als Eingeständnis von Schuld und als Bitte um Vergebung.  
 
Ich frage mich, ob nicht genau dies eine angemessene Haltung ist, mit der den Betroffenen von sexualisierter Gewalt in unserer Kirche zu begegnen wäre – aus Respekt und mit der Bitte um Verzeihung. Wir wissen, das Versagen muss transparent und konsequent aufgearbeitet werden, muss Folgen haben für die Täter und diejenigen, die Konsequenzen hätten ziehen müssen, aber davon absahen.
Als Diözesanrat stehen wir in der Verantwortung, das Unsere dafür zu tun, damit im Erzbistum Berlin der Schutz der Betroffenen bedingungslos über dem der Institution Kirche oder von schuldig gewordenen Klerikern und kirchlichen Vertreterinnen und Vertretern steht. Wir wollen konstruktiv und differenziert Debatten führen über asymmetrische Machtstrukturen und Machtmissbrauch innerhalb unserer Kirche und wir werden für Veränderungen in der strukturellen Verfasstheit der Kirche streiten, so sie Missbrauch begünstigt oder nachhaltige Aufarbeitung verhindert.
 
Die Könige, die Weisen kamen zur Krippe. Sie kamen als Vertreter aus der damaligen Gesellschaft. Manch einer von uns wird heute Abend die Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, aus der Kultur und aus der Gesellschaft vermissen. Wir haben das Format der Empfänge verändert. Die Begegnung zwischen Kirche und der Gesellschaft soll und muss weitergehen! Dazu wird auch der St. Hedwigs-Empfang im Herbst eine Gelegenheit sein.
 
Wir stehen vor Gott und als Christin, als Christ in der Gesellschaft, als glaubende Menschen, erkennbar und am Austausch in der Gesellschaft interessiert. Wir setzen uns ein für Dialog und Verständigung und gegen Menschenverachtung, Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus. Wir möchten, dass christlicher Geist in Europa und in seinen Gremien erkennbar bleibt.
 
Wir wissen: Das Knien ist keine ausschließliche Ausdrucksform von Christinnen und Christen. Knien vor Gott, das geschieht auch durch Menschen in anderen Religionen. Es verbindet Glaubende. Und so sind wir auch mit gläubigen Muslimen verbunden.
 
„Gott kommt mitten ins Leben.“ Dieser weihnachtlichen Botschaft vertrauen wir. Gott kommt mitten in unsere Gesellschaft. Wir verändern in unserem Erzbistum viele Strukturen, pastorale Räume werden größer: vom pastoralen Raum der Ortsgemeinde zum pastoralen Raum der Großpfarrei. Pastorale Räume werden immer kleiner: der pastorale Raum des Dekanats zum pastoralen Raum der Großpfarrei. Es geht nicht zuerst um Strukturen. Wir wollen uns orientieren an der Frage: „Wo Glauben Raum gewinnt“ oder auch „Welche Kirche morgen?“ Dies erfordert einen geistlichen Prozess.
 
In unserem Bistum gab es eine jahrzehntelange Tradition: Am Freitag-Abend wurde in Zeiten der Teilung die „Bistumsmesse“ gefeiert und für die Einheit in unserer Kirche und in unserem Volk gebetet. Ich lade Sie ein, zu überlegen, ob wir diese Tradition des Gebets für unser Erzbistum in der vorösterlichen Zeit in diesem Jahr wieder lebendig werden lassen.   
 
Viele Menschen in den Gemeinden und Verbänden, in den Gremien vor Ort, im Diözesanrat sind Akteure im Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“. Sie bringen sich ein und sorgen dafür, dass Kirche vor Ort erfahrbar bleibt. Dafür: ein großes Danke. Viele erfahren aber auch, dass sie fast nicht mehr können, ausgelaugt und frustriert sind. Der Diözesanrat will auch dazu Stimme erheben im Erzbistum, im pastoralen Prozess.
 
Der Diözesanrat hat im Blick auf die Situation in unserem Erzbistum und in der Gesellschaft sich auf den Weg eines Strategieprozesses gemacht mit dem Ziel, ein tragfähiges Zukunftsbild von Selbstverständnis, Aufgaben und Struktur von Laienengagement im Erzbistum zu entwickeln. Und um so gestärkt die Kraft der Laienvertretung im Erzbistum und als Christinnen und Christen in der Gesellschaft zur Geltung zu bringen.
 
Im Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ schauen wir immer wieder intensiv auf „alle Getauften“ und wissen, viele Kirchen haben die Taufe wechselseitig anerkannt. Und wir nehmen „Kirchliche Orte“ in den Blick. Dies sind wohl die Orte, wo sich die Getauften versammeln und auch Menschen einladen. Lassen Sie uns beide Aspekte viel ernster in der Praxis nehmen. Wir sind grundlegend durch die Taufe sakramental verbunden - auch wenn wir in verschiedenen Konfessionen leben. Wir sind Kinder Gottes, auch am Altar, bei der Eucharistie. Die Frage, ob, wie und unter welchen Voraussetzungen evangelische Ehe-Partnerinnen und -Partner eingeladen sind zum Tisch des Herrn, wurde auch in unserem Erzbistum jüngst mit besonderer Aufmerksamkeit diskutiert. Als Diözesanrat begrüßen wir sehr, dass Sie Herr Erzbischof Koch, den Mitarbeitenden im pastoralen Dienst die Orientierungshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zur gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie von konfessionsverbindenden Paaren zur Grundlage ihres Handelns anvertraut haben.
 
Dank allen, die sich in den Gemeinden, Verbänden und Institutionen, in Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand, Dekanatsrat und Pastoralausschuss engagieren. Und Dank allen, die sich als Christinnen und Christen in der Gesellschaft engagieren.
 
Wir gehen auf 50 Jahre Laienräte im Erzbistum zu. Auf diesem Weg haben wir Laien - ich sage lieber: wir Christgläubigen - viele Erfahrungen gemacht, sowohl in Partizipation wie auch in Emanzipation. Dies gilt es fortzuführen und die synodalen Prozesse auszubauen.
Hoffen wir auch für die Zukunft auf das „Öffnen der Fenster“ wie es Papst Johannes XXIII. bei der Ankündigung eines Ökumenischen Konzils vor 60 Jahren am 25. Januar 1959 ausdrückte. Er war überzeugt von der Notwendigkeit eines „Übergangs“, von der Dringlichkeit des „Aggiornamento“, von der Wichtigkeit, „die Art der Verkündigung des Evangeliums an die Zeichen der Zeit anzupassen“.
 
Mögen wir im Jahr 2019 auf Gott und sein Evangelium vertrauen, mutige Schritte gehen, damit der Glauben in unserer Gesellschaft wachse und die Kirche für morgen geschwisterlich unterwegs mit den Menschen ist. Beginnen wir heute.  
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich, dass ich nun das Wort an unseren Erzbischof Dr. Heiner Koch weitergeben kann.