Radiowort

Gott hat jeden Menschen in sein Herz geschlossen

27. April 2018 Erzbischof Dr. Heiner Koch

Nachhören

 

 

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Nach wie vor leuchtet das Zitat von Karl Marx in goldenen Lettern im Hauptgebäude der Humboldt-Universität. 1953 auf Anordnung der SED dort angebracht, hat jedenfalls das Zitat Wende und Wiedervereinigung überlebt.

„Die Welt verändern“: Die „herrschenden Klassen“ sollten „vor einer kommunistischen Revolution“ zittern.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Analysen Karl Marx’ haben manche gravierenden Konsequenzen eines ungehemmten Kapitalismus analysiert und herausgestellt. Aber seine weltanschauliche geprägte Philosophie hatte auch furchtbare Folgen, etwa als sie von einigen zur Ideologie und zur Staatsreligion erhoben wurde, die mit aller Gewalt gerade auch gegen Christen und gegen die Kirchen durchgesetzt wurde.

Am Tag der Arbeit, am 01. Mai, feiern wir Katholiken den heiligen Joseph, der als Patron der Arbeitenden verehrt wird. Er stellte sein Leben in den Dienst Jesu Christi und verdeutlicht mit seiner Sorge um diese einzelne Person den wesentlichen Unterschied zur Stellung des Menschen in den an Karl Marx anknüpfenden Ideologien: Gott hat jeden Menschen in sein Herz geschlossen und verliert ihn niemals aus seinem guten Blick. Dies gibt dem Menschen seine unabdingbare Würde auch über den Tod hinaus. In dieser Überzeugung hat die christliche Soziallehre ihren Ausgangspunkt mit vielen Konsequenzen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. In dieser unabdingbaren, nicht verzweckbaren Würde des Menschen, die aller Gesellschaft vorausliegt, besteht wohl der wesentliche Unterschied zur Gesellschaftslehre von Karl Marx.

Der heilige Joseph hat die in großer Not schwebende, schwangere Maria aufgenommen, er war Jesus ein treusorgender Vater und Ernährer und hat damit ziemlich unaufgeregt seinen Beitrag geleistet zu einer Weltveränderung, an der wir als Christen nach wie vor mitwirken.

Wenn wir am 1. Mai den heiligen Joseph ehren, dann auch verbunden mit dem Eingeständnis, dass wir als Kirche allzu oft nicht auf der Seite der „Proletarier“, sondern der „herrschenden Klassen“ standen. Wir erinnern am 1. Mai aber auch daran, dass nach wie vor Menschen unter unwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten müssen, dass Kinder zur Arbeit gezwungen werden und insbesondere Frauen unter ungerechter Bezahlung leiden, in besonders schlimmer Weise in Asien, Afrika oder Südamerika. Kirchliche Hilfswerke unterstützen Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen im Kampf um gerechte Arbeitsbedingungen. Auch diesen Arbeitern gilt meine Unterstützung und Solidarität.

Ich wünsche Ihnen einen wirkungsvollen Tag der Arbeit am Fest des heiligen Joseph.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

Frequenzen