Radiowort

Miteinander statt übereinander reden

25. Mai 2018 Erzbischof Dr. Heiner Koch

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Heutzutage miteinander zu kommunizieren ist scheinbar so einfach wie nie zuvor. Es gibt unglaublich viele Mittel und Wege, Kontakte aufzubauen und zu pflegen, ins Gespräch zu kommen, Meinungen auszutauschen und sich Wünsche zu erfüllen. Wir können uns sekundenschnell weltweit über soziale Netzwerke verbinden und erhalten Unmengen an Informationen, Bildern und Angeboten. Millionen teilen auf Facebook und Twitter mit, was sie mögen und was nicht. Ein Schaufenster der Kreativität; ein Marktplatz der Eitelkeiten.

Das Internet versetzt uns in einen scheinbar paradiesischen Zustand mit endlosen Möglichkeiten. Doch welchen Preis zahlen wir hierfür? Die digitale Form der Kommunikation verändert Werte und Verhalten. Der Ton der Auseinandersetzung ist rau geworden. Hass und Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Vorgefertigte Meinungen werden zu verbalen Waffen, um Andersdenkende zu beschimpfen und zu erniedrigen. Ein Phänomen wie ein Urinstinkt, der scheinbar alle Hemmungen und Formen des Anstands vergessen lässt.

So werden extreme Positionen salonfähig. Gezielte Falschnachrichten werden so lange wiederholt, bis sich immer mehr Menschen finden, die diese für wahr halten. Fremdgesteuert durch verschlüsselte Algorithmen werden Menschen mit ähnlichen Einstellungen miteinander verbunden. Gemeinsam fühlen sich diejenigen, denen sonst niemand zuhört, plötzlich stark.

Unsere Demokratie und unsere freie Gesellschaft lebt aber vom Austausch von Meinungen und Positionen - von der konstruktiven Kommunikation miteinander. Man kann alles vom Guten zum Schlechten umfunktionieren, natürlich bietet die Digitalisierung heute viele Chancen. Wichtig ist aber, dass wir uns auf grundlegende Werte besinnen. Dazu gehört es, einander zuzuhören, sich für den Anderen zu interessieren, sich füreinander Zeit zu nehmen. Lassen Sie uns versuchen zu verstehen, was unser Gegenüber bewegt. Wir sollten mehr auf den Nächsten statt auf unser Smartphone schauen. Lassen Sie uns miteinander kommunizieren, statt übereinander zu reden.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag mit vielen ehrlichen Begegnungen und ehrlichen Gesprächen.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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