Gleichgültigkeit überwinden

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir alle einen Ausnahmezustand erlebt. Das gewohnte Leben ist plötzlich auf den Kopf gestellt. Treffen mit Freundinnen oder Freunden und der Familie müssen eingeschränkt werden. Theater- und Restaurantbesuche sind nicht möglich. Auch diejenigen, die sonst ein gutes und sorgenfreies Leben führen, spüren wie es ist, wenn es nicht rund läuft. 

Für viele in unserem Land ist diese Situation leider der Normalzustand. Sie können auf Dauer nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie haben wenig Geld oder eine schmale Rente. Sie wissen nicht, wie sie sich und ihre Familie durchbringen sollen. Manche haben nicht einmal ein Dach über dem Kopf. 

Letzten Sonntag hat der Heilige Vater bereits zum vierten Mal den Welttag der Armen ausgerufen. Er hat uns alle aufgefordert, den Armen die Hand entgegen zu strecken und die Schranken der Gleichgültigkeit zu überwinden. „Wir können nicht mit ruhigem Gewissen zuschauen, wenn ein Mitglied der menschlichen Familie ins Abseits gestellt wird“, sagt Papst Franziskus. 

Diese Worte sollen uns aufrütteln und empfindsam machen für die Menschen um uns herum. Empfindsam auch für Fragen der Gerechtigkeit. Dabei geht es nicht um Gleichmacherei. Aber die Entwicklung zeigt in eine falsche Richtung, wenn man betrachtet, dass in unserem Land die obersten zehn Prozent der Bevölkerung rund zwei Drittel der Vermögen besitzen*. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft führt aber nicht nur zu finanzieller Armut sondern auch zu Isolation und Ausgrenzung. 

Das darf uns nicht kalt lassen. Sie können dazu beitragen, unsere Gesellschaft gerechter zu machen. Sie können Projekte wie den Caritas-Foodtruck unterstützen, der mittags warmes Essen an Bedürftige verteilt. Sie können sich ehrenamtlich bei Besuchs- und Begleitangeboten engagieren. Caritas und Malteser vermitteln Ehrenamtliche dorthin, wo Hilfe gebraucht wird. 

Der Glaube an Gott und die Solidarität mit den Armen und Leidenden können nicht voneinander getrennt werden, davon ist nicht nur Franziskus überzeugt. Mich motiviert immer wieder das Wort Jesu: „Was ihr für eine meiner geringsten Schwestern, für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40). Am heutigen Christkönigssonntag möchte ich Sie einladen, auf die Geringsten in unserer Gesellschaft zu achten. In jedem von ihnen begegnet uns Christus. Jedem kommt eine königliche Würde zu, weil uns in ihnen Christus, der König, begegnet.


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag


*Quelle: Sozio-ökonomisches Panel (SOEP), DIW