Radiowort

Zum 75. Todestag von Bernhard Lichtenberg

26. Oktober 2018 Erzbischof Dr. Heiner Koch

Nachhören

 

 

Am Morgen des 10.November 1938 ging der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg über Glasscherben. Sie stammten von den eingeschlagenen Scheiben der Läden von jüdischen Tuchhändlern rund um den Hausvogteiplatz. In der Nacht hatten in Berlin und überall in Deutschland Synagogen gebrannt. Jüdische Geschäfte wurden geplündert, deren Inhaber bedroht und schikaniert.

Seit jener Nacht betete Dompropst Lichtenberg regelmäßig in der Hedwigskathedrale während der Abendandacht für die verfolgten Juden. Die Fürbitte, die er über mehrere Jahre regelmäßig vortrug, lautete: „Lasst uns auch beten für die Juden und für die armen Gefangenen in den Konzentrationslagern … .“ (*)

Als 1941 die Deportationen begannen, wurde Lichtenberg von der Gestapo inhaftiert und wegen sogenannten „Kanzelmissbrauchs“ verurteilt. Für den 67jährigen Priester, seit langem herz- und nierenkrank, begann ein zweijähriges Martyrium im Gefängnis in Tegel. Im Anschluss daran sollte er im Konzentrationslager Dachau in Haft bleiben. Er starb während des Transports dorthin am 5. November 1943. Jetzt jährt sich sein Todestag zum 75. Mal.

Nicht nur wir Katholiken im Erzbistum Berlin ehren Dompropst Lichtenberg als einen unbeugsamen Mahner gegen Willkür und Menschenverachtung. 1996 wurde er bei einer großen Feier im Berliner Olympiastadion durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Unweit davon, in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum am Heckerdamm in Charlottenburg, hat er nun eine vorübergehende Ruhestätte gefunden, solange die St.Hedwigskathedrale saniert und umgebaut wird. Dort finden zwischen dem 4. und 11.November eine ganze Woche lang Gedenkveranstaltungen statt, die an den Dompropst und sein mutiges Eintreten für Verfolgte erinnern.

Wir wollen dabei nicht nur zurückschauen, sondern uns auch fragen, wer heute bedrängt und benachteiligt ist. Einmischen statt Wegschauen! Das ist die Devise, zu der uns Dompropst Bernhard Lichtenberg verpflichtet, dessen Fürsprache bei Gott wir  erbitten.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames und gesegnetes Wochenende.

(*) Hubert Bengsch, Bistum Berlin – 1000 Jahre christlicher Glaube zwischen Elbe und Oder, Berlin 1985, S.123

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

Frequenzen