Trommelrhythmen im SchneegestöberSternsinger aus Salvator beim Bundespräsidenten

Für euren Besuch und für euer Engagement bin ich ganz arg dankbar“, freute sich Bundespräsident Horst Köhler am Mittwoch über den Besuch von 40 Sternsingern aus Berlin-Lichtenrade, die ihren Segen und ihre Lieder pünktlich zum Dreikönigsfest ins Schloss Bellevue trugen. Gemeinsam mit seiner Gattin Eva Luise bereitete der Bundespräsident den kleinen Königen aus der Gemeinde Salvator (Erzbistum Berlin) den gewohnt herzlichen Empfang. Und ein dickes Lob für den Einsatz der 500.000 Sternsinger überall in Deutschland hatte der Hausherr auch parat: „Ihr könnt ein gutes Gefühl haben, denn mit dem von euch gesammelten Geld kann so vielen Kindern überall auf der Welt geholfen werden“, sagte Köhler.

Die Szenerie vor dem Schloss Bellevue wirkte wie bestellt. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel, elf der Lichtenrader Kinder sorgten mit afrikanischen Trommeln für den passenden Klangteppich, der original senegalesische Taxi-Bus war vorgefahren und die zahlreichen Medienvertreter richteten ihre Objektive auf die bunte Kinderschar, die den Bundespräsidenten und dessen Gattin in ihre Mitte genommen hatte. Begleitet von Msgr. Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, und von Pfr. Simon Rapp, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), stiegen Frau und Herr Köhler dann gleich auch in den bunt bemalten Bus aus dem Aktions-Beispielland Senegal. Der Bus ist seit dem 15. September auf Tournee durch Deutschland und wirbt für das Anliegen der Sternsinger. Zahllose Kinder hatten an den 75 Etappenorten ihre Wünsche für die Mädchen und Jungen in der Einen Welt formuliert und in den Bus geklebt. Einige dieser 5.000 Wünsche übergaben Lukas Bischof (12) und Rabea Ceczka (11) im Schloss dem Bundespräsidenten. „Wir wissen, dass Ihnen Kinder sehr wichtig sind“, sagte Lukas und Rabea ergänzte: „Danke, dass Sie uns und den Kindern in Afrika ein Freund und Partner sind.“

„Luisa schreibt, dass sie allen Kindern genügend Wasser wünscht, Daniel wünscht sich, dass es für alle genügend Essen gibt, und Meike will, dass jedes Kind zur Schule gehen kann“, las Köhler drei der Kinderwünsche vor, die er aus einem großen Behälter voller bunter Zettel gezogen hatte. 

Afrika ist nicht nur Armut

Vor dem Einzug ins Schloss hatte Florian Dercks (13) den traditionellen Sternsingersegen „20*C+M+B+10 – Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ auf das große Portal von Schloss Bellevue geschrieben. Sein Bruder Sebastian Dercks (15) hatte den Segensspruch aufgesagt. In seiner Ansprache an die Kinder machte der Bundespräsident klar, wie wichtig ihm der Einsatz für die Menschen in Afrika ist. „Es ist wichtig, am Frieden zu arbeiten; auch, indem wir wissen, wie es den Kindern in Afrika geht“, lobte Köhler die Kinder für deren gute Vorbereitung auf das Beispielland Senegal. „Afrika ist mehr als nur Armut. Afrika, das sind auch Dichter, Maler und erfolgreiche Sportler“, warb er zudem dafür, den Kontinent nicht nur eindimensional zu betrachten. „Es ist auch so, dass in Deutschland nicht alles perfekt ist. Auch bei uns gibt es Armut, und da müssen wir dran arbeiten, dass es aufhört“, so Köhler weiter. „Und deshalb ist es so wichtig, dass ihr mit eurer Aktion aufmerksam macht, dass es anderen Kindern in der Welt eben noch schlechter geht.“

Nach der Ansprache des Bundespräsidenten nahm Teresa Dercks (9) dessen persönliche Spende entgegen, mit der der Bundespräsident ein Projekt für arbeitende Mädchen in Dakar unterstützt. Die meist nicht einmal 14 Jahre alten Mädchen müssen ihren Lebensunterhalt als Wäscherinnen, Hausmädchen oder Straßenhändlerinnen verdienen – oft unter schwierigsten, ausbeuterischen Bedingungen. In der Einrichtung im Senegal, dem Beispielland der aktuellen Aktion Dreikönigssingen, lernen die Mädchen in einem neunmonatigen Ausbildungskurs unter anderem, was faire Arbeitsbedingungen bedeuten und welche Rechte sie gegenüber ihren Arbeitgebern durchsetzen können.

„Macht ihr gerne mit bei den Sternsingern?“

Zum Abschluss des Empfangs nahm sich der Bundespräsident traditionell noch Zeit für die Fragen der Mädchen und Jungen. Aber eine Frage hatte auch er. „Macht ihr gerne mit bei den Sternsingern?“, fragte Horst Köhler. Ein vielstimmiges und überzeugendes „Ja“ schallte ihm aus 40 Königskehlen entgegen. Bereits zum sechsten Mal empfing der Bundespräsident eine Sternsinger-Delegation in der Hauptstadt, die die 500.000 Mädchen und Jungen vertritt, die sich in diesen Tagen überall in Deutschland auf den Weg zu den Menschen machen und Spenden für Not leidende Kinder in aller Welt sammeln. 2005 waren Sternsinger aus dem Erzbistum Köln eingeladen, 2006 eine Gruppe aus dem Bistum Görlitz, 2007 Sternsinger aus dem Erzbistum Bamberg, 2008 Mädchen und Jungen aus dem Bistum Speyer und 2009 Sternsinger aus dem Bistum Hildesheim.