Gottvertrauen oder Fatalismus?

Als ich vor 6 Wochen wegen einer Herzoperation das zweite Mal in den Operationssaal geschoben wurde, habe ich ganz intensiv gespürt, wie unverfügbar im Grunde mein Leben ist und wie begrenzt die Möglichkeit meines Handelns. Ich habe mich dann sehr bewusst in die Hände der Menschen, denen ich vertraute, und vor allem in die Hände Gottes gegeben.

Auch die Coronakrise macht es deutlich: Vieles verstehen wir in seiner letzten Tiefe nicht: weder die Welt, noch uns Menschen und unsere Geschichte. Vor allem können wir den unendlichen Gott nicht erklären. Wir haben dies alles auch nicht im Griff. Ein kleiner Virus ist es, der unsere Allmachtstheorien entzaubert. Dies alles kann sehr heilsam sein für den Menschen: Demut ist oft ein viel angemessenerer Weg zu einem guten, erfüllten Leben als menschliche Hochmut und Überheblichkeit.

Allerdings führt manche Menschen diese Situation auch in Fatalismus: „Was soll all unser Sorgen, es kommt doch, wie es kommen soll, das Schicksal verändern kannst Du ohnehin nicht“. Die Erfahrung unserer Begrenztheit kann aber auch zu einer großen Alternative führen, zu einem tiefen Gottvertrauen. Hinter allem in unserem Leben steht der gute Gott, in dessen Herz wir geborgen sind, auch wenn wir ihn manchmal nicht sehen noch verstehen.

Fatalismus und Gottvertrauen: Beides sind Entscheidungen des Glaubens, vor denen jeder Mensch steht. Am heutigen 15. August feiern wir Katholiken das Fest Mariä Himmelfahrt. Wir feiern, dass das Leben mehr ist, als das, was wir in unserer Begrenztheit wahrnehmen und gestalten können: Unsere Heimat ist im Himmel, lesen wir in der Bibel (Phil 3,20). Wir sind und bleiben, auch in der Zukunft, geborgen in den guten Händen Gottes, lautet die frohe Botschaft dieses Tages. Maria hat die Wahrheit dieser Glaubensaussage erfahren, weil sie sich mutig und mit all ihren Fragen und Unsicherheiten auf diesen Gott verlassen hat. Ich möchte Sie, verehrte Hörerinnen und Hörer einladen, mit diesem Vertrauen auf Gott Ihren Alltag zu leben. Vielleicht erfahren Sie dann wie ich in meiner schwierigen gesundheitlichen Situation: Gerade in dunklen Momenten kann solch ein Gottvertrauen Mut, Kraft und Gelassenheit schenken: Hinter unserem Leben steht kein blindes Schicksal, sondern der uns alle tragende gute Gott.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.