Pressemeldung

Souveräne ZurückhaltungWeihbischof Matthias Heinrich wird 65 Jahre alt

Berlin (KNA) Ein Weihbischof hat keine einfache Aufgabe. Wie ein Diözesanbischof empfängt er die Bischofsweihe, darf seinem "Chef" aber nicht die Rolle streitig machen und trägt zugleich die Leitungsverantwortung im Bistum an höchster Stelle mit. Matthias Heinrich erfüllt diesen Spagat nach Ansicht vieler im Erzbistum Berlin auf vorbildliche Weise. Am Mittwoch kann er seinen 65. Geburtstag feiern.

Dass Heinrich die Aufgabe eines "Hilfsbischofs", wie ein Weihbischof in anderen Sprachen genannt wird, von Anfang an akzeptiert hat, könnte man schon seinem bischöflichen Wahlspruch entnehmen, den er sich 2009 zur Bischofsweihe durch den damaligen Erzbischof, Kardinal Georg Sterzinsky (1936-2011) aussuchte. "Illum oportet crescere" heißt es auf lateinisch nach einer Aussage von Johannes dem Täufer über Jesus im Johannes-Evangelium. Zu deutsch: "Er muss wachsen (..., ich aber muss kleiner werden)."

Auch Sterzinskys Nachfolger wussten diese Haltung einer souveränen Zurückhaltung zu schätzen. So schrieb Erzbischof Heiner Koch seinem Weihbischof zum zehnjährigen Jubiläum der Bischofsweihe: "Als echte 'Berliner Pflanze' bist Du mir auch eine große Hilfe, wenn es darum geht, mir als Rheinländer die besonderen Befindlichkeiten der Menschen im Erzbistum Berlin immer wieder neu zu vermitteln."

Bei seinem Dienst für das Erzbistum kann Heinrich auf die Leitungserfahrung eines Diözesanadministrators zurückgreifen. In diese Funktion berief ihn vor acht Jahren das Metropolitankapitel Sankt Hedwig nach dem Rücktritt des todkranken Kardinals Georg Sterzinsky. Ein Übergangsamt zwar, das aber angesichts des bevorstehenden Berlin-Besuchs von Benedikt XVI. im Rahmen seiner Deutschland-Visite vom 22. bis 25. September 2011 an Gewicht gewann. Den Papst konnte dann der neue Erzbischof Rainer Maria Woelki in Empfang nehmen, wichtige Vorbereitungen der Visite hatte jedoch Heinrich zu verantworten.

Es war nur eine von vielen pastoralen und administrativen Aufgaben, die dem in Berlin-Steglitz geborenen Heinrich in den 38 Jahren seines Priesterlebens anvertraut wurden. Die Grundlage dafür schuf ein Theologiestudium in Berlin, Paderborn, München und Maynooth in Irland, wo er immer noch gerne Urlaub macht.

Nach Priesterweihe und Kaplansjahren ernannte der damalige Berliner Bischof, Kardinal Joachim Meisner, ihn 1984 zum Jugendpfarrer und Diözesandirektor des Päpstlichen Werks für geistliche Berufe. Später leitete Heinrich das Priesterseminar des Erzbistums, zeitweise auch die Fort- und Weiterbildung der Priester. Ein Aufbaustudium in Rom schloss Heinrich 1998 mit der Promotion zum Doktor des Kirchenrechts ab.

Im selben Jahr berief Meisners Nachfolger Sterzinsky ihn zum Diözesanrichter, von 2003 bis 2012 leitete er auch das Personaldezernat, seither das Kirchengericht. Erzbischof Koch ernannte ihn 2015 überdies zum Bischofsvikar für Ökumene. In der Deutschen Bischofskonferenz engagiert sich Heinrich in den Kommissionen für Liturgie und Migration sowie in der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Zumindest der Stimme nach bekannt ist Heinrich auch durch Verkündigungssendungen im RBB-Hörfunk und DeutschlandRadio Kultur. Von 1996 bis 1998 war er katholischer Beauftragter beim DeutschlandRadio. Oft meldet er sich auch in der Kolumne einer Berliner Boulevard-Zeitung zu aktuellen Streitfragen zu Wort.

So plädierte er dort jüngst für mehr Beteiligung der Bürger an der Entwicklung Europas und empfahl dabei die Ordensregel des heiligen Benedikt als Vorbild. Zuvor hatte er für mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen geworben und die Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus als Richtschnur für Maßnahmen gegen den Klimawandel empfohlen. Auch mit solchen Beiträgen profiliert Heinrich sein Amt als Weihbischof auf ganz eigene Weise.