Pressemeldung

SEIN. ANTLITZ. KÖRPERKirchen öffnen sich der Kunst

Joseph Beuys, Für Fußwaschung, 1977, 9,8 cm x 35,6 cm, Emailschüssel, beschriftet, Courtesy Museum am Dom, Würzburg, Foto: Thomas Obermeier

Ai Weiwei, Illumination, 2014, 126 x 168 cm, Digitalfotografie, Courtesy Ai Weiwei

SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. ist der Titel einer elfteiligen Ausstellungsreihe, die von der Beauftragten für Kultur und Medien bei der Bundesregierung, Monika Grütters, aus dem Programm ‚Die Reformation und die Eine Welt‘, den Kirchen selbst sowie weiteren Partnerinnen und Partnern gefördert wird. SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. umfasst elf Ausstellungsstationen: Neun Berliner Kirchen, darunter der Berliner Dom, sowie die Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum beteiligen sich bis Dezember 2016 an dem Projekt. Den Projektauftakt machen am 13. März 2016 Ausstellungen und Interventionen im Berliner Dom und in St. Thomas von Aquin mit Arbeiten u.a. von Joseph Beuys, Leiko Ikemura, Richard Long, Micha Ullman, Ai Weiwei. Weitere Ausstellungen folgen über das gesamte Jahr verteilt. Zum Reformationstag am 31. Oktober 2016 ‚zieht‘ die Berliner Domgemeinde mit palästinensischen, israelischen und Berliner Künstlerinnen und Künstlern sowie der Schola der Berliner Dom-Kantorei in die Erlöserkirche nach Jerusalem.

„Wir haben für SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. gemeinsam mit den jeweils zuständigen Pfarrerinnen und Pfarrern, Priestern und kulturell engagierten Mitgliedern der einzelnen Gemeinden bewusst kein klassisches Ausstellungsprogramm, sondern ortsspezifische Formate entwickelt, die sich sehr individuell mit dem jeweiligen Haus, der Gemeinde, aber auch seiner Geschichte und Architektur auseinandersetzen. Es sind thematische Gruppenausstellungen dabei, kleine künstlerische Interventionen, aber auch fest installierte, eigens für die Kirchen produzierte Werke. Alle Ausstellungsteile verbindet ein starker Prozesscharakter, vieles ist im Fluss, entwickelt sich noch, wird uns überraschen - für die Kirchen wie auch für mich ein äußerst spannender Prozess“, erklärt der Initiator der Ausstellungsreihe, Alexander Ochs, seit dem vergangenen Jahr ‚Kurator für Bildende Kunst am Berliner Dom‘. „Künstlerinnen und Künstler, Juden, Muslime und Christen reflektieren die vorherrschenden Konflikte im Weltgeschehen, aber zeigen in Gebet und Meditation auch das Friedenspotential, das von den Religionen ausgehen kann, auf. Die Kunstwerke werden dabei nicht primär auf ihren religiösen Hintergrund untersucht, um auf eine religiöse Aussage festgelegt zu werden. Vielmehr verfolgten wir mit der Ausstellungsreihe die Beschreibung von Lebenswirklichkeiten, Glaubenswelten und gesellschaftspolitischen Realitäten durch Gemälde und Skulpturen, Installationen, Videos und künstlerisch-soziale Projekte“.

SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. schließt an die im vergangenen Jahr von Alexander Ochs kuratierte Schau DU SOLLST DIR (K)EIN BILD MACHEN im Berliner Dom mit mehr als 60.000 Besucherinnen und Besuchern an. Zeitgenössische Werke von Marina Abramović, Max Beckmann, Hans Arp, Lucio Fontana, Félix González-Torres und vielen anderen trafen hier auf christliche Artefakte aus dem 12. bis 16. Jahrhundert und warfen Fragen nach dem Verhältnis von Religion und Kunst auf. Nun versucht die neue Ausstellungsreihe einen Schritt weiter zu gehen. Die mit Werken von rund hundert Künstlerinnen und Künstlern besetzte Reihe wird, auch in Vorbereitung des Evangelischen Kirchen-tages 2017, auf alte Behauptungen neue Antworten suchen und (hoffentlich) geben.

Für die Ausstellungsmacher ist das weltoffene Berlin mit seinen Bürgerinnen und Bürgern aus 189 Staaten der Welt ein spiritueller wie kultureller Melting Pot. Sie sehen sich mit den Kirchen und der Neuen Synagoge als Teil davon. 499 Jahre Martin Luthers Reformation zeigen nun die beteiligten Kirchen im Rahmen von SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. zeitgenössische, in der Regel säkulare Kunst und gehen als Teil der Zivilgesellschaft in den vielfältigen Dialog um Werte, Religion und den spirituellen Hintergrund von Künstlern und den ihnen geschaffenen Kunstwerken.

