Radiowort

Osterwasser und Osterfreude

31. März 2018 Erzbischof Dr. Heiner Koch

Am nördlichen Stadtrand von Berlin, in der Nähe von Lübars, gibt es eine Osterquelle. Sie ist kein spektakuläres Naturschauspiel, kaum ausgeschildert und auch nur wenig bekannt. Genau genommen ist es nur ein kleineres Rinnsal, abhängig vom Regen im Frühjahr. Aber immerhin: die letzte freisprudelnde Quelle in Berlin. Sie ist auch deswegen ein besonderer Ort, weil sich mit ihr Legenden aus alter Zeit verbinden. Die Bezeichnung Osterquelle geht auf den christlichen Brauch des Osterwasser-Holens zurück. In früheren Zeiten war es üblich, am Ostermorgen frisches Quellwasser zu schöpfen. Ihm wurden heilende Kräfte zugesprochen, vor allem wenn es von jungen Mädchen geschöpft wurde – und zwar unter völligem Schweigen.

Man kann über diesen Brauch schmunzeln. Er klingt märchenhaft, stammt womöglich aus vorchristlicher Zeit. Aber wie meist bei Märchen: es steckt auch eine Wahrheit dahinter. Nämlich eine Sehnsucht nach dem Unverfälschten, nach einem Zustand der  Reinheit und Arglosigkeit, nach Neubeginn. Religiös gesprochen ist das Wasser des Ostermorgens ein Symbol für die Hoffnung auf neues, ewiges Leben mit Gott. Jesus selbst hat uns dieses Bild geschenkt, als er zu der Frau am Jakobsbrunnen sagte: „Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, der wird in Ewigkeit keinen Durst mehr haben….es wird ihm zur Quelle werden, deren Wasser bis ins ewige Leben reicht.“ (Joh 4,13 -14)

Ewiges Leben ist nicht nur ein Bild für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Das Leben bei Gott beginnt schon im Heute, im Hier und Jetzt meines Alltags. Das meinen wir Christen, wenn wir an Ostern von der Auferstehung sprechen. Wir glauben, dass Gott seinen Sohn Jesus von Nazareth auferweckt hat in seine himmlische Herrlichkeit. Und deshalb stehen auch wir in dieser freudigen Erwartung. Wir glauben daran, dass es ein Leben jenseits von Schuld und Leid, Verfolgung und Vertreibung, Krankheit und Tod gibt. Deshalb setzen wir Christen uns auch ein für den Schutz und die Förderung des Lebens, des ungeborenen Kindes bis zum sterbenden Menschen, vom Behinderten bis zum Gescheiterten, vom Flüchtling bis zum Obdachlosen.

Das ist die Verheißung der christlichen Osterbotschaft von der Auferstehung: das Leben und die Liebe sind stärker als der Tod. Unsere Hoffnung ist nicht grundlos und unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit bleibt nicht unerfüllt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Ostersonntag!

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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