Radiowort

Ich empfinde Scham

28. September 2018 Erzbischof Dr. Heiner Koch

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Die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene Studie zum „sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige“ erschüttert und bewegt mich sehr.

Ich bin tief traurig, dass ich geschehenes und gesehenes Leid nicht ungeschehen machen und Wunden nicht heilen kann. Ich empfinde Scham, dass Taten verschleiert und Täter nicht angemessen zur Rechenschaft gezogen wurden, dass das Ansehen der Kirche über den Schutz der Opfer gestellt wurde. Dafür bitte ich die Betroffenen um Entschuldigung.

Für das Erzbistum Berlin übernehme ich die Verantwortung, wo vertuscht oder nicht angemessen mit Schuld umgegangen wurde, wo Menschen im „System Kirche“ das Offensichtliche nicht wahrhaben wollten oder systematisch weggeschaut haben. Dies schließt auch ein, unsere Strukturen und Rahmenbedingungen zu überprüfen und infrage zu stellen, inwieweit sie Missbrauch begünstigt oder ermöglicht haben.

Den vielen Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die gewissenhaft und glaubwürdig ihren Dienst tun, danke ich. Wir schauen aber auch sehr genau auf Zusammenhänge, die zwischen der priesterlichen Lebensform und den Fällen von sexuellem Missbrauch besonders an Minderjährigen bestehen. Wir werden uns fragen, wo in der zölibatären Lebensform Risiken liegen, wenn sie als Flucht vor der Wirklichkeit, aus Angst vor Beziehung oder aus fehlgeleiteter Sucht nach Status gewählt wird.

Viele Maßnahmen zur Aufarbeitung aber auch zur Prävention wurden in unserem Erzbistum bereits ergriffen, weitere sind beschlossen. Sie dienen dem Anliegen, eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens zu erreichen.

Und wir hören weiterhin auf die, denen Unrecht geschehen oder schweres Leid zugefügt wurde. Wenn Sie von Vorwürfen hören oder selbst betroffen sind oder waren, melden Sie sich, bitte.

Alles, was einer glaubwürdigen Verkündigung des Evangeliums entgegensteht, geht uns an.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, ein erholsames und segensreiches Wochenende.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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