Rörig: Gutachten zur Missbrauchs-Aufarbeitung ist erster Schritt

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Entscheidung des Erzbistums Berlin zur Veröffentlichung des Gutachtens zur Aufarbeitung von Missbrauch begrüßt. Es sei gut, dass es im Nachgang zur MHG-Studie in Auftrag gegeben worden sei, um genau zu schauen, was im Erzbistum Berlin passiert sei, erklärte Rörig der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag in Berlin. Zugleich sei die Zahl der Beschuldigten und der Opfer verifiziert worden. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte die bundesweite sogenannte MHG-Studie 2018 veröffentlicht.

Positiv sei zudem, dass das Erzbistum Berlin gemeinsam mit dem Bistümern Dresden-Meißen und Görlitz sowie der Katholischen Militärseelsorge nun eine unabhängige Aufarbeitungskommission einrichten werde. Das sei eine wichtige Entscheidung, so Rörig.

Der Missbrauchsbeauftragte erklärte, er könne aus juristischer Sicht nachvollziehen, dass der Teil, der sich mit den konkreten Missbrauchsfällen befasse, aus Gründen des Opferschutzes zunächst nicht veröffentlicht wurde. Auch der Schutz der Persönlichkeitsrechte sei bei der Aufarbeitung von Missbrauch zu beachten. Er finde es aber wichtig, dass dieser Teil auch der künftigen Aufarbeitungskommission zur Verfügung gestellt werde. So seien die Anforderungen an Transparenz gewährleistet. Damit gehe das Erzbistum Berlin einen anderen Weg als das Erzbistum Köln.

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz hatte die MHG-Studie von Forschern aus Mannheim, Heidelberg und Gießen in Personalakten aus dem Zeitraum von 1946 bis 2014 deutschlandweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe durch mindestens 1.670 Priester und Ordensleute ohne Namensnennung ermittelt. Die Zahlen erfassen nach Einschätzung von Experten aber nur einen Teil der Fälle.

Im Erzbistum Köln hatte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki Ende Oktober die geplante Veröffentlichung des WSW-Gutachtens über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsfällen abgesagt und dies mit "methodischen Mängeln" begründet. Dieses Vorgehen stößt inner- und außerhalb der Kirche auf heftige Kritik. Der Kölner Strafrechtler Björn Gercke soll bis 18. März eine neue Untersuchung vorlegen.