Beteiligt sind künstlerische Positionen aus Australien, Ägypten, Belgien, China, Hongkong, Israel, Korea, Indonesien, Indien, Japan, Österreich, Palästina, Polen, Ruanda, Vietnam und vielen weiteren Ländern. Daneben sind z.B. tibetische Mönche eingeladen, ein ‚Sandmandala‘ zu streuen, auch eine Präsentation von Zeichnungen syrischer Flüchtlingskinder in Kooperation mit dem Berliner Haus am Waldsee ist geplant. Bildende Kunst und religiöse wie spirituelle Rituale treffen so auf die Architektur und Ausstattung alter wie neuer Kirchen, wie der erstmals 1292 urkundlich erwähnten evangelischen Kirche St. Marien oder der katholischen Kirche St. Canisius am Lietzensee, die 2003 mit dem Architekturpreis Berlin ausgezeichnet wurde. Die Ausstellung bewegt sich in im Krieg ausgebombten Kirchen wie St. Michael am Engelbecken oder sie würdigt mit einer Ausstellung zur ‚Schöpfung‘ das schon zu DDR-Zeiten ökologische Engagement der Zionskirche am Prenzlauer Berg.

Das Projekt beginnt mit Arbeiten von Leiko Ikemura, Gegor Gaida, Anastasia Khoroshilova, Young Hay und Micha Ullman im Berliner Dom sowie Ai Weiwei, Kyungwoo Chun, Joseph Beuys, Richard Long und Schälling/Enderle in St. Thomas von Aquin. Von dieser Kirche führt ein Fußweg zu James Turells Arbeit auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, die am Eröffnungsabend für das Publikum zugänglich sein wird. Zu beiden Ausstellungsteilen mit den Untertiten ‚Das Sichtbare und das Unsichtbare‘ (Dom) und ‚Prozession. Licht und Performance‘ (St. Thomas von Aquin), wie zu allen weiteren ‚Stationen‘ von SEIN. ANTLITZ. KÖRPER., erscheinen reich bebilderte Hefte, die von Alexander Ochs gemeinsam mit Georg Maria Roers SJ herausgegeben werden.

Die Ausstellungsreihe wird von der neu gegründeten CIRCLES – KUNST + KULTUR IM DIALOG MIT DEN RELIGIONEN gemeinnützige GmbH in Kooperation mit allen beteiligten Kirchen und dem Centrum Judaicum durchgeführt. Zum Board der Gruppe gehören evangelische und katholische Christen ebenso wie Agnostiker, Angehörige des Jüdischen Glaubens oder Persönlichkeiten mit islamischem Hintergrund. Die Katholische Akademie wird das Geschehen in vier prominent besetz-ten Podien reflektieren.

SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. Kirchen öffnen sich der Kunst.

I: ‚Das Sichtbare und das Unsichtbare‘

Berliner Dom, Am Lustgarten 1, 19178 Berlin-Mitte
Laufzeit: 13. März - 16. Mai 2016
Mit Arbeiten von Leiko Ikemura, Gregor Gaida, Anastasia Khoroshilova, Young Hay, Micha Ullman.
Eröffnung am 13. Mai 2016: Gottesdienst 10.00 / Vernissage 12.00 Uhr (mit Wiederaufführung von Dieter Schnebel, Lamento die Guerra, einer 1991 vor dem Hintergrund des ersten Irak-Kriegs geschaffenen Komposition)
Öffnungszeiten: Außerhalb der Gottesdienste und Andachten Montag bis Samstag 9.00 - 20.00 Uhr, Sonntage u. Feiertage 9.00 - 20.00 Uhr
Eintritt in den Dom (die gezeigten Kunstwerke sind Teil des gesamten Besuchsprogramms des Berliner Doms): 7,- Euro / erm. 5,- Euro

II: ‚Prozession, Performance und Licht‘

St. Thomas von Aquin / Katholische Akademie, Hannoversche Str. 5, 10115 Berlin-Mitte
Laufzeit: 13. März - 16. Mai 2016
Mit Arbeiten von Ai Weiwei, Joseph Beuys, Kyungwoo Chun, Richard Long, Schälling / Enderle
Eröffnung am 13. März 2016: Künstlermesse 18.00  / Vernissage 19.30 Uhr
Öffnungszeiten: Außerhalb der Gottesdienste und Andachten Dienstag bis Sonntag, 12.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt frei

Projektwebsite und -blog: www.sein-antlitz-koerper.de

SEIN. ANTLITZ. KÖRPER. wird ab dem 11. März 2016 von einer Website begleitet, in deren Zentrum die Kommunikation mit Künstlerinnen und Künstlern und ihrem Publikum und den Akteuren in Kirchen und Glaubensgemeinschaften stehen.