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250.Geburtstag Alexander von Humboldts

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"Das ganze Leben ist der größte Unsinn. Und wenn man achtzig Jahre strebt und forscht, so muß man sich doch endlich eingestehen, daß man nichts erstrebt und nichts erforscht hat. Wüßten wir wenigstens, warum wir auf dieser Welt sind…." Dieses Zitat stammt von Alexander von Humboldt. Heute vor 250 Jahren wurde er geboren.

Das Zitat klingt ernst und ironisch zugleich. Vielleicht ist es gerade darin typisch für den rastlosen Berliner Gelehrten. Wie kaum ein anderer hat Alexander von Humboldt das Wissen der Menschheit um Natur und Geographie auf Generationen hinaus bereichert – und bleibt doch am Abend seines Lebens selbstkritisch und bescheiden.

Der jüngere der beiden Humboldt-Brüder war ein Intellektueller, der heute ungewöhnlich modern anmutet: er stand für lebenslanges Lernen, er verabscheute Grausamkeiten gegenüber Tieren und hatte große Ehrfurcht vor der Natur und vor der Vielfalt menschlicher Kulturen. Zu Religion und Glaube hatte Humboldt wohl ein skeptisches Verhältnis, wie es manchen Strömungen der damaligen Aufklärung entsprach. An die Stelle von Gott setzte er die Idee einer alle Menschen umfassenden Humanität. Religiös motivierte Denkverbote kritisierte er genauso wie die gewaltsame Missionierung der indianischen Ureinwohner in Lateinamerika.

Die Humboldt-Universität Unter den Linden ist zu Recht stolz auf diesen prominenten Namensgeber. Und wir, als katholische Christen, freuen uns, dass demnächst an diesem traditionsreichen Ort der Bildung und geistigen Auseinandersetzung  auch katholische Theologie gelehrt wird. Dabei soll ein Schwerpunkt auf die Fragen der Theologischen Anthropologie gelegt werden, auf die wissenschaftliche Frage nach dem Menschen in religiöser Perspektive, und das in interdisziplinärer Offenheit über alle fachlichen und weltanschaulichen Grenzen hinweg. Das Institut, so bin ich überzeugt, bringt damit eine wichtige Perspektive auf den Menschen und seine Fragen nach Sinn und Orientierung ein.

Alexander von Humboldt, dessen Denken grundsätzlich auf alles hin offen war, wäre vielleicht ganz einverstanden damit, dass hierzulande das Bewusstsein für religiöse Bildung in den letzten Jahren gewachsen ist. Denn er war überzeugt: alles Erforschte ist nur ein Stufe zu etwas Höherem. Und damals wie heute geht es zuletzt um die einfache und zugleich schwer zu beantwortende Frage, zu wissen, „warum wir auf der Welt sind…“.

 

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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