Für einen Wahlkampf ohne Aggression

Im September finden Wahlen statt - sowohl für den Bundestag als auch für das Berliner Abgeordnetenhaus. Der Wahlkampf dazu hat begonnen. Muss es wirklich ein „Wahl – Kampf“ sein?

Hassreden, geladene Atmosphäre auf politischen Podien oder systematische Provokationen und Grenzverletzungen sind als Stilmittel in die Debattenkultur eingesickert. 

Sollte hierfür das hohe Gut der Redefreiheit genutzt werden? Ich finde nicht! 

Hass beginnt bei der Beschimpfung und verbalen Bedrohungen gegenüber denen, die Politik machen oder als Journalistinnen und Journalisten darüber berichten. Es folgen Angriffe auf Wahlkreisbüros, Veranstaltungsräume, Fahrzeuge oder Privatwohnungen. Körperliche Angriffe gegenüber denen, die Verantwortung für unser Gemeinwesen übernehmen, sind leider nicht mehr nur Einzelfälle. Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke stellt den traurigen Höhepunkt dar.

Über unterschiedliche Meinungen wird kaum noch eine Debatte geführt, die im Idealfall alle Beteiligten schlauer macht. Auffassungen, die von der eigenen Meinung abweichen, werden nicht als „falsch“, sondern als „Wahn“, also eine krankhafte Fehlbeurteilung der Lage, bezeichnet. Indem man dem Gegenüber eine krankhafte Fehlwahrnehmung unterstellt, entbindet man sich selbst von der Verpflichtung oder Last, sich mit der vertretenen Idee auseinanderzusetzen.

Es ist unter diesen Umständen kein Wunder, dass Politiker sich aus solchen Gründen aus Ämtern zurückgezogen haben oder andere schlichtweg nicht mehr bereit sind, sich politisch zu engagieren.

Eine solche Entwicklung bringt unsere gesamte politische Kultur in Gefahr. Politik lebt von dem – friedlichen und verbalen – Ringen um die richtigen Lösungen. 

Was können wir tun?

Halten wir andere Meinungen aus! Setzen wir uns auseinander, auch wenn es unbequem ist! Die schnelle Einordnung als „links/rechts“, „krank- oder wahnhaft“ führt vielleicht zu Applaus in der eigenen Gruppe, aber nicht zu einer ehrlichen Auseinandersetzung. Unterschiedliche Meinungen wird es immer genau so viele geben wie unterschiedliche Menschen. Gemeinsam finden wir jedoch ein gegenseitiges Verständnis und einen wirklichen Fortschritt. Gemeinsam!

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und morgen einen gesegneten Sonntag.