Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Berliner Erzbischof: Lehren aus Missbrauchsskandal ziehen

Berlin (KNA) Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat Kirche und Gesellschaft zu mehr Lernbereitschaft aufgerufen. "Die gegenwärtigen Verhärtungen in unserer Gesellschaft zeigen genauso wie die Pauschalisierungen und wuterfüllten Empörungen des Populismus, dass wir vergessen haben, uns als Lernende zu verstehen", sagte Koch am Mittwochabend beim Neujahrsempfang des Erzbistums Berlin. So warnte er vor der Gefahr, nicht wahrzunehmen, dass "Machtbesessenheit und Geltungsdrang" auch die Kirche beherrschen könnten. "Das hat uns gerade der Missbrauchsskandal gelehrt."

Der Erzbischof kritisierte eine Entscheidungsschwäche in der Kirche, wie sie bei vielen "Bedenkenträgern" zum Ausdruck komme. Als Beispiele nannte er Einwände gegen seine Teilnahme an Demonstrationen für den Schutz des ungeborenen Lebens und an Kundgebungen gegen Rechtspopulismus sowie an der Einführung eines kooperativen Religionsunterrichts mit der evangelischen Kirche. Bedenken höre er überdies mit Blick auf die Kommunion für nichtkatholische Christen in einer konfessionsverbindenden Ehe, auf die Gründung des Instituts für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität sowie den Umbau der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Es gebe "allenfalls gute, aber selten perfekte Entscheidungen", hielt Koch seinen Kritikern entgegen. Wer dies akzeptiere, bleibe offen für eine Weiterentwicklung von getroffenen Beschlüssen.

Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken, Bernd Streich, forderte ebenfalls zu Dialog und Verständigung sowie zum Engagement gegen Antisemitismus, Fremdenhass und Rassismus auf. Vor allem mahnte er eine transparente und konsequente Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Kirche an. Der Diözesanrat trete dafür ein, dass der Schutz der Betroffenen "bedingungslos über dem der Institution Kirche oder von schuldig gewordenen Klerikern und Kirchenvertretern steht", sagte Streich. Die kirchlichen Machtverhältnisse müssten verändert werden, wenn sie Missbrauch begünstigten oder eine nachhaltige Aufarbeitung verhinderten.

Der Diözesanrat vergab bei dem Empfang seinen jährlichen Integrationspreis. Der "Drei-Königs-Preis" in Höhe von 1.800 Euro ging an die Berliner maronitische Gemeinde. Die in der Gemeinde Sankt Paulus (Moabit) beheimatete Gemeinschaft wurde für ihr Engagement zur Integration von Flüchtlingen ausgezeichnet. Die Maroniten sind eine vor allem im Libanon ansässige Ostkirche, die den Papst als Oberhaupt anerkennt. Von der westlichen (lateinischen) katholischen Kirche unterscheidet sie sich durch ihr eigenes Kirchenrecht und ihre aramäisch-antiochenische Liturgie.

Der "Drei-Königs-Preis" würdigt Initiativen, die das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Religionen fördern. Der Diözesanrat ist die höchste Laienvertretung des Erzbistums. Er koordiniert die Mitwirkung der Laien bei den Aufgaben des Erzbistums, zudem nimmt er zu gesellschaftlichen und kirchlichen Fragen Stellung.

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