A BLACK JESUS im Kino

Dass der Corpus eines Kruzifix schwarz bzw. aus sehr dunklem Holz geschnitzt ist, ist vermutlich gar nicht so selten. Zuletzt fiel mir der Gekreuzigte über dem Altar in St. Hubertus in Petershagen auf, schon im Studium habe ich ein Kruzifix aus schwarzem Holz geschenkt bekommen, und auch silberne oder versilberte Kreuze können sehr dunkel werden.

Auch den Brauch, eine wertvolle und verehrte, häufig sehr schwere Kreuzesdarstellung aus der Kirche zu hole und durch die Straßen zu tragen, gibt es an vielen Orten . Ich kenne das von der Fronleichnamsprozession in Bamberg. Das Privileg, das schwere Kreuz mittragen zu dürfen (!) wird oft seit Generationen innerhalb der Familie vererbt. Es gilt heute noch als große Ehre.

In Siculiana, einem armen Dorf im Süden Siziliens, kommt Beides zusammen. Zum Thema für einen eigenen Dokumentarfilm wird es aber erst in Verbindung mit einer Flüchtlingsunterkunft, die in dem Dorf errichtet wird, und dadurch, wie der 19-jährige Edward aus Ghana diesen schwarzen Jesus für sich und die anderen Flüchtlinge entdeckt.

Jesus ist schwarz, für die Schwarzen Flüchtlinge eine Ermutigung. Dieser Jesus ist „in allem uns gleich“, sogar in der Hautfarbe.

Für Regisseur Luca Lucchesi, dessen Vater aus Siculiana stammt, lässt es offen, was die – offenbar nach wie vor streng katholischen – Einwohner seines Heimatdorfs mehr irritiert: die Angst vor den Fremden, den Flüchtlingen mitten in ihrem Dorf, oder deren begeisterter Zugriff auf „ihren“ schwarzen Jesus. Das dunkle Holz, aus dem er geschnitzt ist, haben sie vermutlich seit Generationen nicht mit Schwarzen Menschen in Verbindung gebracht.

Spannend wird der Film, als Edward und seine Freunde die Gemeinde bitten, den Gekreuzigten in der großen jährlichen Prozession durch den Ort tragen zu dürfen, allen Protesten gegen die Flüchtlingsunterkunft zum Trotz.

An dieser Stelle bewegt sich etwas in dem kleinen Dorf, auch wenn es Mühe macht, langwierige und vermutlich auch anstrengende Verhandlungen bedeutet: Ob die Schwarzen Flüchtlinge das dürfen? Wie stark sind die Beharrungskräfte der uralten Traditionen?

Eine wichtige Rolle spielt die Kamera, die immer dabei ist. Erkennbar ist, wie alle versuchen, sich zu erklären, ihre Position deutlich zu machen und dafür zu werben. Und so wie die Kamera die neu Zugezogenen in den Blick nimmt, so verändert sich auch die Perspektive der Dorfbewohner und ihre (Vor-)Urteile – bei manchen schneller, bei manchen langsamer.

Die Frage, ob alle gemeinsam das Kreuz tragen dürfen, aktualisiert, warum man eine solche Prozession überhaupt durchführt:

Alle stellen sich gemeinsam unter das Kreuz, es gibt keine Hierarchien, die langen Tragebalken machen alle gleich. Wer größer ist, muss sich ducken, Maßgeblich ist die Schulter des kleinsten, wenn die Last gleichmäßig verteilt werden soll.

Im Kreuz – im Leiden und im Sterben Jesu Christi – sind Heil und Hoffnung, das „Schandmahl“ wird nicht versteckt sondern mutig und stolz als Zeichen des Lebens durch die Straßen getragen, es soll Segen in alle Straßen und Häuser bringen.

Und wenn Schwarze den „Black Jesus“ tragen helfen und Film sich des Themas annimmt, stellt es eingeübte Jesusbilder infrage, nicht nur hinsichtlich der Hautfarbe.

So ist die Produktion von A BLACK JESUS unabhängig von einem Happy End schon ein Erfolg. Denn sie verändert die Perspektive, die der Protagonisten des Dokumentarfilms aber auch von denen, die ihn sich anschauen.

Kino geht nach wie vor nicht, dennoch wird es möglich sein, A BLACK JESUS anzuschauen, und zwar digital:

Ab dem 20. Mai 2021 wird der Film auf der Plattform www.filmwelt-digital.de veröffentlicht. Tickets buchen ist ab dem 10. Mai 2021 möglich. Ein Teil der Erlöse fließt in die Kinos zurück.