Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

"Das Feuer am Brennen halten" Berliner Diözesanadministrator Przytarski zu seinem neuen Amt

Foto: Walter Wetzler

Berlin (KNA) Nach dem Wechsel von Kardinal Rainer Maria Woelki nach Köln steht Tobias Przytarski (54) nun übergangsweise an der Spitze des Erzbistum Berlin. Das Metropolitankapitel wählte ihn zum Diözesanadministrator, bis ein neuer Erzbischof sein Amt antritt. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) äußerte sich der frühere Generalvikar am Mittwoch zum Fortgang der Bistumsreform und der geplanten Sanierung der Hedwigskathedrale. Auch nannte er seine Erwartungen an den künftigen Erzbischof.

KNA: Herr Prälat, Sie sind nach dem Abschied von Kardinal Woelki zum Diözesanadministrator gewählt worden. Was haben Sie denn da jetzt zu tun, bis ein neuer Erzbischof kommt?

Przytarski: Zunächst muss ich versuchen, die in Gang gesetzten Prozesse am Laufen zu halten, so gut es geht. Und wir werden sicherlich auch versuchen, die Zeit zu nutzen, um noch mehr Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht ist diese Vakanz ja dafür gut, dass man über das ein oder andere nochmal gründlich nachdenkt und manchem, der damit nicht einverstanden ist, klarmachen kann, dass es um gute und sinnvolle Projekte geht.

KNA: Dazu gehört ja zum Beispiel der geplante Umbau der Hedwigskathedrale. Liegt der jetzt erst mal auf Eis? Man hört ja schon mal Stimmen, die genau darauf hoffen...

Przytarski: Von Stillstand kann keine Rede sein, es ist auch nicht etwa eine große Pause angesagt. Selbstverständlich geht es weiter, der Diözesanadministrator darf auch keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen. Das heißt konkret: Die bisher getroffenen Entscheidungen und Wege führe ich selbstverständlich weiter. Allerdings nur die Vorbereitungen, die Entscheidung zum Bauen selbst muss der neue Erzbischof dann treffen.

KNA: Nicht nur über die Hedwigskathedrale wird heftig diskutiert, auch über die Strukturreformen mit der Zusammenlegung von Pfarreien. Wie geht es da weiter?

Przytarski: Da bin ich sehr entspannt, denn die Grundentscheidungen sind ja in den vergangenen zweieinhalb Jahren getroffen worden. Und jetzt geht es darum, dass die Gemeinden weiter aufeinander zugehen. Da ändert sich eigentlich nichts und es stehen auch keine unmittelbaren Entscheidungen an. Hier geht es eher darum, sozusagen das Feuer am Brennen zu halten und nicht den Eindruck zu erwecken, wir machen jetzt Pause. Im Gegenteil: Wir machen jetzt erst recht weiter.

KNA: Und wie lange werden Sie weitermachen? In Köln ging es ja viel schneller als erwartet, bis der Bischofsstuhl wieder besetzt war. Was erhoffen Sie sich für Berlin?

Przytarski: Ich hoffe, dass meine Amtszeit sehr kurz sein wird. Denn es wäre natürlich gut, schnell einen neuen Bischof zu bekommen. Das haben wir aber nicht in der Hand. Wir können nur hoffen und beten, dass es möglichst schnell geht.

KNA: Und was soll und muss der neue Erzbischof mitbringen?

Przytarski: Ich glaube, er muss nach innen und nach außen die Kirche auf eine gute Weise darstellen. Er sollte die Menschen motivieren und dafür sorgen, dass die Kirche auch wirklich ein Glaubenszeugnis abgibt und dass der Glaube lebendig bleibt. Nach innen sollte er auseinanderlaufende Tendenzen zusammenbringen. Nach außen sollte er dafür sorgen, dass wir als Kirche gerade in der Hauptstadt wahrgenommen und gehört werden und dass wir als Akteur in der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen.

KNA: Klingt nicht gerade nach einem leichten Job. Sie sprechen auch die politische Rolle des Berliner Erzbistums an. Da hatten Sie ja durchaus kritische Worte übrig dafür, dass Kardinal Woelki, der ja einiges angestoßen hatte, jetzt schon wieder abberufen wurde. Wo liegt es da im Argen?

Przytarski: Wenn man ehrlich ist, spielen wir in der Gesellschaft keine ganz so große Rolle in der Hauptstadt. Auf der politischen Ebene gibt es die Katholischen Büros, aber im Bereich Wissenschaft, Kultur und Medien lässt sich bestimmt noch einiges mehr machen. Das wird sicher eine der wichtigen Aufgaben sein, wenn es um die Rolle der Kirche in der Hauptstadt geht.

KNA: Stichwort Wissenschaft. Was machen die Pläne für eine Katholisch-Theologische Fakultät in Berlin?

Przytarski: Ob das eine Fakultät werden wird? Das glaube ich erst einmal nicht. Sondern eher eine andere Art von Wissenschaftseinrichtung, über die wir gerade mit interessierten Akteuren im Gespräch sind. Darüber wird sicher auch in der Bischofskonferenz zu reden sein, denn das sind Projekte, die wir als Diasporadiözese aus eigenen Kräften nicht stemmen können. Da brauchen wir Unterstützung.

KNA: Sie gehören zu der neuen Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz, die die Präsenz der katholischen Kirche in der Hauptstadt stärken soll. Was erhoffen Sie sich von dieser Gruppe?

Przytarski: Eine ganze Menge! Ich denke, dass man in der Bischofskonferenz verstanden hat, wie wichtig es für die Kirche in Deutschland insgesamt ist, dass wir in der Hauptstadt gut vertreten sind. Ich glaube, wenn wir da nicht mehr vorkommen, dann kommen wir bald auch woanders nicht mehr vor.