Vor Ort bunte Kirche seinVollversammlung des Berliner Diözesanrates der Katholiken

Erzbischof Heiner Koch setzt den Prozess „Wo Glaube Raum gewinnt“ zur pastoralen Neugestaltung des Erzbistums Berlin fort. Dabei werde es aber keinen Plan geben, der für alle gilt, sagte der Erzbischof vor der Vollversammlung des Berliner Diözesanrates der Katholiken am Samstag (7. November) in Berlin. „Ich glaube nicht, dass es einen Weg geben wird, der für alle stimmt.“ Die Bedingungen vor Ort seien zu unterschiedlich, sagte Koch mit Blick auf die Situation in der Stadt Berlin und in den ländlichen Regionen seines Bistums in Brandenburg und Vorpommern.

Der Prozess „Wo Glaube Raum gewinnt“ war von Kochs Vorgänger Kardinal Rainer Maria Woelki gestartet worden. Kritik daran hatte es vor allem deshalb gegeben, weil die konmkrete Situation vor Ort und die Unterschiede in den Regionen des Bistums zu wenig im Blick seien. Erzbischof Koch betonte jetzt, bei dem Prozess gehe es nicht zuerst um Finanz-, Struktur- und Personalfragen, sondern um die Suche nach Antworten auf die Frage „Wie wollen wir hier vor Ort Kirche sein – mit den Charismen und mit den finanziellen und baulichen Voraussetzungen, die wir haben?“ Kirche sei nicht dazu da, „schöne Schrebergärten zu pflegen, in denen wir uns wohlfühlen, sondern allen Menschen Jesus Christus zu verkünden.“

Der Erzbischof appellierte an die Katholiken, ihre Verantwortung wahrzunehmen. „Sie sind getauft und gefirmt. Wir Hauptamtlichen können Sie unterstützen. Wir sind dazu da, dass Sie Ihr Priestertum leben können.“ Die Pastoralen Räume seien mehr als der Zusammenschluss mehrerer Pfarreien. „Dazu gehören die kirchlichen und karitativen Einrichtungen, die verschiedenen Gemeinschaften und geistlichen Bewegungen. Dieses Miteinander macht Kirche bunt.“ Koch kündigte an, dass er im kommenden Jahr zusammen mit Verantwortlichen aus dem Ordinariat die etwa 20 Pastoralen Räume besuchen werde, die sich inzwischen zusammengefunden haben.

Zur zweiten Baustelle, die der neue Berliner Erzbischof von seinem Vorgänger übernommen hat, äußerte Koch sich nicht konkret. Wie immer die Entscheidung zu Sanierung um Umgestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale ausfalle – „es wird Enttäuschungen geben“. Die Diskussionen, die jetzt darüber geführt werden, seien für ihn eine „Nagelprobe“ für den Umgang von Christen miteinander. „Wenn wir uns anschließend nicht mehr in die Augen sehen können, mache ich die Kathedrale lieber zu.“

Die Hauptstadtfunktion Berlins sieht Koch einerseits als Riesenchance für „Austausch und Kommunikation“. Was die Präsenz der katholischen Kirche in der Hauptstadt betreffe, stehe aber auch die Deutsche Bischofskonferenz in der Pflicht. Im Gespräch sei dabei etwa ein katholisches Wissenschaftszentrum, das bei der Diskussion aktueller Fragen die katholische Position theologisch kompetent einbringt.

Weitere Information:

  • Beschluss "Vergesst die Gastfreundschaft nicht!", in dem das große Engagement kirchlicher wie gesellschaftlicher Gruppen gewürdigt und zugleich an Gemeinden, Gruppen und Verbände wie an die Politik appelliert wird, in der Unterstützung nicht nachzulassen.