Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

„Auf ein Wort!“ - Interreligiöser Dialog

Diakon Prof. Dr. Johann Ev. Hafner Quelle: Universität Potsdam

Bei der Weltkonferenz „Religions for Peace“ in Lindau stellte sich ein Mann mit dem Schild „Jesus ist der Weg und die Wahrheit. Verlasst die Hure Babylon!“ vor die Teilnehmer. Ich habe mit ihm gesprochen: Er ist der Überzeugung, dass eine Kirche, die mit buddhistischen Äbten, orthodoxen Patriarchen, Aladura-Priestern und Brahmakumaris-Schwestern spricht und feiert, das blutbesoffene Weib aus der Apokalypse ist. Interreligiösen Dialog hält er für Götzendienst. Abgesehen davon, dass „Babylon, die Große“ (Apk 17,5) eine Macht meint, die alle Königreiche unterwirft und heute eher den entfesselten Kapitalismus meint, hat mich der Provokateur zum Nachdenken gebracht. Wie weit gehen wir mit dem Dialog der Religionen? Wir können wie mit allen anderen Menschen über gemeinsame ethische Anliegen sprechen und für sie eintreten: Friede, Naturschonung oder Schutz der Person. Aber wie weit reichen die Gemeinsamkeiten im Bereich des Religiösen? Sicher wollen wir nicht, dass Angehörige anderer Religionen die Messe mitfeiern, wenn sie das aus einer Beobachterperspektive tun. Ebenso wollen andere nicht, dass Andersreligiöse am Shiva-Opfer oder an der Jom-Kippur-Liturgie teilnehmen, wenn sie nicht auch den Sinn dieser Rituale voll teilen. Die „hohen“ Rituale eignen sich kaum für interreligiöse Gastfreundschaft. Hierfür kommen andere Formen in Betracht: Die meisten Religionen unterscheiden offizielle Religiosität einerseits, die durch Regeln stark festgelegt ist, und Volksfrömmigkeit andererseits, die sich aus der Praxis der Leute ergibt: Hausaltäre, persönliche Gebete oder private Gelübde. Im Katholizismus gibt es dafür den Begriff „Sakramentalien“. Über sie werden die eigenen Anliegen vorgebracht, die sich meist auf die Familie oder auch weiter gefasst auf das eigene Land oder die gesamte Menschheit beziehen. Auf dieser Ebene sind religiöse Menschen wegen der Ähnlichkeit der menschlichen Bedürfnisse einander sehr nah und können nebeneinander, füreinander und evtl. auch miteinander beten.