Radiowort

Mein Joch ist sanft!

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Vor kurzem stand ich vor der Sankt Hedwigs-Kathedrale in der Mitte Berlins, als mich ein junges Paar ansprach: „Dürfen wir Sie etwas fragen? Wir heiraten jetzt.“ – „Herzlichen Glückwunsch“, erwiderte ich. Darauf die beiden: „Wir sind aber keine Christen. Könnten Sie uns dennoch segnen?“
Diese Begegnung zeigte mir: Wir leben keineswegs in einer gottlosen Stadt, wie immer mal wieder von Außenstehenden geäußert wird. Auch Menschen, die bisher keine Berührung hatten mit Religion oder Kirche, sind oft nicht einfach ungläubig. Die beiden wollten ihre Liebe besiegeln mit etwas, das größer ist als sie. Sie fragen indirekt nach Gott.

Auch der Gesprächspartner, der mich bei einer Veranstaltung ansprach mit den Worten: „Sie als Gläubiger…!“ und dabei den Eindruck erweckte, als sei er kein Gläubiger, auch er ist um von einem Glauben geprägt: Er glaubt eben, dass es keinen Gott gibt.
Für mich ein Hinweis, dass wir als Menschen immer gläubig sind; wir haben gar nicht die Möglichkeit haben, nicht zu glauben. Wir entscheiden nur, was – oder besser gesagt – wem wir glauben.
Deswegen kommt es darauf an, dass wir als Christen unseren Nachbarn ein gutes Vorbild sind in unserer Gottes- und in unserer Menschenliebe. Denn der christliche Glaube ist in seinem Kern und Wesen Liebe und Vertrauen zu Gott, der uns immer liebt, und deshalb auch zu den Menschen, die Gott ebenso liebt wie uns.

Unter denen, die sich als nichtgläubig bezeichnen, herrscht manchmal das Missverständnis, dass zu Glaube und Kirchenmitgliedschaft besonders strenge Regeln gehören, so dass Religion für den Menschen nur eine Belastung darstellt. Doch der Kern unsers Glaubens ist eben, dass wie geliebt werden und lieben. Diese Botschaft der Liebe dürfen wir uns immer wieder zu Herzen nehmen.
Als Jesus umherzog in den Dörfern und Städten im Heiligen Land, sagte er zu den Menschen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. […] Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht!“ (Matthäus 11, 28)

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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