Wir können uns Kinderarmut nicht leisten

Die Corona-Krise wirkt manchmal wie ein Brennglas. Sie verschärft Probleme, die es schon viel zu lange gibt. Einer dieser Brennpunkte ist die Kinderarmut. Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen in Armut auf*. In Berlin gilt sogar jedes vierte Kind als arm. Trotz jahrelanger guter wirtschaftlicher Entwicklung sind die Zahlen kaum zurückgegangen. 

Eines dieser Kinder ist Peter. Er traut sich nicht, seine Klassenkameraden zu seinem 10. Geburtstag nach Hause einzuladen. Er schämt sich, dass er mit seinen beiden Geschwistern und seiner Mutter nur in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Das sollen die anderen nicht mitbekommen. 

Kinderarmut ist auch immer Familienarmut. Besonders alleinerziehende Familien sind betroffen. Kinder wie Peter können nicht mithalten, wenn andere ins Kino gehen. Sie sind seltener Mitglied eines Vereins. Sie können nicht einfach in Urlaub fahren und danach von ihren Erlebnissen erzählen. Kinder haben keine Schuld an dieser Situation – aber dennoch haben sie das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Auch bei der Bildung haben sie Nachteile. 24 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug haben keinen internetfähigen PC. Und das, obwohl das digitale Lernen heute so wichtig ist. Die Bildungs- und Wissenslücken werden damit immer größer. 

Die Folgen der Corona-Krise verschlechtern die Lage weiter. Eltern benachteiligter Kinder und Jugendlicher arbeiten häufig in Teilzeitarbeit oder als Minijobber. Sie sind von Jobverlusten und Einkommenseinbußen besonders stark betroffen. Dabei gibt es Hilfen, die oft gar nicht in Anspruch genommen werden. 

Die Caritas unterstützt Familien, die sich im Dschungel der Behördenanträge nicht zurecht finden. Mut machen auch Initiativen von katholischen Gemeinden, wie die aus dem pastoralen Raum Wuhle-Spree. Sie haben für bedürftige Familien Geld gesammelt, um mit der Caritas vor Ort schnell und unbürokratisch zu helfen. Wir können uns Kinderarmut nicht leisten. Sie hat über Generationen hinweg Auswirkungen für die Einzelnen und sie belastet die Stabilität der ganzen Gesellschaft. 

Vielleicht können Sie mit einer Spende die Anschaffung von Schulcomputern unterstützen oder als Ehrenamtliche jungen Menschen zur Seite stehen. Auf der Caritas-Webseite www.caritas-erzbistum-berlin.de finden Sie Ansprechpartner und Möglichkeiten.


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


* Studie der Bertelsmann Stiftung, Juli 2020 – „Kinderarmut in Deutschland“