Pressemeldung

„Wir müssen unsere Kommunikation und unsere Pastoral überprüfen“Vorstellung der Studie zur langfristigen Projektion der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens im Erzbistum Berlin

Nur etwa zur Hälfte wird der Rückgang – an Mitgliedern wie an Mitteln – durch die demografische Entwicklung bewirkt. Diese Grundeinsicht der langfristigen Projektion der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens gilt im Grunde auch für das Erzbistum Berlin.

„Allerdings stellt sich das Problem für uns nicht ganz so ausgeprägt dar. Aufgrund der relativ jungen, ‚erwerbsintensiven Bevölkerung‘ ist im Erzbistum Berlin die Abhängigkeit von den geburtenstarken Jahrgängen nicht so ausgeprägt wie im bundesweiten Vergleich“, so Bernd Jünemann, Bereichsleiter Finanzen im Erzbischöflichen Ordinariat Berlin, bei der Vorstellung der Ergebnisse für das Erzbistum Berlin. Er hat die Studie als Mitglied einer bundesweiten Steuerungsgruppe begleitet.

„Dafür ist in Berlin die Taufquote mit aktuell nur 37% besonders niedrig und die Austrittsquote besonders hoch. Hier können wir handeln und gegensteuern. Wir müssen unsere Kommunikation und unsere Pastoral überprüfen, inwiefern wir die erreichen, die über einen Austritt nachdenken“.

Erzbischof Dr. Heiner Koch sieht sich durch die Projektion ermutigt, „uns nicht in gesellschaftliche Nischen zurückzuziehen, sondern profiliert und mutig unseren Sendungsauftrag zu allen Menschen auszubauen. Wir werden eine Kirche für alle Menschen bleiben, auch mit unseren caritativen und Bildungs-Angeboten. Vor allem aber bauen wir voll Vertrauen darauf, dass Gott uns immer neue Wege eröffnet und sie mit uns geht.“

In diesem Sinn erneuert Erzbischof Koch auch den Hinweis auf das Symposium „Gott – mitten im Leben“ am 15. Juni 2019: „An diesem Tag wollen wir bewusst hören, was uns Kirchenferne und nicht der Kirche Angehörende zu sagen haben, wie wir Menschen auf Gott hin ansprechen können.“

Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC sieht die Qualität der Pastoral als Schlüssel: „Wir müssen Standards entwickeln und überprüfen“. Was die Ausgaben angeht, widerspricht er den Forderungen nach radikalen Kürzungen und Schließungen.

„Aber wir müssen uns konsequent die Frage nach dem Wozu und Wofür stellen. Glocken können wichtig sein, sie ersetzen aber nicht das Gespräch über den Glauben, Orgeln können wichtig sein, aber sie ersetzen nicht die Lob- und Bittgesänge. Und wir müssen Geld zurücklegen, damit auch künftige Generationen noch gestalten können.“

Die in der vergangenen Woche vorgestellte Studie zur langfristigen Projektion der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens wurde zunächst von der Deutschen Bischofskonferenz für die 27 römisch-katholischen (Erz-)Diözesen beim Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Auftrag gegeben. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich dem Forschungsprojekt mit ihren 20 Landeskirchen angeschlossen. Ermittelt wurde, wie sich Kirchenmitgliedschaftszahlen und Kirchensteueraufkommen langfristig – bis zum Jahr 2060 – entwickeln werden.

Die Ergebnisse der Studie sind abrufbar unter www.dbk.de.

 

Statement Erzbischof Koch


Interview mit David Gutmann