Tiefseebergbau als unkalkulierbare Bedrohung

Foto: Erzbischof von Port-Moresby in Papua-Neuguinea und Präsidenten der Federation of Catholic Bishops‘ Conference of Oceania, John Kardinal Ribat MSC, sowie den Sekretär der Catholic Bishops‘ Conference of Papua-Neuguinea, P. Victor Roche SVD, zu Besuch, begleitet von Msgr. Pirmin Spiegel (Hautgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerks Misereor), Prof. Josef Sayer und Dr. Ilona Auer Frege (Misereor-Büro Berlin)

Kardinal John Ribat, Erzbischof von Port Moresby/Papua Neuguinea (PNG) und Fr. Victor Roche, Generalsekretär der Bischofskonferenz von PNG und Salomonen auf Einladung von MISEREOR in Deutschland.

Kardinal Ribat informierte über den geplanten Tiefseebergbau in Papua Neuguinea. Gemeint ist, dass Mineralien direkt am Meeresboden ausgebeutet werden, was ist mit unkalkulierbaren Risiken für angrenzende Ökosysteme an Land als auch die marinen Lebensräume verbunden ist. Beides steht  im Widerspruch zum von der Staatengemeinschaft beschlossenen nachhaltigen Entwicklungsziel zum Schutz maritimer Lebensräume.

Die Inseln haben weder die Technologien, noch die Mittel für den Tiefseebergbau, weshalb Explorationslizenzen von den nationalen Regierungen an internationale Unternehmen verkauft werden. Als negative Folge werden die Bewohner(innen) weder in Planung noch in Ausführung des Tiefseebergbaus einbezogen, müssen aber mit den negativen Folgen leben.

Die Inselstaaten werden den geplanten Tiefseebergbau nicht überwachen können und keine Kontrolle über Explorations- oder Abbauvorhaben haben. Insbesondere in Papua Neuguinea, wo der industrielle Abbau in der Tiefsee vor der Türe steht, hat sich deshalb zivilgesellschaftlicher Widerstand formiert.
Die Positionen sowohl von Kardinal Ribat als auch der katholischen Bischofskonferenz von PNG/Salomonen sind eindeutig: Nein zum Tiefseebergbau.

Im März 2017 hatten sich Caritas-Koordinatoren von 19 katholischen Diözesen in Papua Neuguinea explizit hinter dem friedlichen Protest des Netzwerkes Alliance of Solwara Warriors, der Bismarck Ramu Gruppe und anderen Nichtregierungsorganisationen gestellt. Als Teil des „katholischen Netzwerkes für soziale und ökologische Gerechtigkeit und für die integrale menschliche Entwicklung in ländlichen Gemeinden“ hatten sie auf die Risiken insbesondere für die Küstengemeinden aufmerksam gemacht und die Regierung Papua-Neuguineas aufgefordert, den Tiefseebergbau umgehend zu stoppen. Seitdem gibt es eine verstärkte Kooperation zwischen Nichtregierungsorganisationen und Kirche. Darüber hinaus hat die Kirche ein großes Interesse an einer verstärkten Lobby- und Advocacyarbeit in diesem Bereich.

Misereor unterstützt seit 1966 Projekte in Papua Neuguinea (PNG) und später auch im pazifischen Raum. Zunächst wurden Projekte in den Bereichen Gesundheitswesen und Bildung gefördert.

Derzeit werden 12 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Mio Euro finanziert. Davon fünf in Papua Neuguinea, zwei auf den Salomonen und vier auf Fidschi. Die Projekte auf PNG (Bougainville) sind aus dem Bereich Frieden und Konflikttransformation.

Darüber hinaus finanziert Misereor gemeinsam mit Brot für die Welt, Missio München und einigen protestantischen Kirchen eine Koordinationsstelle für Lobby- und Advocacy für die Themen Klimawandel und Tiefseebergbau in Ozeanien.

Weitere Informationen:
https://www.misereor.de/fileadmin/publikationen/positionspapier-tiefseebergbau.pdf
https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-schaetze-aus-der-tiefsee-100.html