Pressemeldung

„Was macht Sankt Hedwig?“Newsletter Nr. 7 von Dompropst Przytarski

In unregelmäßigen Abständen informiert Dompropst Prälat Tobias Przytarski diejenigen Personen, die – mit Kritik und Anregungen – den Prozess der Umgestaltung von Sankt Hedwig begleiten über den aktuellen Stand. Ein siebter Newsletter wurde jetzt verschickt. Wir dokumentieren ihn hier im Wortlaut:

„Was macht Sankt Hedwig?“ – Diese Frage höre ich immer wieder und freue mich darüber. Offenbar interessieren sich viele für unsere Kathedrale. Und tatsächlich ist eine Menge passiert seit meinem letzten Newsletter vom Advent 2018, in dem ich Ihnen mitteilen konnte, dass die Förderbescheide von Bund und Land Berlin endlich vorliegen.

Das erste halbe Jahr haben wir vor allem Ausschreibungen vorgenommen. So unterstützt uns seit Juli 2019 das Unternehmen „teamproject“ als Projektsteuerer, das schon den Bau der benachbarten Barenboim-Said-Akademie erfolgreich begleitet hat. Inzwischen stehen uns auch Frau Elena Cenci in der Bauleitung und Dr. Jan Krieger als beratender Architekt mit großem Engagement an der Seite.
Im Sommer haben wir mit dem Abbau und der Auslagerung der großen Klais-Orgel begonnen, um sie vor Verschmutzung und Schäden bei den anstehenden Baumaßnahmen zu schützen. Einer der Orgelbauer hatte übrigens vor gut 40 Jahren als Lehrling beim Einbau der Orgel mitgearbeitet, er freut sich schon auf den Wiedereinbau. Inzwischen sind auch fast alle Kunstwerke aus der Kathedrale gesichert, sorgfältig dokumentiert und in Depots eingelagert worden: Fenster, Statuen, Tabernakel und Kreuze, Einbauten aus Stein und Bronze. Das hatte Missverständnisse mit den Denkmalbehörden ausgelöst, die mittlerweile aber in gutem Einvernehmen behoben werden konnten.

Als ich am 22. August 2019 in der Gemeinschaft der Mitarbeitenden des Metropolitankapitels eine Abschiedsandacht am Hauptaltar hielt, war das nicht nur für mich ein bewegender Moment. Mehr als 50 Jahre ist ja an diesem Altar die Heilige Messe gefeiert worden – unter fünf Berliner Bischöfen in schweren, aber auch in glücklichen Zeiten. Nach der Andacht wurden die Reliquien geborgen. Anschließend ist der Rückbau der liturgischen Einbauten erfolgt.

Zurzeit bereiten wir die Sanierung der Kuppel vor. Wir müssen – schon aus Gründen der Klimaeffizienz – die Dämmung der Kuppel erneuern. Dafür werden wir 2020 ein Gerüst um die Kathedrale bauen und die vorhandene Kupfereindeckung entfernen. Gleichzeitig bereiten wir den Bauantrag vor.
Übrigens ist es ein Jahr her, dass wir in Sankt Hedwig mit dem Kunstprojekt „Glowing Core“ mehr als 20.000 Menschen begeistert haben. Zur Erinnerung und Dokumentation ist im Kerber-Verlag ein Buch erschienen, das am 25. September 2019 anlässlich des 75. Geburtstags der Künstlerin Rebecca Horn präsentiert wurde.

In der Beschäftigung mit der Sanierung und Umgestaltung mit der Kathedrale ist schon sehr früh deutlich geworden, dass es um sehr viel mehr als nur um ein Gebäude geht. Dem wollen wir mit der Schriftenreihe SANKT HEDWIG MITTE begegnen. Im HERDER-Verlag sind gerade die ersten drei Bände erschienen: Klaus Müller schreibt über eine „Mitte, die für das Ganze steht“, Klemens Richter und Benedikt Kranemann schildern die „Innenraumgestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale“ aus liturgiewissenschaftlicher Perspektive und Bernhard Schneider stellt uns „Hedwig von Schlesien und die Revolution der Caritas“ vor. Weitere Bände sind in Vorbereitung.

In Sankt Joseph im Wedding sind wir nach mehr als einem Jahr gut angekommen und haben ein gutes und einvernehmliches Miteinander mit der Gemeinde gefunden. Zugegeben, einige Touristen haben wir verloren, für die liegt der Wedding zu weit abseits, aber erfreulich viele halten uns die Treue in unserem „Exil“. Und eine gute Erfahrung ist, dass wir dort auch ganz andere Menschen in unseren Gottesdiensten begrüßen dürfen. Doch so wohl ich mich im Wedding auch fühle, die Sehnsucht nach der Rückkehr in die Kathedrale bleibt.

Gern kommen wir übrigens zu Ihnen und erläutern den Stand und die Umstände der Umgestaltung, nach Möglichkeit auch mit unseren besten Botschaftern, den Chören der Sankt Hedwigs-Kathedrale. Melden Sie sich, wir lassen uns gern einladen!

Umgekehrt möchte ich eine Einladung aussprechen: Sie können zwar leider nicht in die Kathedrale, aber während des „Festival of Lights“ vom 11. – 20. Oktober 2019 lohnt es sich, auf den Bebelplatz zu kommen. Dort erwartet uns wieder eine beeindruckende Bilderflut, auch die Fassade der Kathedrale ist illuminiert.

Ich danke Ihnen für alle Kritik und Anregungen! Zugleich freue ich mich, dass unser Vorhaben von Vielen getragen und unterstützt wird. Das tut mir auch persönlich gut.“