Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Gedenkweg: Kirchen rufen zum Widerstand gegen Hass und Hetze auf

08. November 2018 Berlin (KNA)

Berlin (KNA) Mit einem "Gedenkweg" haben die beiden großen Kirchen in Berlin sowie ökumenische Initiativen am Donnerstag den 80. Jahrestag der nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938 begangen. Rund 500 Teilnehmer zogen von der Gedenkstätte Topographie des Terrors über den Potsdamer Platz bis zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Dort wurden die Namen der 55.696 jüdischen Holocaust-Opfer Berlins verlesen.

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch rief dazu auf, die Erinnerung an das "furchtbare" Geschehen "in unserem Denken und in unseren Herzen" lebendig zu halten. Auch die Christen hätten in der NS-Zeit Schuld auf sich geladen, in dem sie geschwiegen hätten. So etwas dürfe "nicht wieder passieren", sagte Koch und versprach der jüdischen Gemeinde "Treue und Solidarität". Wert und Würde eines jeden Menschen müssten "klar verteidigt" werden. (Redemanuskript)

Der evangelische Bischof Markus Dröge forderte dazu auf, aufzustehen gegen antijüdische Ressentiments, die "in den Köpfen vieler Menschen immer noch lebendig sind, ja schlimmer noch: wieder lebendig werden". Dies sei "eine Schande für unser Land". Rechtspopulisten und Rechtsextremisten testeten mit immer neuen Provokationen, "wie weit sie heute gehen können, wie viel Hass und Hetze gegen Juden, gegen geflüchtete Menschen, gegen Minderheiten die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes heute zu dulden gewillt sind".

Zum Einsatz für Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Menschenrechte rief der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf. Er dankte den Kirchen für ihre Initiative zu dem Gedenkweg. Es bedürfe einer klaren Haltung, sich Antisemitismus und Abschottung entgegenzustellen. Dabei komme es auf "jeden Einzelnen" an, sich für ein "offenes, freies und friedliches Berlin" einzusetzen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erinnerte an die Menschen, die am 9. November 1938 im Stillen jüdische Mitbürger schützten und sich gewaltbereiten Plünderern entgegenstellten. "Ihr mutiges Handeln weist uns den Weg. Demokratie benötigt Zivilcourage im Alltag", so Klein.

Intverview mit Bernd Streich