Brot zum Leben

„Ich bin armutsbetroffen“ - unter diesem Hashtag haben sich in den vergangenen Wochen viele Menschen in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Sie berichten darüber, wie sie finanziell nicht über die Runden kommen, Ausgrenzung und Stigmatisierung erfahren oder die angespannte finanzielle Familiensituation nur sehr schwer vor ihren Kindern verbergen können. Und das sind keine akuten Auswirkungen der gegenwärtigen Verteuerung unseres Alltags. Die aktuelle Situation allerdings, verschärft das Problem. Auch, wenn es sicherlich Überwindung gekostet hat – ich bin dankbar für diese mutigen Statements, denn es wichtig, dass wir das Thema Armut und Armutsgefährung nicht weiter tabuisieren, sondern darüber sprechen.

Rund 25 Prozent der Kinder in Berlin gelten als armutsgefährdet – ein erschreckend hoher Wert. Und auch, wenn hoffentlich möglichst wenig Kinder in Berlin tatsächlich Hunger leiden müssen, so erfahren sie dennoch Armut. Denn auch gesellschaftliche Teilhabe gehört zu einem Aufwachsen in Würde. Kino, Schwimmbad, die Klassenfahrt, Urlaub - für manche ist das schlicht nicht drin.

In Beratungsstellen der Caritas und vielen kirchlichen Einrichtungen versuchen wir Familien mit wenig Einkommen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen - ein Wochenende an der Ostsee für Alleinerziehende zum Beispiel. Aber auch als Gesellschaft sind wir gefordert zu reagieren und mehr zu tun, um das Aufwachsen von Kindern in Armut zu verhindern.

Denn, „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt. 4,4) – heißt es in der Bibel. Auch unsere Seele braucht Nahrung.
Ein solches Lebensmittel für die Seele und das Herz – das haben wir als katholische Christen am vergangenen Donnerstag in den Mittelpunkt gerückt. Wir haben Fronleichnam gefeiert.

An Fronleichnam erinnern wir uns an das letzte Abendmahl, als Jesus mit seinen Freunden zusammen war und ihnen Brot und Wein reichte mit den Worten: „Das bin ich selbst. Tut dies immer wieder!“ Und so feiern wir an Fronleichnam, dass Gott - verborgen im Brot - aber auch in der Gemeinschaft der Gläubigen gegenwärtig ist. Auch hier geht nicht nur um ein Stück Brot, das uns nährt. Denn nur in Gemeinschaft mit anderen, im Teilen, Mitteilen und Anteilnehmen, können wir diesem göttlichen Geheimnis auf die Spur kommen, das uns als Christen erfüllt und stärkt.

Als Menschen leben wir davon satt zu werden – an Leib und Seele, in Gemeinschaft und Verbundenheit mit anderen. All das gehört zu einem erfüllten Leben in Würde mit dazu.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.