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Wohnen sollte ein Grundrecht sein

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"Wir können jemandem, der einfach nur eine Wohnung sucht, heute kaum noch helfen", sagte neulich eine Sozialarbeiterin der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot. Diese Beratungsstelle von Caritas und Stadtmission im Berliner Bezirk Tiergarten gibt es seit 40 Jahren. 3300 Hilfesuchende kommen jährlich hierher. In den letzten zehn Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt. Immer mehr Familien mit Kindern klopfen an die Tür. Zunehmend kommen auch Leute, die in Berlin eine Arbeit gefunden haben, aber kein Zuhause.

Die Wohnungsnot hat inzwischen auch die Mittelschicht erreicht. Rund ein Viertel werten steigende Mieten als Armutsrisiko. Selbst Durchschnittsverdiener sehen die Gefahr, dadurch ihre Wohnung zu verlieren. In Berlin wird die Zahl der Menschen ohne Bleibe und Mietvertrag bereits auf 50.000 geschätzt.
Zu lange ist nichts passiert. Sozialwohnungen wurden sogar abgebaut. Der Verdrängungswettbewerb auf dem Wohnungsmarkt wird immer härter. Wer dazu noch Schulden hat oder einen Schufa-Eintrag, der steckt in einer Sackgasse. Ein Mietvertrag rückt dann in unerreichbare Ferne.

Ein Zuhause darf in einem wohlhabenden Land wie Deutschland kein Privileg sein. Wohnen sollte ein Grundrecht sein. Dafür ist politisches und gesellschaftliches Handeln notwendig. Wir brauchen mehr öffentlichen, gemeinnützigen und genossenschaftlichen Wohnungsbestand. Die Spekulation mit Wohnraum muss gestoppt werden.

„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen." (Joh 14,2) Das sagt Jesus im Johannesevangelium. Eine Wohnung ist für uns mehr als Zimmer, Küche, Bad. Eine Wohnung ist ein Ort, an dem man bleiben kann – an dem man sich geborgen fühlt. Bei Gott finden alle Menschen ein Zuhause. Darauf können wir vertrauen. Viele brauchen bei der Suche nach einer Wohnung aber auch ganz konkrete Hilfe. In Berlin gibt es zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche, die selbst anpacken. Viele tun das in guter ökumenischer Zusammenarbeit in den Kirchengemeinden und in den Wohlfahrtsverbänden. Sie alle leisten einen wichtigen persönlichen Beitrag für unsere Gesellschaft, in dem sie Menschen ohne ein eigenes Dach über dem Kopf unterstützen. Dafür danke ich ihnen von Herzen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Wort des Bischofs

vierzehntägig samstags, 9.50 Uhr

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