Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

„Episches Abenteuer und eine spirituelle Suche?"Eine Filmkritik zu EXODUS

Was ist der Unterschied zwischen dem biblischen Buch Exodus und dem Film „Exodus: Götter und Könige“? Die Hauptrolle in der Bibel spielt Gott, die Hauptrolle im Film spielt Christian Bale als Moses. Und damit ist das Dilemma des Films im Grunde schon umfassend beschrieben. Ridley Scott beschreibt zwar Moses‘ Leben als ein „episches Abenteuer und eine spirituelle Suche“, bleibt aber den zweiten Teil doch weitgehend schuldig. Warum sich Moses von einem kleinen Jungen und einem flackernden Gestrüpp als brennender Dornbusch überzeugen lässt, das Volk Israel aus Ägypten zu führen, wird in keiner Weise plausibel gemacht. Man ist eher geneigt, seiner Frau zu folgen, die die Folgen einer Kopfverletzung als Auslöser für seinen unvermittelten Aufbruch zur Rettung seines Volkes vermutet.

Gott selbst hat Ridley Scott mehrfach besetzt. Neben erschreckenden Wolkentürmen mit bedrohlichen Schatten oder dunklen Schatten spricht Gott als ein kleiner, kahlgeschorener und ziemlich vorlauter Junge. Dafür wurde Scott vielfach von der Kritik gescholten, insbesondere wenn sie aus der christlich-kirchlichen Richtung kommt. Dass Gott über einen Boten in Menschengestalt mit den Menschen spricht, ist biblisch gut belegt, so ganz ist die Empörung also nicht nachzuvollziehen. Und die besten Szenen hat Christian Bale, wenn er als Moses mit Gott hadert, mit ihm streitet, mit einem Gott, der sich ihm entzieht, und dessen brutale Plagen er nicht versteht. Erst wenn er seinem Volk voraus in die zurückweichenden Wassermassen des Roten Meeres steigt, tut er dies, weil er seinem Gott glaubt, nicht weil er meint, es besser zu wissen.
Nach „Noah“ ist „Exodus“ jetzt schon der zweite Film in kurzer Zeit, der wieder einen biblischen Stoff auf die ganz große Leinwand bringt. Das liegt vielleicht daran, dass man sowohl Sintflut als auch biblische Plagen und die Wassermassen des Roten Meeres so spektakulär wie nie zuvor am Computer umsetzen und somit – wenigstens am Tricktisch – selbst Gott spielen kann. Es liegt aber auch daran, dass die biblischen Stoffe einfach unverwüstlich sind, auch wenn man kein religiös-spirituelles Motiv für sich in Anspruch nehmen kann. Und die Geschichte von der Befreiung aus der Sklaverei, vom Niederringen eines totalitären Unrechtsregimes kann man in Hollywood gar nicht oft genug erzählen. Denn auch wenn Ausstattung und Trick alles unternehmen, um das Alte Ägypten lebendig werden zu lassen, so sind wir doch plötzlich wieder mitten drin im amerikanischen Bürgerkrieg oder in der Befreiung Europas von der Nazi-Diktatur.

Das ist es auch, was an dem Film am meisten betrübt: wenn man die Pyramiden und die Sphinx abzieht, erinnern die Steinbrüche, in denen die Israeliten geknechtet werden, an den „Herrn der Ringe“, die Wassermassen an „The day after tomorrow“, die Streitwagen an „Ben Hur“ und Moses eben doch an „Gladiator“, den anderen Helden, den Ridley Scott allerdings selbst erschaffen hat. An der biblischen Vorlage kann das nicht liegen, das liegt am Computer.