Es gibt keinen gerechten Krieg

Morgen jährt sich ein Tag, dessen Datum sich in die Geschichte eingebrannt hat. Der 8. Mai 1945 markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Es ist der Tag, an dem das millionenfache Morden und die Gräueltaten der Nazis ein Ende fanden. Deutschland kapitulierte und mit ihm der Faschismus. In einigen Ländern ist der 8. Mai zum Feiertag erhoben. Zum Teil wird er als Gedenktag begangen. In Russland wird das Ende des Zweiten Weltkrieges Jahr für Jahr am 9. Mai als Tag des Sieges gefeiert – mit martialischen Aufmärschen der Streitkräfte. Die zur Schau gestellte Demonstration von militärischem Vernichtungspotential hat immer schon ein ungutes Gefühl ausgelöst. Doch
wer hätte es für möglich gehalten, dass fast achtzig Jahre nach dem Ende des fürchterlichsten Krieges, den unsere Welt je gesehen hat, dem Holocaust und der Zerstörung unzähliger Städte und ganzer Landstriche diese Vernichtungswaffen noch einmal in Europa zum Einsatz kommen? Russland hat mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine nicht nur im übertragenen Sinne eine Grenze überschritten. Der russische Präsident hat damit tiefe Gräben aufgerissen, die wohl über Jahrzehnte nicht mehr zu schließen sein werden. Er entfacht auch in seinem eigenen Land eine Stimmung, die wie ein Feuersturm über ganz Europa hereinbrechen kann. Es wird von einem gerechten Krieg gesprochen, aber es gibt keinen gerechten Krieg. Der Vorstellung, dass ein Krieg ethisch und rechtlich gerecht sein kann, hat Papst Johannes XXIII im Jahr 1963 in seiner Enzyklika "Pacem in terris" eine endgültige Absage erteilt. Durch die Stationierung russischer Langstreckenraketen auf Kuba stand die Welt damals kurz vor einem Atomkrieg. Nun ist es wieder ein russischer Präsident, der mit Atomwaffen droht, Wohngebiete und soziale Einrichtungen bombardieren lässt und grausame Mörder folternd durch ukrainische Orte schickt. Wer mit Gewalt und Zerstörung seinen Machtbereich ausdehnen will, tritt das Völkerrecht mit Füßen und handelt gegen alle Prinzipien der Mitmenschlichkeit. Im Matthäusevangelium verkündet Jesus die Nähe des Reiches Gottes, das alle irdische Gewaltherrschaft begrenzen und ablösen werde. Für den Frieden einzutreten und für seine Erhaltung zu werben, weist den christlichen Kirchen und allen Christen eine große Aufgabe zu. Dieser Aufgabe müssen wir uns alle voll und ganz widmen, auch in unserem persönlichen Lebensumfeld.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.