Bleibt hier und wacht mit mir!

In der Nacht vor seiner Hinrichtung am Kreuz war Jesus mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane vor den Toren Jerusalems zusammen. Jesus spürte, dass sein Tod bevorstand.  Die Evangelien berichten, dass er in großer Angst und Seelennot seine Getreuen bat bei ihm zu bleiben und mit ihm zu wachen.


„Bleibt hier und wacht mit mir“ (Mt 26,38), diese inständige Bitte ist auch das Leitmotiv, an das wir als katholische Kirche erinnern, wenn wir uns entschieden gegen eine Mitwirkung beim Suizid wenden und uns stattdessen für eine umfassende körperliche und seelische Betreuung von Sterbenskranken einsetzen. Mit der heute zu Ende gehenden „Woche für das Leben“, die wir gemeinsam mit unseren evangelischen Glaubensschwestern und -brüdern jedes Jahr ausrufen, haben wir uns dafür stark gemacht, dass die Bedürfnisse von Schwerkranken und Sterbenden noch besser in den Blick kommen.


Es stimmt: Manche wünschen sich angesichts eines schweren Leidens und aus Furcht vor Einsamkeit den Tod. Oft aber kehrt ihr Lebenswille kraftvoll zurück, sobald sie liebevoll umsorgt und ihre Schmerzen wirksam gelindert werden. Dem sterbenden Menschen wollen wir helfen zu leben. Wir wollen deshalb noch konsequenter als bisher einen bedarfsgerechten Ausbau der palliativen und hospizlichen Begleitung sowie eine umfassende Kultur des Lebens in all seinen Phasen in unserer Gesellschaft fördern. Wir treten deshalb auch ein für eine stärkere Förderung von Familien, die einen Schwerkranken oder Sterbenden pflegen und begleiten. Denn wir sind überzeugt, dass der Mensch in jeder Phase seines Lebens von Gott getragen ist. Dieser Glaube fordert uns als Christinnen und Christen besonders heraus. Aber für uns alle ist die unbegrenzte Würde des Menschen eine Herausforderung. Wer unheilbar krank ist, dem müssen wir aus Achtung vor ihm und seinem so lebenswürdigen Leben zu leben helfen. Er verdient den Beistand seiner Mitmenschen, die bestmögliche Pflege und seelsorgliche Begleitung. 


Den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits haupt- oder ehrenamtlich in der Sterbebegleitung tätig sind, gilt mein Dank und meine höchste Anerkennung. Sie leisten einen unersetzlichen Dienst der Nächstenliebe.


Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und morgen einen gesegneten Sonntag.