Bischof bin ich nicht für mich selbst!

Am Samstag ist es so weit: um 11.00 Uhr werde ich in der St. Hedwigs-Kathedrale in mein neues Amt als Erzbischof von Berlin eingeführt. Sie können im rbb-Fernsehen live dabei sein, sich mit mir freuen und für Berlin, unser Bistum und für mich beten.

Ich kann und will das, was an neuen Aufgaben auf mich zukommt, nicht alleine schaffen. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwarten mich. Ich weiß, dass katholische Schulen und Kitas, dass der Religionsunterricht, dass Caritas-Einrichtungen und Beratungsstellen einen guten Ruf haben in dieser Stadt. Ich weiß von ungezählten  Christen, die sich um die Armen und Kranken, um die Hilfsbedürftigen und die Flüchtlinge kümmern.

Mit ihnen zusammen will ich anfangen „in Gottes Namen“, im Vertrauen auf seine Hilfe. Eine Erfahrung der vergangenen Wochen ermutigt mich dabei sehr: Es ist ein vielstimmiges „Herzlich Willkommen!“, das mir den Abschied aus Dresden ein wenig leichter macht.

Für mein erstes Jahr habe ich mir vor allem vorgenommen, Ihnen zuzuhören. Vieles werde ich noch kennenlernen und besser verstehen müssen, um mitreden und entscheiden zu können.

Bischof bin ich nicht für mich selbst. Ich bin zunächst der Oberhirte für mehr als 400.000 Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern, aber die Anliegen, Sorgen und Freuden aller Menschen in diesem Gebiet sind mir ein Herzensanliegen.

„Bischof sein“ heißt für mich auch: Berührbar sein für Sorgen und Nöte, denen Stimme zu geben, für die keiner sich einsetzt, und mich für den Zusammenhalt in der Gesellschaft einzusetzen.

Auch in der Kirche stehen sich unterschiedliche Meinungen und Positionen oft gegenüber. Ich will diese Spannungen aushalten, wo nötig, auflösen, wenn möglich, vor allem aber Spaltung verhindern und in der Einheit, die für uns Christen die Einheit in Gott ist, verbleiben. Denn eine Spaltung hatten wir schon einmal in dieser Stadt. Im Oktober feiern wir 25 Jahre Deutsche Einheit, das verpflichtet uns in Berlin in ganz besonderer Weise.

Ich bin gespannt auf Berlin. Meine Tür wird für Sie offen sein und ich bitte um Ihre offene Tür für mich und für uns, die Kirche im Erzbistum Berlin.